Markenlexikon

Pall Mall

Großbritannien
USA

Pall Mall – benannt nach der exklusiven Londoner Einkaufsstraße, die ihren Namen einem im 18. Jahrhundert üblichen Crocket-ähnlichen Spiel (paille-maille) verdankt – ist eine der ältesten noch existierenden amerikanischen Zigarettenmarken. 1899 wurde sie von der New Yorker Butler & Butler Tobacco Company auf den Markt gebracht.

Sie war jedoch nicht die einzige Zigarette mit diesem Namen. Bereits 1890 hatte der ukrainische Einwanderer Louis Rothman (1869 – 1926), dessen Familie in der Ukraine eine Tabakfabrik besaß, in der Londoner Fleet Street ein Tabakgeschäft eröffnet, in dem er handgemachte Zigaretten an die Journalisten und Drucker verkaufte; die Fleet Street war vom 18. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre das Zentrum der britischen Presse. Zehn Jahre später zog er in die noble Einkaufsstraße Pall Mall um. Um sich von dem Tabakgeschäft seines Bruders zu unterscheiden, nannte er sein Unternehmen ab 1903 Rothmans of Pall Mall. Zu dieser Zeit exportierte Rothmans seine Zigaretten bereits bis nach Südafrika, Indien und Australien. Außerdem war er Hoflieferant des englischen und spanischen Königshauses.

Die amerikanische Pall Mall war anfangs eine ausgesprochen exklusive Zigarette. Sie wurde aus den besten Orienttabaken gemischt und ihr Preis war fünfmal höher als der durchschnittlicher Zigaretten. Dementsprechend schlecht verkaufte sie sich auch. Dafür war sie der Liebling der Tabakbarone, von denen der legendäre James (Buck) Buchanan Duke (1856 – 1925) der bekannteste war. 1907 kaufte Duke's American Tobacco Company schließlich die Herstellerfirma und machte Pall Mall zu einer landesweit erfolgreichen Marke. 1916 wurde Pall Mall sogar kurzzeitig die führende amerikanische Zigarettenmarke.

Buck Duke hatte es sich im späten 19. Jahrhundert in den Kopf gesetzt, das nordamerikanische Tabakgeschäft und möglichst auch das weltweite unter seine Kontrolle zu bringen. Mit Massenfertigung (er hatte 1884 die Exklusivrechte an der ersten Zigarettendrehmaschine – 1880 von James Bonsack entwickelt – erworben) und agressiver Preispolitik entfachte er einen gnadenlosen Konkurrenzkampf zwischen den Tabakproduzenten. Schließlich konnte er die meisten davon überzeugen, unter seiner Leitung eine gemeinsame Firma zu gründen. Das Ergebnis war 1890 die American Tobacco Company mit Sitz in Durham/North Carolina, ein Zusammenschluss der Tabakhersteller W. Duke & Sons, F.S. Kinney, Allen & Ginter, William S. Kimball und Goodwin. Nach weiteren Übernahmen (u.a. 1895 D. Ritchie & Co., 1898 Drummond Tobacco/Chesterfield, 1899 Liggett & Myers, 1899 R.J. Reynolds, 1905 W.T. Blackwell/Lucky Strike, 1907 Butler & Butler/Pall Mall, 1910 P. Lorillard) war American Tobacco um die Jahrhundertwende der größte US-Tabakkonzern.

Gleichzeitig begann das Unternehmen seine Finger nach Europa auszustrecken. Doch die Briten stellten dem US-Monopol 1901 ein eigenes entgegen: die Imperial Tobacco Company, ein Zusammenschluss der 13 führenden britischen Tabakhersteller (u.a. W.D. & H.O. Wills; Lambert & Butler; John Player & Sons). Schließlich einigten sich beide Gesellschaften darauf, dass sie in ihrer jeweiligen Einfluss-Sphäre die Oberhoheit behielten, während sie gemeinsam für den Export ihrer Tabakprodukte auf die internationalen Märkte 1902 die British American Tobacco Company (BAT) gründeten, wobei die Besitzverhältnise klar machten, wer das Sagen hatte: American Tobacco besaß 70 Prozent der BAT-Anteile und Imperial Tobacco 30 Prozent.

1911 stutzte die US-Kartellbehörde den maßlosen Konzern jedoch auf eine erträgliche Größe zurecht. Übrig blieben eine verkleinerte American Tobacco Company sowie R.J. Reynolds (Camel, Salem, Winston), P. Lorillard (Kent, Newport) und Liggett & Myers (Chesterfield, L&M, Lark). Von seiner Beteiligung an BAT musste sich American Tobacco ebenfalls trennen. BAT ging nun vollständig in britischen Besitz über. American Tobacco blieb mit seinen Hauptmarken Pall Mall und Lucky Strike bis in die 1950er Jahre der führende US-Tabakkonzern.

