Markenlexikon

Radisson

USA

Die Unternehmerin Edna Dickerson betrieb in Minneapolis/Minnesota eine Schule für Gerichtsreporter. Eines Tages erfuhr sie, dass ihr ein entfernter Verwandter ein großes Vermögen und mehrere Immobilen in der Innenstadt von Minneapolis vererbt hatte. Kurze Zeit später traf sie sich mit prominenten Unternehmern der Stadt, u.a. George Dayton, Inhaber eines Kaufhauses, und Managern der Mühlengesellschaft Washburn-Crosby Company, der späteren General Mills Corporation. Die Stadt, die man wegen der vielen Mühlenbetriebe auch »Mill City« nannte, hatte damals rund 100.000 Einwohner, aber kein wirklich gutes Hotel. Gemeinsam ging man nun daran, ein Grand Hotel zu planen und zu bauen; Edna Dickerson und ihr Mann Simon Kruse, ein Anwalt aus Chicago, investierten einen Teil ihres Vermögens in das neue Hotel. Geld kam aber auch von vielen anderen Unternehmen der Stadt, die in den zukünftigen Gästen schon neue Kunden sahen.

Der Bau begann Mitte 1908 in der Seventh Street, ganz in der Nähe des Dayton-Warenhauses, und am 15. Dezember 1909 wurde das sechzehnstöckige Luxushotel – damals das zweithöchste Gebäude der Stadt – eröffnet. Die 425 Zimmer hatten fast alle ein Bad, was damals keineswegs üblich war, und das Wasser wurde aus einem extra angelegten Brunnen unter dem Hotel in die Zimmer gepumpt. Es gab zwei Restaurants, eins im französischen Stil gestaltet (Chateau Room) und das andere war von skandinavischen Vorbildern inspiriert (Viking Café); einige Jahre später kam noch ein drittes hinzu, das Teco Inn, das sich an den typisch deutschen Ratskellern orientierte. Als Hotel-Manager verpflichtete man Charles J. Owen, der zuvor in den New Yorker Luxushotels Astoria und Knickerbocker tätig gewesen war. Als Namensgeber fungierte der französische Entdecker und Pelzhändler Pierre-Esprit Radisson (1636 – 1710), der vermutlich als erster Weißer mit den Sioux-Indianern in Kontakt kam. Das gesamte Gebiet von Kanada bis hinunter nach Louisiana gehörte damals zu Frankreich.

Lange Zeit war das Grand-Hotel in Minneapolis das einzige Radisson-Hotel. Mehrmals wechselten die Eigentümer (1934 Philadelphia Fidelity Trust Company, 1948 Tom Moore/Byron Calhoun, 1960/62 Curtis Leroy Carlson), aber erst Carlson (1914 – 1999), ein Unternehmer aus Minneapolis mit schwedischen Vorfahren, begann damit, ab 1970 weitere Radisson-Hotels zu errichten, zunächst in Minnesota und später auch in anderen US-Bundesstaaten. In den nächsten Jahrzehnten bastelte er sich einen der größten Touristik- und Hotelkonzerne der Welt zusammen. 1975 erwarb er die Restaurantkette T.G.I. Friday's, 1980 die Ask Mr. Foster Travel Agency, eines der ältesten Reisebüros der USA (1888 gegründet), das 1991 in Carlson Travel Network umbenannt wurde, 1994 die Reisebürosparte des französischen Hotel- und Touristikkonzerns Accor (Wagonlit Travel), die daraufhin in Carlson Wagonlit Travel umbenannt wurde, 1997 die Hotelkette Regent International Hotels (von Four Seasons) und 2001 die Restaurantkette Pick Up Stix. Daneben betreibt Carson noch mehrere kleinere Hotelketten wie Country Inns & Suites by Carlson (seit 1987), Park Inn/Suites (seit 1986) und Park Plaza (seit 1988).

1994 schloss SAS International Hotels (Brüssel), eine Tochtergesellschaft der skandinavischen Fluggesellschaft SAS (Scandinavian Airlines System), einen Vermarktungsvertrag mit Radisson Hotels Worldwide, woraufhin die Radisson-Hotels in Europa, im Nahen Osten und in Afrika den Namen SAS-Radisson bekamen. SAS fungierte fortan als Franchisegeber für die Marke Radisson in den genannten Gebieten. Die Fluggesellschaft hatte bereits 1960 das erste SAS-Hotel in Kopenhagen eröffnet, später folgten Hotels in vielen Städten, die von SAS angeflogen wurden. 2001 benannte sich SAS International Hotels in Rezidor-SAS Hospitality um. 2005 erwarb Carlson Hotels einen Anteil von 25 Prozent an Rezidor-SAS und 2006 ging die Rezidor Hotel Group an die Stockholmer Börse. Inzwischen ist die Radisson-Muttergesellschaft Carlson Companies größter Einzelaktionär der Rezidor Hotel Group; die Fluggesellschaft SAS hat sich dagegen vollständig aus dem Hotelgeschäft zurückgezogen. 2009 wurden die Radisson-SAS-Hotels in Radisson Blu umbenannt. Radisson Hotels & Resorts betreibt heute rund 400 Hotels in über 70 Ländern. Das Ur-Radisson in Minneapolis wurde 1981 geschlossen und ein Jahr später abgerissen. 1987 entstand an der gleichen Stelle ein neues Radisson-Hotel.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:53