Markenlexikon

Netflix

USA

Ab Mitte der 1980er Jahre trat die digitale Compact Disc (CD) ihren Siegeszug um die Welt an. Auf die silbernen Scheiben und die Weiterentwicklung Video-CD passte in etwa der Inhalt einer Schallplatte, aber kein kompletter Spielfilm in guter Qualität. Daher machte die Filmindustrie Druck bei den Elektronikherstellern, ein entsprechendes Medium zu entwickeln. 1996 kamen die ersten DVD (Digital Video Disc)-Player, DVD-Brenner und DVD-Rohlinge auf den Markt. Bis dahin waren Filme zur Vermarktung außerhalb des Kinos vor allem auf Magnetbandkassetten (VHS) gespeichert worden.

Zu dieser Zeit lernten sich Marc Randolph und Wilmot Reed Hastings in der Softwarefirma Pure Atria kennen. Hastings war Mitgründer des Unternehmens, Rudolph hatte sein Startup IntegrityQA zuvor an Pure Altria verkauft. Das neue handliche Medium brachte sie auf die Idee, eine Online-Videothek zu gründen. Der Versand von VHS-Cassetten als Paket wäre viel zu teuer gewesen. Randolph kannte sich mit dem Versandhandel aus, er hatte bereits 1988 die Firma MicroWarehouse mitgegründet, später wurde er beim Softwarekonzern Borland International Vice President of Marketing. Bevor sie mit ihrem Online-Handel begannen, testeten sie persönlich den Versand einer DVD. Aufgegeben im Postamt von Santa Cruz/California, kam der Umschlag mit der DVD einen Tag später unversehrt in Hastings Haus an.

1997 gründeten Randolph und Hastings in Scotts Valley/California die Firma Netflix.com Inc. (engl. »Net« = »Internet« + »flicks« = ugs. für Filme), im April 1998 ging die Website netflix.com online. Zunächst verkaufte und verlieh Netflix lediglich Spielfilme auf DVD, die die Filmindustrie nun im großen Stil produzierte. Die über das Internet versandten Film-DVDs waren um einiges billiger, als die VHS-Kassetten aus den großen Videotheken.

1999 investierte die französische Group Arnoult (Christian Dior, LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton) 30 Millionen US-Dollar in Netflix. Dennoch lief das Unternehmen anfangs noch nicht so, wie es sich die Gründer vorgestellt hatten. Hastings nahm Verhandlungen mit der großen US-Videothekenkette Blockbuster Entertainment auf, die damals zum Medienkonzern Viacom (CBS, MTV, Nickelodeon, Paramount Pictures) gehörte. Doch Blockbuster zeigte im Angesicht der gerade geplatzten Dotcom-Spekulationsblase kein Interesse, sich an dem damals noch unbedeutenden Startup zu beteiligen oder es ganz zu übernehmen. Netflix machte schließlich allein weiter, erwarb nach und nach von den großen Hollywood-Studios die Rechte am Online-Vertrieb ihrer Filme und hatte 2005 rund 4,2 Millionen Nutzer und Mitglieder. Bereits 2002 war die Netflix Inc. an die Technologiebörse NASDAQ gegangen. 2007 stieg das Unternehmen ins Video-on-Demand-Geschäft ein. Die Abonnenten mussten sich die Filme nun nicht mehr zuschicken lassen, sondern konnten sie per Streaming über das Internet abrufen und am heimischen PC oder Fernsehgerät anschauen.

Inzwischen ist Netflix in 190 Ländern und 20 Sprachen verfügbar (2016). Seit 2012 produziert das Unternehmen auch eigene Filme und Serien (u.a. »House of Cards«, »Orange Is the New Black«). Die Videothekenkette Blockbuster Entertainment hingegen, die in ihren besten Zeiten (2004) rund 9000 Filialen in den USA, Kanada, Brasilien, Großbritannien, Dänemark, Irland und Australien besaß, musste 2010 Insolvenz anmelden.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52