Markenlexikon

Rollei

Deutschland

Der Mechaniker Reinhold Heidecke (1881 – 1960) arbeitete zunächst als Fertigungsleiter im Braunschweiger Kamerawerk von Voigtländer, wo Plattenfilm-Kameras hergestellt wurden. Als die Firma seinen Vorschlag ablehnte, eine neuartige Rollfilm-Kamera zu produzieren, setzte er sich mit dem Kaufmann Paul Franke (1888 – 1950) in Verbindung, der früher ebenfalls bei Voigtländer gearbeitet hatte. Franke war begeistert von dem Vorhaben und besorgte das Startkapital für das neue Unternehmen.

Anfang 1920 gründeten beide in Braunschweig die Werkstatt für Feinmechanik und Optik, Franke & Heidecke; als Produktionsstätte dienten einige Räume in einem Wohnhaus. Zunächst produzierte die Firma Stereokameras mit zwei Zeiss-Tessar-Objektiven zur Aufnahme von stereoskopischen Fotos (3D-Fotos). Dieses Modell, das noch auf Glasplatten belichtete, wurde unter dem Markennamen Heidoscop verkauft. Für das 1923 vorgestellte Rollfilm-Heidoscop führte man die Bezeichnung Rolleidoscop (Rollfilm + Heidoscop) ein, woraus dann später der Firmen- und Markenname Rollei entstand. 1928 brachte Rollei die erste zweiäugige Spiegelreflex-Kamera für Rollfilm mit einem Bildformat von 6 x 6 Zentimetern auf den Markt. Die Rolleiflex besaß ein Spritzgussgehäuse aus Aluminium und einen soliden Compur-Zentralverschluss, was sie besonders für Reporter, die in den Tropen unterwegs waren, interessant machte. Wegen der großen Nachfrage errichtete die Firma in Braunschweig eine neue Fabrik, die 1930 ihren Betrieb aufnahm. Die Rolleiflex wurde derart erfolgreich, das bis in die späten 1950er Jahren hinein, als sich allmählich Kleinbild- und einäugige Mittelformatkameras durchsetzten, so gut wie jeder Pressefotograf mit dieser Kamera fotografierte. Daneben gab es noch hunderte Nachbauten, die häufig aus Japan stammten.

In den frühen 1970er Jahren kam Rollei jedoch durch die preisgünstige Konkurrenz aus Japan sowie die immensen Kosten, die ein neuerrichtetes Werk in Singapur verursachte, zunehmend in Schwierigkeiten. Zudem hatte man schon in den 1960er Jahren neue Trends regelrecht verschlafen und damit das Feld Konkurrenten wie Leica oder Hasselblad aus Schweden überlassen. 1971 übernahm Rollei zusammen mit Zeiss und dem Land Niedersachsen die Firma Voigtländer, die zuvor zur Quelle-Schickedanz-Gruppe gehört hatte. Die Folge dieser unausgegorenen Geschäftspolitik war 1981 schließlich der Konkurs. Unter den neuen Eigentümern, zu denen die Deutsche Fotoholding (Photo Porst), der britische Militärtechnikkonzern United Scientific Holdings (1982), Schneider-Kreuznach (1987) und Samsung Aerospace (1995) und eine die dänische Investorengruppe Capitellum (2002) gehörten, erholte sich die Firma nur langsam wieder.

2004 kam es zu einer Aufteilung des Unternehmens: Rollei Fototechnic (ab 2005 nur noch Rollei GmbH) mit Sitz in Berlin vermarktete bis 2006 Digitalkameras und MP3-Player, die in Taiwan eingekauft wurden, und Rollei Produktion GmbH (seit 2005, als Kai Franke und Rainer Heidecke, die Enkel der Firmengründer in die Firma eintraten, firmiert das Unternehmen als Franke & Heidecke GmbH, Feinmechanik und Optik) mit Sitz in Braunschweig produzierte wieder Mittelformatkameras, Projektoren, fototechnisches Zubehör und Objektive unter den Markennamen Rolleiflex und Rolleivision. 2007 erwarb die Hamburger Firma RCP-Technik, die zum Supra Foto Elektronik-Vertrieb (Maginon- und Traveller-Kameras) gehört, die europäischen Rechte an der Marke Rollei für den Bereich Digitalkameras. Im Februar 2009 musste Franke & Heidecke Insolvenz anmelden.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:53