Markenlexikon

Nike

USA

Bereits während seiner Studienzeit an der Stanford University kam der Wirtschaftsstudent und Mittelstreckenläufer Philip Hampson Knight (* 1938) zu der Erkenntnis, dass amerikanische Turnschuhe zu teuer waren. Außerdem fiel ihm auf, dass der US-Markt von den deutschen Unternehmen Adidas und Puma beherrscht wurde. Für einen echten amerikanischen Patrioten ein unhaltbarer Zustand. Und wie es sich für einen guten Kritiker gehört, hatte er in seiner Abschlussarbeit auch gleich eine Lösung parat. Um die Preise zu senken, empfahl er die Fertigung in Billiglohnländern Asiens. Nachdem Phil Knight sein Studium 1962 abgeschlossen hatte, ging er nach Japan und traf sich dort mit Vertretern des Sportschuhherstellers Onitsuka/Tiger (seit 1977 heißt diese Firma Asics). Als die ihn fragten von welcher Firma er kam, erfand er kurzerhand den Namen Blue Ribbon Sports – nach der blauen Schärpe, die den besten Läufern Amerikas damals verliehen wurde. Schließlich bekam er eine Importlizenz für die japanischen Turnschuhe.

Nike Turnschuh
Nike Turnschuh

Zurück in den USA, gründete er zusammen mit seinem Trainer William (Bill) Bowerman (1911 – 1999) eben dieses Unternehmen. Hauptberuflich arbeitete er jedoch auch weiterhin als Buchhalter. Im Januar 1964 traf die erste Lieferung von zweihundert Paar Schuhen in Portland/Oregon, dem Sitz der Firma, ein. 1966 eröffnete Jeff Johnson in Santa Monica/California das erste Blue-Ribbon-Sports-Geschäft. Da sich der Verkauf der preiswerten Schuhe gut anließ, begann Bill Bowerman, der früher schon für Knight Laufschuhe handgefertigt hatte, Mitte der 1960er Jahre auch eigene Schuhe zu entwerfen, die jedoch noch unter dem Tiger-Label verkauft wurden (u.a. der Laufschuh Cortez). Erst 1971, als man sich mit den Japanern überworfen hatte, ließ sich Jeff Johnson den Markennamen Nike einfallen – nach der gleichnamigen griechischen Siegesgöttin. Das bis heute verwendeten Swoosh-Logo (swoosh = engl. rauschen, brausen) wurde von der Grafik-Design-Studentin Carolyn Davidson in Anlehnung an die Flügel der Göttin Nike entworfen; sie erhielt dafür 35 Dollar. Die ersten Nike-Schuhe kamen in Frühjahr 1972 auf den Markt. Ansonsten änderte sich vorerst nichts. Die Nike-Designer entwarfen die Schuhe in der Zentrale in Beaverton, zehn Minuten von Portland entfernt, produziert wurden sie jedoch weiterhin in asiatischen Billiglohnländern oder in Mexiko. Erst 1974 eröffnete Blue Ribbon Sports die erste Fabrik in den USA (Exeter/New Hampshire).

Der nun folgende Aufstieg zum Weltmarktführer hing neben den Werbeaktionen mit Weltklassesportlern wie Ilie Nastase, Jimmy Connors, Steve Prefontaine, John McEnroe, Michael Jordan, Carl Lewis, Sebastian Coe, Joan Benoit, Jackie Joyner-Kersee, Jim Courier, Andre Agassi, Pete Sampras, Tiger Woods oder Lance Armstrong auch damit zusammen, dass Turnschuhe, Jerseys und Jogginganzüge nicht mehr nur von Sportlern getragen wurden, sondern allmählich zum Freizeitlook avancierten – eine Tatsache, die Adidas und Puma lange Zeit nicht zur Kenntnis nahmen. 1978 wurde die Firma offiziell in Nike Inc. umbenannt; zwei Jahre später ging sie an die New Yorker Börse. 1988 führte Nike den berühmten Slogan »Just do it« (engl. Tu es einfach) ein. Inzwischen gehören auch Converse, ein führender US-Hersteller von Basketballschuhen (seit 2003), und der britische Sportartikelhersteller Umbro (seit 2008) zu Nike. Nike-Produkte werden – wie in der Sportartikelbranche üblich – fast auschließlich von Kontraktproduzenten in Asien gefertigt (China, Indien, Indonesien, Malaysia, Pakistan, Philippinen, Taiwan, Thailand, Vietnam).

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

Nike Logo
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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:53