Markenlexikon

Loewe

Deutschland

Die Brüder Siegmund (1885 – 1962) und David Ludwig Loewe (1882 – 1936) sowie Gerhard Grüttner und Erwin Buttermilch begannen 1923 in Berlin-Friedenau mit der Produktion von Kathodenstrahlröhren und Radiogeräten. Die Firma hieß zunächst Radiofrequenz GmbH. Kurz darauf entstanden die Loewe Audion GmbH (Produktion von Elektronenröhren) und die Loewe Radio GmbH (Produktion von Lautsprechern und Widerständen). 1930 wurden die verschiedenen Firmen zur Radio AG D.S. Loewe zusammengeschlossen. 1926 präsentierte Loewe die von Siegmund Loewe und Manfred von Ardenne entwickelte Dreifachröhre, in der drei Röhrensysteme in einem Röhrenkolben untergebracht waren – im Prinzip ein Vorläufer der integrierten Schaltung. 1931 stellte Loewe auf der Berliner Funkausstellung den ersten elektronischen Fernsehempfänger mit Braunscher Röhre vor und 1933 folgte, ebenfalls auf der Berliner Funkaustellung, der erste serienreife Fernseher von Loewe. Während der Nazi-Herrschaft mussten die jüdischen Loewe-Brüder das Unternehmen und Deutschland verlassen, David Ludwig Loewe ging 1933 in die USA, sein jüngerer Bruder Siegmund folgte ihm 1938. Im Zuge der Arisierung wurde die Radio AG D.S. Loewe 1940 in Löwe Radio AG und 1942 schließlich in Opta Radio AG (nach der seit 1936 verwendeten Marke Opta) umbenannt.

Erst 1949 erhielt Siegmund Loewe seine inzwischen in Küps bei Kronach angesiedelte Firma wieder zurück (die Produktion war im März 1945 von Berlin nach Küps verlegt worden). Die Loewe-Werke in der sowjetischen Besatzungszone (Berlin, Leipzig) wurden jedoch enteignet und verstaatlicht. 1949 verlegte die nun wieder Loewe Opta AG (ab 1965 Loewe Opta GmbH) genannte Firma ihren Sitz und die Produktion nach Kronach. 1950 brachte Loewe das Kassettentonbandgerät Loewe Optaphon mit der weltweit ersten Tonbandkassette auf den Markt, 1951 nahm das Unternehmen die Fertigung von Fernsehgeräten auf, 1961 folgte der erste deutsche Videorekorder für den privaten Gebrauch (Loewe Optachord 500), 1963 der erste tragbare Transistor-Fernseher (Optaport) und 1981 der erste europäische Stereo-Fernseher.

Nach dem Tod von Siegmund Loewe 1962 verkauften seine Erben das Unternehmen an verschiedene Tochtergesellschaften des Philips-Konzerns; die Zugehörigkeit zu Philips blieb bis in die 1980er Jahre ein gut gehütetes Geheimnis, allerdings unterstützte der niederländische Konzern das deutsche Unternehmen mehrmals in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen finanziell (1966/67, 1977/78). Bei der Produktion von Radiogeräten konnte Loewe dem Konkurrenzdruck aus Fernost jedoch nicht mehr standhalten. 1978 musste die Radioproduktion beendet und das 1924 in Betrieb genommene Werk in Berlin-Steglitz geschlossen werden. 1985 trennten sich die Wege von Philips und Loewe; Loewe wurde vom Management übernommen und damit wieder eigenständig. Von 1992 bis 1997 war auch der japanische Matsushita-Konzern (Panasonic) an Loewe beteiligt. 1999 ging die Loewe Opta GmbH an die Börse (Loewe AG). 2004 erwarb der japanische Sharp-Konzern knapp 29 Prozent der Loewe-Aktien. Loewe ist einer der wenigen Hersteller (u.a. Metz, TechniSat), der bis heute in Deutschland und Europa noch Unterhaltungselektronik produziert. Das einzige Werk befindet in Kronach. Im Oktober 2013 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Nachdem eine Anfang 2014 geplante Übernahme der insolventen Loewe AG durch die von den Immobilienunternehmern Constantin Sepmeier (Accom GmbH) und Stefan Kalmund (Kalmund Kapital) gegründete Panthera GmbH (München) gescheitert war, erwarb kurz darauf die Stargate Capital GmbH (München) den gesamten Geschäftsbetrieb der Loewe AG und der Loewe Opta GmbH. Hinter Stargate Capital stehen der frühere Investmentbanker Mark Hüsges und der promovierte Boris Levin. Das Unternehmen firmiert nun als Loewe Technologies GmbH (Kronach).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:52