Markenlexikon

Marriott

USA

John Willard Marriott (1900 – 1985) erwarb 1927 eine Lizenz zum Verkauf des in Nordamerika beliebten A&W Root Beers, eines alkoholfreien Erfrischungsgetränks, das ursprünglich aus der Wurzelrinde des Sassafrasbaums hergestellt wurde (heute werden nur noch künstliche Aromen verwendet). Kurz darauf, im Mai 1927, eröffnete er einen Root-Bier-Stand in Washington/D.C. Mit Anbruch der kälteren Jahreszeit boten er und seine Frau Alice (1907 – 2000), die er im Juni 1927 geheiratet hatte, ihren Gästen auch warme Speisen an, vor allem mexikanische Gerichte wie Tamale oder Chilli con Carne. Dieses Fastfood-Restaurant wurde unter dem Namen The Hot Shoppes bald recht beliebt, nicht nur in Washington, sondern auch in anderen Ostküstenstädten wie Baltimore (ab 1934). 1937 übernahmen die Marriotts auf dem Hoover Airport in Washington das Catering für die Fluggesellschaften American Airlines, Capital Airlines und Eastern Airlines. Außerdem belieferten sie viele Unternehmen und Regierungsbehörden in Washington und der näheren Umgebung. 1953 ging die Hot Shoppes Inc., wie die Firma seit 1929 offiziell hieß, an die Börse; zwei Jahre später entstanden die ersten Hot-Shoppes-Autobahn-Restaurants in New Jersey.

Im Januar 1957 eröffnete Hot Shoppes das erste Motel in Arlington/Virginia (Twin Bridges Motor Hotel). Zu dieser Zeit war jedoch der Catering-Service noch die Haupteinnahmequelle des Unternehmens; inzwischen belieferte man auch den Miami International Airport, zahlreiche Rüstungskonzerne in der Umgebung von Washington, Krankenhäuser, Schulen und Universitäten. Erst in den 1970er Jahren eröffnete der Konzern, der seit 1967 als Marriott Corporation firmierte, immer mehr Hotels auf dem amerikanischen Kontinent und ab 1975 auch in Europa (das erste europäische Marriott-Hotel eröffnete 1975 in Amsterdam). 1981 gab es weltweit 100 Marriott-Hotels, 1989 waren es 500, 1995 wurde die 1000er Marke erreicht und zur Jahrtausendwende entstand das 2000. Hotel in Tampa/Florida. Neben der Hauptmarke Marriott wurden noch zwei weitere Ketten etabliert, 1983 Courtyard (für Geschäftsreisende) und 1987 Fairfield Inn (preiswertere Hotels). In den 1970er und 1980er Jahren gehörten Marriott mehrere Fastfood-Ketten (Bob's Big Boy, Roy Rogers, Gino's, Howard Johnson's), die jedoch 1989/90 wieder verkauft wurden. 1987 erwarb Marriott die 1975 gegründete Residence Inn Company, einen Betreiber von Extended Stay Hotels (Apartment Hotels).

1993 splittete sich die Marriott Corporation in zwei Teile auf: Marriott International Inc. und Host Marriott Corporation; Marriott hatte das Unternehmen Host International (Autobahn-Raststätten, Flughafen-Restaurants, Hotels), die frühere Van Noy Railway News and Hotel Company (ab 1926 Interstate Company, ab 1959 Interstate HOSTS, ab 1968 Host International) 1982 übernommen. Host Marriot firmiert seit 2005 als Host Hotels & Resorts; die 1996 gegründete Host-Marriott Tochter Host-Marriott Services (nun HMSHost) gehört seit 2002 zum italienischen Konzern Autogrill, einem Betreiber von Autobahn-Raststätten.

1995/98 erwarb Marriott die Ritz-Carlton Hotel Company, zu der das berühmte Ritz-Carlton-Hotel in Boston gehörte, das 1927 von Albert Keller eröffnet worden war, nachdem er von der Witwe des Schweizer Hoteliers César Ritz die Erlaubnis bekommen hatte, den Namen ihres verstorbenen Mannes zu verwenden. 1997 übernahm Marriott die Renaissance Hotel Group (Niederlande), die 1993 aus dem Zusammenschluss von Renaissance Hotels und Ramada International entstanden war; Marriot behielt jedoch nur die Renaissance Hotels, die Ramada-Hotels verkaufte man 2004 an die Cendant Corporation (AmeriHost Inn, Days Inn, Fairfield Resorts, Ramada, Super 8 Motels); Cendant firmiert seit 2006 als Wyndham Worldwide. 2001 gründeten Marriott International und die italienische Juwelierfirma Bulgari das Jointventure Bulgari Hotels & Resorts; das erste Bulgari-Hotel eröffnete 2004 in Mailand, 2006 folgte das zweite auf Bali (Indonesien).

Marriott betreibt weltweit Hotels unter den Marken Courtyard by Marriott, Fairfield Inn by Marriott, JW Marriott Hotels & Resorts, Grand Residences by Marriott, Marriott Conference Centers, Marriott ExecuStay, Marriott Executive Apartments, Marriott Hotels & Resorts, Marriott Vacation Club, Residence Inn by Marriott, Renaissance Hotels & Resorts, Ritz-Carlton, SpringHill Suites by Marriott, The Ritz-Carlton Destination Club und TownPlace Suites by Marriott. Der Konzernsitz befindet sich seit 1979 in Bethesda/Maryland.

2016 übernahm Marriot den US-Hotelkonzern Starwood Hotels & Resorts Worldwide aus Stamford/Connecticut, dem u.a. die Marken Sheraton, Westin, Le Méridien, St. Regis und The Luxury Collection gehören. Starwood Capital Partners war 1991 von Barry Sternlicht in Chicago als Immobilienfirma gegründet worden. Ab 1993 erwarb Starwood auch Hotelunternehmen, u.a. 1995 Hotel Investors Trust und 1998 Westin Hotels & Resorts sowie Sheraton.

Dem vereinigten Konzern gehören rund 5700 Hotels in über 110 Ländern.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52