Markenlexikon

Western Union

USA

Die Western Union Telegraph Company wurde 1851 von dem Verwaltungsbeamten Hiram Sibley (1807 – 1888) und dem Richter Samuel Lee Selden (1800 – 1876) unter dem Namen New York and Mississippi Valley Printing Telegraph Company in Rochester/New York gegründet, um eine transkontinentale Telegrafenstrecke von der Ostküste bis zur Westküste der USA zu errichten. 1856 erfolgte die Umbenennung in The Western Union Telegraph Company und 1861 wurde die geplante Telegrafenstrecke fertiggestellt. Eine weitere Strecke, die über Alaska und Sibirien Nordamerika mit Europa verbinden sollte, gab man jedoch auf, weil die britische Atlantic Telegraph Company bereits 1858 ein Unterwasserkabel durch den Atlantik verlegt hatte. Von 1872 bis 1879 versuchte die Western Union auch auf dem Telefonmarkt Fuß zu fassen, doch schließlich verkaufte man diesen Bereich an die Bell Telephone Company, die spätere American Telephone and Telegraph Company (AT&T).

Ab 1871 spezialisierte sich Western Union auf den Money-Transferservice (Geldüberweisungen); die notwendigen Daten wurden über das Telegrafennetz übermittelt. Als die New Yorker Finanzinformationsagentur Dow-Jones 1884 den ersten Aktien-Index veröffentlichte, gehörte Western Union neben neun Eisenbahngesellschaften und einer Reederei zu den dort gelisteten Unternehmen. 1914 brachte Western Union die erste Kredikarte der Welt auf den Markt. Das Unternehmen bot seinen Kunden bald weitere Dienstleistungen wie Fernschreiber (1923), Telegramme (1933), Fax-Übertragung (1935), Mikrowellenkommunikation (1943), Telex (1958) oder Candygramme (1965) an. Im April 1974 ließ Western Union den ersten privaten Nachrichtensatelliten der Welt in eine Umlaufbahn schießen (Westar I), der nicht nur zur Übermittlung der firmeneigenen Kundendaten zwischen den einzelnen Niederlassungen diente, sondern auch an andere Unternehmen zur Datenübertragung vermietet wurde. Ab Mitte der 1980er Jahre zog sich Western Union aufgrund rückläufiger Gewinne und steigender Schulden aus dem Telekommunikationsgeschäft wieder zurück; das 1981 von Western Union gekaufte Airfone-Netz, das das Telefonieren aus Flugzeugen heraus ermöglichte, erwarb 1986 GTE (heute Verizon), die Satelliten-Flotte übernahm die Firma Hughes Space and Communications (heute Boeing), das die insgesamt sieben Westar-Satelliten entwickelt und gebaut hatte.

Trotzdem schrammte das Unternehmen jahrelang knapp am Konkurs vorbei. 1987 erwarb der Investor Bennett S. LeBow die Mehrheit der Western Union Telegraph Company, die anschließend erst in Western Union Corporation und 1991 in New Valley Corporation umbenannt wurde. Für den neuen Namen gab es einen handfesten Grund; man wollte beim bevorstehenden Konkurs nicht dem Image des traditionsreichen Namens Western Union, der vor allem für den immer noch erfolgreichen Geltransfer-Service stand, schaden. 1993 musste die New Valley Corporation dann tatsächlich Gläubigerschutz beantragen. Die Tochtergesellschaft Western Union Financial Services löste man 1994 aus dem insolventen Unternehmen heraus und verkaufte sie an die First Financial Management Corporation, einen Bank-Dienstleister aus Atlanta/Georgia. New Valley wurde nach der Beendigung des Insolvenzverfahren in eine Investment- und Immobilienfirma umgewandelt. 1995 kam es zum Zusammenschluss der First Financial Management Corporation mit der First Data Corporation, der früheren American Express Information Services Corporation. Seit 2006 ist Western Union wieder eine unabhängige Aktiengesellschaft, die sich auf den internationalen Geldtransfer zwischen Privatpersonen spezialisiert ist; der Telegramm-Dienst wurde Anfang 2006 aufgrund mangelnder Nachfrage eingestellt.

Haupteinnahmequelle des Konzerns sind Gebühren, die sich nach der Höhe des verschickten Geldbetrages und dem Bestimmungsort richten. Da für den Geldtransfer lediglich Bargeld und ein gültiges Ausweisdokument nötig sind, und einmal getätigte Überweisungen nicht wie bei fehlerhaften Banküberweisungen oder Abbuchungsaufträgen rückgängig gemacht werden können, wird der Geldtransferdienst von Western Union gelegentlich von kriminellen Elementen für Online-Betrugsdelikte missbraucht. Inzwischen können Geldüberweisungen auch online per Kreditkarte (MasterCard, Visa) getätigt werden, allerdings muss sich der Versender zuvor auf der Western-Union-Website registrieren und seine Ausweisdaten mittels Postident-Verfahren überprüfen lassen. Western Union ist in über 140 Ländern mit rund 335.000 Vertriebsstellen präsent. In Österreich und Deutschland gibt es 2005 bzw. 2006 die Western Union International Bank, die die gleichen Dienstleistungen anbietet wie die normalen Vertriebsstellen. Hauptkunden von Western Union sind vor allem Immigranten, die regelmäßig Geld an ihre Familien im Ausland überweisen, außerdem Touristen, die Bargeld benötigen.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:55