Markenlexikon

TCL

China

Im 16. Jahrhundert war Guangdong (Kanton) die einzige Stadt in China, die Handel mit ausländischen Kaufleuten treiben durfte. Bis heute gelten die Bewohner der Provinz Guangdong in China als besonders geschäftstüchtig. Nach dem Tod Mao Zedongs (1976) war Guangdong die erste Provinz, in der – anfangs noch inoffiziell – mit westlichen Marktmechanismen experimentiert wurde. Als die Regierung 1980 in China fünf Sonderwirtschaftszonen einrichtete, lagen drei in Guangdong (Shenzhen, Zhuhai, Shantou).

Im gleichen Jahr gründete das Huiyang Electronic Department of Machinery Bureau in Huizhou (Guangdong) die Huiyang Electronic Industrial Company (Huiyang ist ein Stadtbezirk in Huizhou). 1981 riefen Huiyang Electronic und ein Investor aus Hongkong eines der ersten Jointventures in China ins Leben: mit einem Kapital von 5.000 Yuan, das sie sich vom Staat geliehen hatten, gründeten 13 Beamte die TTK Household Electronic Appliance Company Limited (TTK = tian tian kai). Das Unternehmen produzierte zunächst unbespielte Audio-Cassetten, die ausschließlich in China verkauft wurden. Als der Markt gesättigt war, suchten die TKK-Manager nach einem neuen Produkt. Nach einigen Geschäftsreisen ins Ausland entschied man sich für Telefone, was auch daran lag, dass die meisten die meisten Geräte in Huizhou noch aus den 1930er Jahren stammten. Das neue Produkt führte 1985 zum Firmennamen Telecommunication Equipment Company Limited (TCL). 1992 kamen die ersten TCL-Fernsehgeräte auf den chinesischen Markt. 1993 ging TCL als erstes chinesisches Telekom-Unternehmen an die Börse von Shenzhen; 1999 folgte der Börsengang von TCL International in Hongkong.

Infolge der Asienkrise von 1997 kam das Unternehmen zeitweise in finanzielle Schwierigkeiten, die dazu führten, dass TCL fortan verstärkt auf die internationalen Märkte expandierte. Die Produktpalette umfasst inzwischen u.a. TV-Geräte, Telefongeräte, Mobiltelefone, Digitalkameras, Computer, Software, Haushaltselektronik und Elektroanlagen. 2002 erwarb TCL die zuvor in Konkurs gegangene Schneider Electronics GmbH.

2004 gründeten TCL und Thomson (Frankreich) in Shenzhen das Jointventure TTE (TCL-Thomson-Electronics), wobei TCL 67 Prozent der Anteile übernahm und Thomson 33 Prozent. Thomson brachte in das Unternehmen Werke in Polen, Mexiko und Thailand, die DVD-Sparte, Forschungszentren sowie rund 9000 Mitarbeiter ein, TCL steuerte Fabriken in China, Vietnam und Deutschland dazu, außerdem die Vertriebszentren. Doch TTE – anfangs als größter TV-Gerätehersteller der Welt bezeichnet – kam nie richtig in Gang. Das Geschäft mit Fernsehröhren sowie die dazugehörigen Werke in China, Italien, Mexiko und Polen wurden 2005 an den indischen Konzern Videocon Industries verkauft, ebenso die alte Thomson-Marke Nordmende. 2007 zog TCL die Notbremse und führte TTE in die Insolvenz. Zur gleichen Zeit gab Thomson auch das Consumer-Electronics-Geschäft (Audio, Video, Accessories) auf. TCL verwendet die Marke Thomson jedoch weiterhin auf einigen europäischen Märkten unter Lizenz.

Ebenfalls 2004 entstand gemeinsam mit Alcatel ein Jointventure, in das beide Partner ihre Mobilgeräte-Sparten einbrachten. 2005 verkaufte Alcatel-Lucent seinen 45-prozentigen Anteil an TCL. Alcatel OneTouch wird nun von TCL Mobile in Lizenz verwendet.

2015 erwarb TCL von HP (Hewlett-Packard) die Namens- und Markenrechte der fünf Jahre zuvor eingestellten Marke Palm.

Die TCL Corporation befindet sich mehrheitlich im Besitz der Stadt Huizhou, weitere Anteilseigner sind das Management sowie Philips (Niederlande), Toshiba (Japan), Sumitomo (Japan), Nam Tai Electronics (Hongkong) und Gold Peak Industries (Hongkong).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:54