Markenlexikon

United Artists

USA

Mit dem Ziel qualitativ hochwertige Filme zu produzieren, gründeten die Schauspieler Charlie Chaplin (1889 – 1977), Mary Pickford (1892 – 1979), Douglas Fairbanks sen. (1883 – 1939) und der Regisseur David Wark Griffith (1875 – 1948) 1919 die United Artists Corporation. Andererseits wollten sich die vier Filmemacher auch ihre Profite sichern, denn zu jener Zeit waren die führenden Filmgesellschaften gerade dabei, sich auf die drastische Beschneidung der damals schon ausufernden Gagen zu einigen.

1926 etablierte Joseph Michael Schenck (1878 – 1961), seit 1924 Vorstandsvorsitzender der United Artists Corporation, die Kinokette United Artists Theatres, die jedoch nie ein Teil der Filmgesellschaft war; die United-Artists-Eigner, die kein Interesse an Kinos hatten, gaben Schenck die Genehmigung, den Namen United Artists zu verwenden (United Artists Theatres gehört seit 2002 zur Regal Entertainment Group).

Die ersten Filme, die in den Chaplin-Studios und den Pickford-Fairbanks-Studios von Hollywood entstanden, wurden Aufgrund der Berühmtheit ihrer Gründer allesamt große Erfolge (u.a. 1925 »Goldrausch«, 1931 »Lichter der Großstadt«, 1936 »Moderne Zeiten«, 1940 »Der große Diktator«).

Daneben übernahm United Artists im Laufe der nächsten Jahrzehnte auch den Filmverleih für eine ganze Reihe unabhängiger Produzenten und Regisseure wie Sam Goldwyn (1936 »Zeit der Liebe, Zeit des Abschieds«, 1939 »Stürmische Höhen«, 1959 »Porgy & Bess«, 1946 »Die besten Jahre unseres Lebens«), Howard Hughes (1932 »Scarface«), Darryl F. Zanuck (1935 »Die Elenden«), David O'Selznick (1937 »A Star Is Born«, 1937 »Der Gefangene von Zenda«, 1940 »Rebecca«), Walter Wanger (1939 »Ringo«), Alexander Korda (1940 »Der Dieb von Bagdad«), Howard Hawks (1948 »Red River«), Harold Hecht (1952 »Der rote Korsar«, 1954 »Vera Cruz«, 1955 »Marty«, 1958 »U 23 Tödliche Tiefen«, 1958 »Getrennt von Tisch und Bett«, 1962 »Der Gefangene von Alcatraz«, 1967 »Der Weg nach Westen«), Stanley Kramer (1952 »12 Uhr mittags«, 1958 »Flucht in Ketten«, 1959 »Wer den Wind säht«, 1961 »Das Urteil von Nürnberg«), Otto Preminger (1955 »Der Mann mit dem goldenen Arm«), Sidney Lumet (1957 »Die zwölf Geschworenen«), Michael Todd (1956 »In 80 Tagen um die Welt«), Stanley Kubrick (1957 »Wege zum Ruhm«), Billy Wilder (1958 »Zeugin der Anklage«), Walter Mirisch (1959 »Manche mögen´s heiß«, 1960 »Die glorreichen Sieben«, 1963 »Der rosarote Panther«, 1961 »West Side Story«, 1963 »Gesprengte Ketten«, 1967 »In der Hitze der Nacht«, 1968 »Thomas Crown ist nicht zu fassen«), Harry Saltzman/Albert Broccoli (ab 1962 »James-Bond-Filme«, 1969 »Die Luftschlacht um England«), Woody Allen (1965 »What's New Pussycat?«, 1972 »Was Sie schon immer über Sex wissen wollten«, 1977 »Der Stadtneurotiker«, 1980 »Stardust Memories«), Joseph Levine (1967 »Die Reifeprüfung«), Norman Jewison (1975 »Rollerball«), Saul Zaentz (1975 »Einer flog über das Kuckucksnest«), Chartoff/Winkler (ab 1976 »Rocky«), Brian de Palma (1976 »Carrie – Des Satans jüngste Tochter«), Hal Ashby (1978 »Coming Home«) und Francis Ford Coppola (1979 »Apocalypse Now«).

