Markenlexikon

Snapchat

USA

Die liebste Beschäftigung von Millionen Internet-Nutzern in aller Welt ist das Versenden von eigenen Fotos oder Videos an Freunde und Bekannte. Weniger schön ist die Möglichkeit, dass diese Bilder unter Umständen eine langes Eigenleben im Netz entwickeln, auf das der Versender keinen Einfluss mehr hat – und wenn ihm die früheren Aufnahmen später noch so peinlich sind. Um dies zu verhindern, entwickelten die beiden Stanford-Absolventen Robert (Bobby) Murphy (* 1989) und Evan Thomas Spiegel (* 1990) 2011 die kostenlose App Snapchat (Snap/Snapchot + Chat), die zunächst nur für das Betriebssystem iOS (iPhone) verfügbar war (seit 2012 auch für Android).

Die mit Snapchat versendeten Fotos und Videos lösen sich, je nach Einstellung, entweder nach 10 Sekunden oder spätestens nach 24 Stunden selbstständig auf. Es bleiben keine Spuren im Internet, auf den Servern oder den verwendeten Geräten zurück. So zumindest die Aussage von Snapchat. Tatsächlich lassen sich die angeblich gelöschten Dateien mit etwas Mühe in den Ordnern des Empfängergerätes wiederfinden und weiterhin nutzen. Im Prinzip ähnelt das Löschen der Snapchat-Dateien dem Löschen von Dateien auf einer Festplatte. Die Dateien werden zwar nicht mehr angezeigt, sind aber physisch noch da. Allerdings überschreibt das System die alten Dateien nach und nach mit neuen, sodass sie dann tatsächlich irgendwann verschwunden sind. Falls sie der Empfänger nicht vorher anderweitig gesichert hat.

Weiterhin besteht neben der herkömmlichen Messaging-Funktion (Text-Kommunikation) die Möglichkeit, die Fotos und Videos mit allerlei Effekten, Sprechblasen, Emojis, eigenen Zeichnungen und Texten zu gestalten und zu verfremden, was einen zusätzlichen Reiz auf die vorwiegend jugendlichen Nutzer im Alter von 16 bis 24 Jahren ausübt. Über Snapchat werden zudem häufig Fotos und Videos mit intimen Inhalten ausgetauscht.

Snapchat hat mit 10 Milliarden täglichen Video-Aufrufen Facebook (8 Mrd.) inzwischen deutlich überholt (Stand: 04/2016). Ein Übernahmeangebot in Höhe von 3 Milliarden US-Dollar durch Facebook lehnte das Unternehmen Snapchat Inc. (Venice Beach/California) 2013 ab. Finanziers des Start-ups sind zahlreiche Risikokapitalgeber (u.a. Benchmark Capital, Coatue Management, Glade Brook Capital Partners, General Catalyst Partners, Institutional Venture Partners, Kleiner Perkins Caufield & Byers, Lightspeed Venture Partners, SV Angel) Im März 2017 ging das Mutter-Unternehmen Snap Inc. an die New York Stock Exchange.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:54