Markenlexikon

West

Deutschland

Johann Bernhard Reemtsma (1857 – 1925) gründete das Unternehmen mit dem Bug eines Wikingerschiffes im Logo 1910 in Erfurt, nachdem er zuvor die Cigarettenfabrik Dixi übernommen hatte. 1923 wurde der Firmensitz nach Altona-Bahrenfeld (Hamburg) verlegt. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs war Reemtsma mit seinen Orientzigaretten R6 (1921), Ova (1924), Senoussi (1924) und Ernte 23 (1925) Markführer in Deutschland. R6 war zu dieser Zeit die einzige Marke, die es in ganz Deutschland zu kaufen gab. In den 1920er und 1930er Jahren erwarb Reemtsma zahlreiche Tabakhersteller (1924 Jasmatzi Dresden, Manoli Berlin; 1925 Josetti Berlin; 1926 Delta Dresden, Yenidze Dresden; 1928 Batschari Baden-Baden, Constantin Hannover; 1929 Waldorf-Astoria Stuttgart, Garbáty Berlin; 1935 Haus Neuerburg Köln). Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden Zigaretten in Deutschland kontingentiert. Wegen der kriegsbedingt schlechten Qualität des Rohtabaks nahmen fast alle Hersteller ihren Markenzigaretten vom Markt. Ab 1943 gab es schließlich nur noch die namenlose deutsche Einheitszigarette.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs eroberten die US-Zigaretten mit ihren Virginia-, Kentucky- und Tennessee-Tabaken (American Blend) den europäischen Markt. Reemtsma brachte 1948 mit der Collie eine eigene American-Blend-Zigarette heraus. Sie wurde zum großen Renner und zur meistgerauchten deutschen Zigarette der Nachkriegszeit. In den 1950er und 1960er Jahren kamen auch die alten Reemtsma-Marken, die teilweise von den übernommenen Firmen stammten, wieder auf den Markt: Astor (1950), Ova (1950), Zuban Nr. 22 (1950), Juno (1951), Salem Nr. 6 (1952), Eckstein Nr. 5 (1953), Ernte 23 (1956), Atika (1966), R6 (1968). 1957 erwarb Reemtsma die Badische Tabakmanufaktur Roth-Händle aus Lahr, die seit 1935 die Marken Reval und Roth-Händle herstellte, und 1959 die Markenrechte der südafrikanischen Zigarettenmarke Peter Stuyvesant für den deutschsprachigen Raum; für die Produktion wurde ein neues Werk in Berlin errichtet. 1971 entstand ein weiteres Werk in Hannover-Langenhagen. 1980 verkaufte Jan Philipp Reemtsma das Unternehmen an Tchibo.

Anfang der 1980er Jahren ließen deutsche Raucher die alten einheimischen Marken immer öfter links liegen und griffen zu amerikanischen Zigaretten wie Marlboro und Camel oder aber zu Marken, von denen sie annahmen, dass sie aus Amerika kamen, wie etwa Peter Stuyvesant. Reemtsma reagierte auf diesen Trend mit der Etablierung der neuen Marke West, der man ihren deutschen Ursprung nicht gleich auf den ersten Blick ansah. Deswegen stand auf der Schachtel auch der Firmenname West Park Tobacco Inc. Richmond/Virginia – wobei es sich dabei um eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Reemtsma handelte. Denn den meisten Rauchern kam es weniger auf die American-Blend-Mischung an, sondern mehr auf einen amerikanisch klingenden Namen. In den 1990er Jahren entwickelte sich West zu einer der erfolgreichsten Zigaretten in Deutschland. Seit Ende der 1980er Jahre wird West auch international verkauft.

Im Zuge der Lights-Welle in Deutschland folgte 1984 die Marke R1. Die niedrigen Nikotin- und Teerwerte waren das Ergebnis eines speziellen Filters, der den Rauchstrom bündelt und den Geschmack auf den Mittelpunkt des Filters konzentriert. Durch die Bündelung der Geschmackspartikel wird ein intensiveres Geschmackserlebnis erzielt. Für den Schweizer Zigarren- und Luxusgüterhersteller Davidoff entwickelte Reemtsma 1985 die Luxuszigarette Davidoff Magnum. 1990 übernahm Reemtsma die Nortak-Tabakfabrik aus Nordhausen (Cabinet, Duett). Cabinet war seit ihrer Markteinführung 1972 eine der am meist gerauchten Zigaretten der ehemaligen DDR gewesen.

2002 verkaufte Tchibo die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH an den britischen Tabakkonzern Imperial Tobacco (Drum, Ducados, Embassy, Fortuna, John Player, John Player Special, Lambert & Butler, Nobel, Regal, Richmond, Rizla, Superkings, Van Nelle).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:55