1951 verkauften die noch lebenden Gründer Charlie Chaplin und Mary Pickford ihre United-Artists-Anteile an die beiden New Yorker Anwälte Arthur Krim und Robert Benjamin. 1957 ging das Unternehmen an die Börse. Das Geld, das der Börsengang einbrachte, verwendete United Artists für den Aufbau der TV- und Musikaktivitäten. United Artists Records vermarktete Anfangs vor allem Soundtracks aus den United-Artists-Filmen, nahm aber bald auch eigene Künstler unter Vertrag (u.a. Bobby Goldsboro, Can, Don McLean, Dr. Feelgood, Gerry Rafferty, Gordon Lightfoot, Hawkwind, Kenny Rogers, Patty Duke, The Clovers, The Easybeats). 1969 kam es zum Zusammenschluss mit Liberty Records (gegründet 1955 von Simon Waronker; Bobby Vee, Canned Heat, Del Shannon, Willie Nelson) und der zu Liberty gehörenden Subabels Aladdin Records, Blue Note Records, Dolton Records, Imperial Records und Minit Records. Die erfolgreichsten UAR-Musiker waren Kenny Rogers und die britische Band ELO (nur US-Vertrieb für Jet Records).

1967 verkauften Krim und Benjamin das Unternehmen an den Finanzkonzern Transamerica Corporation aus San Francisco, blieben aber bis 1978 mit der Firmenleitung betraut. Anschließend gründeten beide die Orion Pictures Corporation, die bis zu ihrem Konkurs 1991 eine ganze Reihe von Kassenschlagern wie »Terminator« (1984), »Gorki-Park« (1985), »Amadeus« (1985), »Platoon« (1986), »Hannah und ihre Schwestern« (1986), »Robocop« (1987), »Mississippi Burning – Die Wurzeln des Hasses« (1988), »Das Schweigen der Lämmer« (1990) oder »Der mit dem Wolf tanzt« (1990) produzierte.

Transamerica veräußerte die United Artists Music and Records Group 1978 an die beiden UAR-Manager Artie Mogull und Jerry Rubinstein, die sich das Geld für den Kauf von dem britischen Musikkonzern EMI liehen, der auch den Vertrieb für die neue Firma Liberty/United Records übernahm. Durch den Eigentümerwechsel verlor Liberty/United jedoch den lukrativen ELO-Vertriebsvertag mit Jet Records (die ELO-Platten wurden fortan von CBS vertrieben), was dazu führte, dass Mogull und Rubinstein das EMI-Darlehen nicht zurückzahlen konnten. Schließlich übernahm EMI das Unternehmen 1979 selbst. EMI gab den Namen United Artists 1980 auf, betrieb das Liberty-Label aber noch bis 1986 weiter.

1981 verkaufte Transamerica die United Artists Corporation, die durch den sündhaft teuren Megaflop »Heaven's Gate« gerade in eine schwere Krise geraten war, an Kirk Kerkorians Investmentfirma Tracinda Corporation, der bereits seit 1969 die Mehrheit des Filmstudios Metro-Goldwyn-Mayer gehörte. Die weitere MGM/UA-Geschichte von 1981 bis 2006 findet sich unter dem Stichwort Metro-Goldwyn-Mayer.

Ende 2006 gab MGM die Leitung des Studios an den Schauspieler Tom Cruise und seine langjährige Geschäftspartnerin Paula Wagner ab, außerdem erhielten beide eine Beteiligung von zusammen 30 Prozent. Paramount Pictures hatte kurz zuvor den seit 14 Jahren bestehenden Vertrag mit dem Scientology-Mitglied Cruise wegen seiner geschäftsschädigenden Auftritte in der Öffentlichkeit nicht verlängert. Paula Wagner, die die Geschäftsführung übernahm, verließ United Artists jedoch bereits 2008 wieder. In der Tom-Cruise-Ära entstanden die beiden Filme »Von Löwen und Lämmern« (2007) und »Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat« (2008).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:54