Markenlexikon

Visa

USA

Amadeo Peter Giannini (1870 – 1949), Sohn italienischer Einwanderer aus Genua, gründete 1904 in San Francisco die Bank of Italy, die anfangs vor allem mittellose italienische Einwanderer mit Krediten versorgte. 1927 übernahm Giannini die Bank of America aus New York. 1930 fasste er beide Banken zur Bank of America zusammen. Das Geldinstitut finanzierte u.a. die Filmindustrie in Hollywood (Disney, United Artists), die kalifornische Wein- und Zitrusindustrie und die Golden Gate Bridge.

Im September 1958 brachte die Bank of America die BankAmericard auf den Markt. Im Gegensatz zu den gebührenpflichtigen Kundenkreditkarten von Diners Club und American Express, die ihren betuchten Mitgliedern allerlei Zusatzleistungen anboten und den Händlern recht hohe Provisionen abverlangten, wandte sich die neue Kreditkarte an den Durchschnittskunden, der damit seine täglichen Einkäufe bezahlen konnte. Gebühren gab es keine, und den Kunden wurde ein Kleinkredit von 100 Dollar eingeräumt, für den allerdings 1,5 Prozent Zinsen gezahlt werden mussten. Die neue Karte kam genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt. Das Einkommen der Amerikaner war in den 1950er Jahren stetig angewachsen und Konsumgüter wie Waschmaschinen, Kühlschränke oder Fernsehgeräte eroberten die Haushalte. Die BankAmericard wurde von den Kunden und Einzelhändlern in der kalifornischen Stadt Fresno, die als Testmarkt diente, mit Begeisterung angenommen: die Kunden brauchten nun nicht mehr bei ihrer Bank oder im Laden um einen Kleinkredit betteln und die Händler sparten sich eine Menge Aufwand und Kosten, der bei der Vergabe von Krediten zuvor angefallen war. Rund ein Jahr später waren in Kalifornien bereits zwei Millionen Karten im Umlauf, die von rund 20.000 Einzelhändlern akzeptiert wurden. Anfangs fuhr die Bank of America mit ihrer Karte allerdings hohe Verluste ein, da viele Kunden nicht daran dachten, ihre Schulden pünktlich am Monatsende zu begleichen. Dem Erfolg der Kreditkarte als Massenzahlungsmittel tat dies jedoch keinen Abbruch. Nachdem die BankAmericard den kalifornischen Markt erobert hatte, vergab die Bank of America ab 1966 Lizenzen an Banken außerhalb Kaliforniens. 1969 erwarb die britische Barclays Bank die erste Kreditkartenlizenz für Europa.

Auf Inititive von Dee Hock, der bei der Bank of America für die Kreditkartensparte verantwortlich war, schlossen sich 1970 alle nationalen Banken, die die BankAmericard herausgaben, zur National BankAmericard Corporation (NABANCO) zusammen, und 1974 folgten alle internationalen Banken mit der Gründung der International BankAmericard Corporation (IBANCO). 1976 ließ sich Hock den neuen Markennamen Visa einfallen (in Anlehnung an den gleichnamigen Sichtvermerk in Reisepässen); die NABANCO benannte sich daraufhin in Visa USA und die IBANCO in Visa International um. Zuvor war die Karte unter verschiedenen Namen wie BankAmericard (USA), Barclaycard (Großbritannien), Carte Bleue (Frankreich) oder Chargex (Kanada) herausgegeben worden.

2007 schlossen sich Visa USA, Visa Canada Association und Visa International Service Association in einer neuen Dachgesellschaft zusammen (Visa Inc.). Bis dahin hatte das nicht gewinnorientiert arbeitende Unternehmen seinen Mitgliedern, weltweit rund 20.000 Finanzdienstleister und Banken, gehört. Im März 2008 folgte der Gang an die New Yorker Börse. Lediglich Visa Europe mit Sitz in Großbritannien wurde weiterhin selbstständig von rund 4500 europäischen Mitgliedsbanken betrieben. Ende 2015 schlossen sich Visa Inc. und Visa Europe zusammen.

Visa vergibt Lizenzen an Banken für die Ausgabe von Kreditkarten, Debitkarten und Bargeldbezugskarte sowie für die Abrechnung von Vertragsunternehmen. Die Karten selbst werden ausschließlich von den Mitgliedsbanken ausgegeben.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:55