Markenlexikon

MZ

Deutschland

Das DKW-Motorradwerk in Zschopau/Sachsen wurde 1945/1946 als Teil der Industrieverwaltung Fahrzeugbau (IFA) verstaatlicht und vollständig demontiert. Erst 1949 lief die Motorradproduktion wieder an. Zunächst bekamen die dort gebauten Maschinen auf Basis der DKW RT-125 von 1939 den Namen IFA-DKW. Ab 1952, als die Firma in VEB Motorradwerke Zschopau umbenannt worden war, hießen sie nur noch IFA. Das Kürzel MZ führte man 1956 ein. MZ spezialisierte sich hauptsächlich auf solide konstruierte 125er, 150er und 250er Maschinen mit Einzylinder-Zweitaktmotoren – einzige Ausnahmen waren die MZ BK-350 mit Boxermotor und Kardanantrieb (1953 – 1959), sowie die MZ ES-300 (1962 – 1965). Eine bahnbrechende MZ-Entwicklung war 1953 die vollständig gekapselte Antriebskette. Nachdem die Suhler Simson-Werke 1961 die Motorradproduktion zugunsten von Mofas, Mopeds, Mokicks und Leichtkrafträdern eingestellt hatten, war MZ der einzige Motorradhersteller der DDR. MZ-Maschinen machten bei internationalen Rennveranstaltungen eine gute Figur, was dazu führte, dass sie in über 100 Länder der Welt verkauft werden konnten. Ein besonders gelungenes Motorrad war 1969 die rassige ETS 250 Trophy Sport, mit einem wuchtigem 22-Liter-Büffeltank.

1990 wurde MZ unter dem Dach der staatlichen Treuhandgesellschaft in eine GmbH umgewandelt. Als man jedoch keinen Käufer fand, wurde die Firma 1992 geschlossen und der Markenname MZ sowie die Fertigungsanlagen der ETZ-Serie, die es seit 1981 gab, an die türkische Firma Kanuni verkauft. Unter der Leitung des Nürnberger Unternehmensberaters Petr-Karel Korous entstand 1992 die Motorrad- und Zweiradwerk GmbH (MuZ), die auf Basis eines Baukastensystems eine vollständig neue Modellpalette mit Rotax- und Yamaha-Viertaktmotoren (250ccm, 300ccm, 500ccm, 660ccm, 700ccm) auf den Markt brachte (Saxon, Skorpion), außerdem einen Elektroroller (Charly). Zu dieser Zeit benutzte man auch wieder eine modifizierte Version des alten dreieckigen DKW-Logos. 1994 wurde der Firmensitz nach Zschopau-Hohndorf, in die früheren Produktionshallen der Zylinderschleiferei, verlegt.

Nachdem MuZ 1996 in Konkurs gegangen war, wurde das Unternehmen von dem malaysischen Mischkonzern Hong Leong Industries Berhad, der bis dahin Yamaha-Motorräder in Lizenz gebaut hatte, übernommen. Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten erhielt MuZ 1999 die Rechte an dem Markennamen MZ zurück, da sie von einem früheren Prokuristen der Firma unrechtmäßig an Kanuni verkauft worden waren. Seitdem firmierte das Unternehmen wieder als MZ Motorrad- und Zweiradwerk GmbH.

2009 wurden die ehemaligen Motorradrennfahrer Martin Wimmer und Ralf Waldmann neue Eigentümer, was mit einer Umbenennung der Firma in Motorenwerke Zschopau GmbH einherging. Momentan produziert MZ mehrere Benzin- und Elektro-Roller (Anthony, Charly, Emmely). 2010 wurde ein Racing-Team für die Moto2-Klasse ins Leben gerufen (als Rennmaschine dient eine modifizierte Honda CBR600), außerdem ein Enduro-Team. Im September 2012 musste die Motorenwerke Zschopau GmbH Insolvenz anmelden.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52