Markenlexikon

WMF

Deutschland

Der Müller und Mühlenbesitzer Daniel Straub gründete 1853 gemeinsam mit den Brüdern Louis und Friedrich Schweizer in Geislingen die Metallwarenfabrik Straub & Schweizer, die hauptsächlich Haus- und Küchengeräte wie Lampen, Leuchter, Laternen, Kaffee- und Teekessel, Tafelgeschirr, Trinkgefäße, Kirchengeräte und ab 1859 auch versilbertes Besteck herstellte. Daneben besaß Daniel Straub auch noch Maschinenfabrik Geislingen, die am Bau der Eisenbahnstrecke Geislinger Steige beteiligt war. Von 1962 bis 1865 arbeitete Gottlieb Daimler als Konstrukteur bei Straub & Schweizer. Nachdem die Schweizer-Brüder die Firma verlassen hatten, wurde sie 1866 in Straub & Sohn umbenannt. 1868 eröffnete die erste Verkaufsfiliale in Berlin, die den Vertrieb der Produkte im Norden Deutschlands übernahm.

Im Juni 1880 schloss sich das Unternehmen mit der Metallwarenfabrik A. Ritter & Co. aus Esslingen (1871 von Alfred Ritter und Carl Haegele gegründet) zur Württembergischen Metallwarenfabrik AG (WMF) mit Sitz in Geislingen zusammen; Mehrheitsaktionär war zunächst die Württembergischen Vereinsbank. 1882 gab die Bank ihre Anteile an den Stuttgarter Unternehmer und Politiker Gustav Siegle (1840 – 1905) ab, der u.a. zwei Farbenfabriken betrieb (G. Siegle & Co. Nürtingen, Offene Gesellschaft G. Siegle u. Co. Feuerbach). Die Nachkommen Siegles blieben bis 1980 Mehrheitsaktionär der WMF. Im September 1887 folgte der Gang an die Stuttgarter Börse. Das Unternehmen produzierte und verkaufte zu dieser Zeit vor allem galvanisch versilberte Gebrauchs- und Ziergegenstände an Privathaushalte und Hotels. Zum wichtigsten WMF-Produkt entwickelte sich jedoch versilbertes Besteck, das ab 1889 in Serie hergestellt wurde. 1892 patentierte WMF ein noch heute angewandtes Verfahren, bei dem die Silberauflage an den besonders beanspruchten Stellen doppelt so stark ist (Perfect-Hartversilberung).

Nach dem 1. Weltkrieg sicherte sich WMF die Nutzungsrechte für den von Krupp entwickelten rostfreien V2-A-Edelstahl; die Tafel- und Küchengeräte aus diesem Material kamen unter dem Markennamen Cromargan in den Handel. In den 1920er Jahren waren Württemberger Bestecke auch außerhalb Deutschlands und Europas bekannt und beliebt. 1920 führte WMF den Markennamen Silitstahl (später zu Silit verkürzt) für Universalkochgeschirr ein (aus Siemens-Martin-Stahl). 1927 folgte der erste moderne Schnellkochtopf der Welt (Sicomatic, Siko = Sicherheits-Kochtopf). 1927 brachte WMF das erste Kochgeschirr aus Cromargan auf den Markt, einige Jahre folgten die ersten Cromargan-Bestecke. Zur gleichen Zeit nahm WMF die Produktion von Großkaffeemaschinen für den Gastronomiebereich auf. 1969 brachte WMF weltweit erste vollautomatische Kaffeemaschine auf den Markt.

1979/80 erwarb die Rheinmetall Berlin AG die WMF-Anteile der Siegle-Familie; die Eigentümer beider Unternehmen, die Siegle-Familie und die Röchling-Familie, waren weitläufig miteinander verwandt. Hintergrund war der Versuch des Rüstungskonzerns sich neue Geschäftsfelder außerhalb der Wehrtechnik zu erschließen. Doch das Bundeskartellamt lehnte die Übernahme überraschenderweise ab, da man befürchtete, dass die WMF mit der finanziellen Kraft von Rheinmetall im Rücken für ihre Mitbewerber zu mächtig werden könnte. Das Verfahren zog sich bis 1985 hin, dann verkaufte Rheinmetall das Unternehmen schließlich an die Helvetic-Gruppe des Wiesbadener Investors Wolfgang Schuppli, der seine Anteile 1994 an die Deutsche Bank, den Versicherungskonzern Munich Re und die Württembergische Versicherung weiterreichte. 2006 beteiligten sich die österreichischen Investorengruppe FIBA (37 Prozent) und die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis/Crystal Capital (35 Prozent) an der WMF. 2012 erwarb der US-Private-Equity-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) die Crystal-Capital-Anteile und Teile der FIBA-Aktien, sodass KKR mit rund 71 Prozent zum WMF-Mehrheitsaktionär aufstieg. Seit 2016 gehört WMF zum französischen Hausgerätekonzern SEB S.A. (All-Clad, Arno, Calor, Emsa, Krups, Lagostina, Moulinex, Rowenta, Tefal/T-Fal).

WMF fertigt heute ein breitgefächertes Programm von Küchengeräten und -maschinen: u.a. Bestecke, Kochtöpfe, Pfannen, Messer, Küchenhelfer, Mühlen, Gläser, Elektrokleingeräte, Dampfgarer, Spezialkochgeschirr, Kaffeevollautomaten, Kaffeepadmaschinen, Espressomaschinen und Filterkaffeemaschinen. Verkauft werden die Produkte neben dem Einzelhandel auch in rund 200 eigenen Geschäften in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben dem Hauptmarke WMF gehören dem Unternehmen auch die Marken/Firmen Auerhahn (Bestecke; Übernahme 1995), Boehringer Gastro Profi (Systemlösungen für die Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung), Hepp (Bestecke; Übernahme 1988), Original Kaiser (Backformen; Übernahme 2002), Schaerer (Kaffeevollautomaten; Übernahme 2003), Silit (Kochgeschirr) und Tischfein (Belieferung von Großhändlern, Einzelhandelsketten, Discountern). Von 1987 bis 2014 war auch die Firma Alfi (Aluminiumwarenfabrik Fischbach) aus Wertheim, ein Hersteller von Isolierkannen, eine WMF-Tochtergesellschaft, und von 2008 bis 2013 der Elektrogerätehersteller Petra-electric aus Burgau. WMF betreibt weltweit acht Fertigungsstätten (Geislingen/Steige, Hayingen, Diez/Lahn, Wertheim, Riedlingen, Domažlice/Tschechien, Zuchwil/Schweiz, Heshan/China).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:55