Markenlexikon

Tama

Japan

Der Buchhändler Matsujiro Hoshino, der in Nagoya einen Buchhandel betrieb und Schulen mit Lehrmaterialen belieferte, rief 1908 eine neue Abteilung ins Leben, die mit Instrumenten handelte (Hoshino Shoten). Hintergrund war eine Anfrage des japanischen Schulministeriums, das einen Lieferanten von Blasebalg-Orgeln suchte, die damals zur Grundausstattung japanischer Schulen gehörten. Leiter der neuen Abteilung wurde Yoshitaro Hoshino, der damals 23-jährige Sohn des Firmeninhabers. Hoshino Junior wollte sich jedoch nicht nur auf das einigermaßen sichere, aber überschaubare Geschäft mit den Schulen verlassen. Daher suchte er neue Kunden und nahm weitere Instrumente in das Sortiment auf. 1929 wurde Hoshino Shoten schließlich in eine eigenständige Firma umgewandelt (Hoshino Gakki Ten).

Im gleichen Jahr begann Hoshino Gakki Gitarren aus der Werkstatt des spanischen Gitarrenbauers Salvador Ibáñez (1854 – 1920) nach Japan zu importieren. Nach einer Andre-Segovia-Tournee durch Japan waren spanische Konzertgitarren gerade besonders gefragt. Ab 1930 importierte Hoshino auch Ludwig Drums aus den USA nach Japan. Als die Werkstatt von Salvador Ibáñez in Valencia mit der Produktion der Gitarren für den japanischen Markt nicht mehr nachkam, zog Hoshino Gakki 1935 eine eigene Gitarrenproduktion auf. Die Instrumente aus Nagoya kamen unter dem verkürzten Markennamen Ibanez in den Handel. Verkauft wurden sie nun nicht mehr nur in Japan, sondern auch in Korea, China, Russland, im pazifischen Raum und in den USA. Der 2. Weltkrieg unterbrach den weiteren Aufstieg des Unternehmens jedoch; bei einem amerikanischen Bombenangriff auf Nagoya wurden die Hoshino-Fabriken 1944 komplett zerstört.

Von einer Holzhütte aus begannen Yashitaro und seine vier Söhne Ryohei, Jumpei, Masao und Yoshihiro das Geschäft wieder aufzubauen. Anfangs bezog man sämtliche Produkte, vor allem Gitarren und Gitarrenzubehör, von anderen Firmen. Erst 1962 stieg Hoshino Gakki mit Gründung der Tochtergesellschaft Tama Seisakusho (Tama Werke) wieder in die Produktion ein. Tama (= jap. Juwel; benannt nach Yoshihiro's Frau Tama Hoshino) produzierte zunächst Akustikgitarren, Verstärker und Schlagzeuge (Star Drums; ab 1974 Tama Drums) nach US-amerikanischen Vorbildern (u.a. Martin Dreadnought, Ludwig, Rogers, Slingerland). Die Produktion der E-Gitarren wurde ab 1966 mehr und mehr zu OEM-Herstellern wie Teisco Toyoshina und Fujigen Gakki (Matsumoto) ausgelagert. Unter der Marke Ibanez kamen in den frühen 1970er Jahren vor allem Kopien bekannter Gitarren wie Gibson Les Paul, Fender Stratocaster oder Gibson Flying V in den Handel. Erst mit den Modellen Iceman (1975), Artist (1976) und Roadster (1979) konnte sich Ibanez eine eigene Identität aufbauen. Zu den bekanntesten Ibanez-Endorsern gehörten damals die Beach Boys, Pat Simmons (Doobie Brothers), Paul Stanley (Kiss), Steve Miller, Bob Weir (Greatful Dead) und George Benson.

Die Produktion der Tama-Akustik-Gitarren wurde 1979 eingestellt. Die beiden Hauptwerke der Hoshino Gakki Group befinden sich in Seto/Aichi (seit 1988) und in Guangzhou/China (seit 2004).

Text: Toralf Czartowski

Tama Logo
Hoshino Gakki Logo
Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:54