1939 erfand der damalige American-Tobacco-Chef Percival Hill das noch heute übliche King-Size-Format. Die Pall-Mall-Zigaretten überragten nun andere Marken mit den üblichen sieben Zentimetern um etwa 15 Millimeter. Das neue Format wurde bald von den meisten Zigarettenherstellern übernommen. 1954 kam Pall Mall Filters auf den Markt, und 1960 wurde die Marke von der deutschen BAT Cigarettenfabrik GmbH Hamburg (Gildehof, Gold Dollar, Haus Bergmann Privat, HB, Krone, Kurmark, Lucky Strike, Orienta, Simona, Simon Arzt) auch in Deutschland eingeführt. Von 1960 bis 1966 war Pall Mall die meistverkaufte amerikanische Zigarettenmarke.

1954 beteiligte sich die südafrikanische Rembrandt Tobacco Company (gegründet 1941 von Anton Edward Rupert) mehrheitlich an Rothmans of Pall Mall. Die Rupert-Familie, der die Rembrandt Tobacco Company und auch die internationale Marke Peter Stuyvesant gehörte, übernahm später noch eine ganze Reihe weiterer Tabakfirmen wie Carreras (Craven A) und Alfred Dunhill aus Großbritannien, Martin Brinkmann aus Deutschland (Lord Extra, Peer), Turmac aus den Niederlanden, Tabacofina aus Belgien (Belga), Winfield aus Australien und Carrolls aus Irland, die 1972 in der Holdinggesellschaft Rothmans International zusammengefasst wurden.

1972 wurde die Aufteilung der Märkte zwischen Imperial Tobacco (Großbritannien, Irland) und BAT (weltweit) durch neue Handelsrichtlinien der Europäischen Gemeinschaft beendet, was dazu führte, dass Imperial Tobacco seine BAT-Anteile bis 1980 verkaufte.

1988 fasste die Rupert-Familie ihre Auslandsbeteiligungen in der Schweizer Finanzholding Compagnie Financière Richemont S.A. zusammen. 1993 wurden die beiden Richemont-Bereiche Luxusgüter und Tabak voneinander getrennt. Die Luxussparte (A. Lange & Söhne, Alfred Dunhill, Baume & Mercier, Cartier, Chloé, IWC, Jaeger-LeCoultre, Lancel, Montblanc, Montegrappa, Panerai, Piaget, Purdey, Sulka, Vacheron & Constantin und Van Cleef & Arpels) firmierte fortan als Vendôme Luxury Group (wurde 1998 nach dem Erwerb aller noch freien Aktien wieder in den Richemont-Konzern integriert), das Tabakgeschäft kam unter das Dach von Rothmans International.

1994 übernahm BAT das komplette Tabakgeschäft von American Brands/American Tobacco (Carlton, Lucky Strike, Misty, Pall Mall, Tareyton) und integrierte es in die Brown & Williams Tobacco Corporation aus Louisville/Kentucky (Barclay, Belair, Capri, GPC, Kool, Raleigh, Viceroy), die seit 1927 zu BAT gehörte. American Brands war 1970 als Holdinggesellschaft für die verschiedenen Beteiligungen der American Tobacco Company gegründet worden.

1999 schloss sich BAT mit dem britischen Konkurrenten Rothmans International (Cartier, Dunhill, Golden American, Lord Extra, Lux, Peer, Peter Stuyvesant, Rothmans King Size, Rothmans Pall Mall, Winfield) zusammen, sodass nun beide Marken mit dem Namen Pall Mall zum gleichen Konzern gehören.

Ein Jahr später erwarb BAT die noch fehlenden Anteile an dem kanadischen Nahrungsmittel- und Tabakkonzern Imasco Limited (Imperial and Associated Companies), inkl. Imperial Tobacco of Canada mit den Marken Cameo, Casino, Colts, Du Maurier, House of Lords, Matinée, Old Chum, Player's, Reas Havana und White Owl. BAT hatte den führenden kanadischen Tabakhersteller 1908 gegründet (Zusammenschluss der BAT-Tochterfirmen American Tobacco Co. of Canada und Empire Tobacco Company zur Imperial Tobacco Company of Canada) und besaß noch etwa 41 Prozent an Imasco.

2004 schloss BAT seine US-Tochter Brown & Williamson mit der R.J. Reynolds Tobacco Company (Camel, Doral, More, Salem, Winston) zusammen. BAT ist an dem neuen Unternehmen Reynolds American Inc. mit 42 Prozent beteiligt. 2014 erwarb Reynolds American den US-Konkurrenten Lorillard Tobacco Company (Kent, Newport Menthol); als Folge musste Reynolds American die Menthol-Marken Kool und Salem, außerdem die Marke Winston an Imperial Tobacco (John Player, John Player Special, Gauloises, Gitanes, Davidoff, West, Peter Stuyvesant, Drum, Van Nelle) verkaufen.

Die wichtigsten BAT-Marken sind Pall Mall, Lucky Strike, Kent (seit 1977 außerhalb der USA), Dunhill, Rothmans King Size, Benson & Hedges (Afrika, Asien, Australien; 1956 Übernahme von Benson & Hedges Overseas), Peter Stuyvesant, John Player Gold Leaf, State Express 555 (1925 Übernahme der Ardath Tobacco Company) Viceroy und HB (1932 Übernahme der Haus Bergmann Cigarettenfabrik Dresden).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:53