Markenlexikon

Hohner

Deutschland

Der Uhrmacher und Uhrenhändler Matthias Hohner (1833 – 1902) begann 1857 im schwäbischen Trossingen mit der Herstellung von Mundharmonikas, einem damals noch recht jungen Instrument, das erst in den 1820er Jahren aus der dreitausend Jahre alten ostasiatischen Mundorgel (Sheng) entwickelt worden war. Das erste Patent hatte 1821 der Thüringer Klavier- und Orgelbauer Christian Friedrich Buschmann (1805 – 1864) erhalten, doch seine Urheberschaft ist inzwischen umstritten. Durch die einfache Erlernbarkeit fanden die Mundharmonikas schnell weite Verbreitung. Um die Jahrhundertwende verließen jedes Jahr rund 3,5 Millionen Stück das Werk in Trossingen. Verkauft wurden sie in die ganze Welt – vor allem aber in die USA, wo das Instrument noch heute in verschiedenen Musikstilen wie Country, Blues und Jazz eine große Rolle spielt. Die ersten Hohner-Mundharmonikas waren 1862 in die USA exportiert worden.

Nach dem Tod des Gründers, wurde die Firma zunächst von seinen fünf Söhnen Matthias, Andreas, Hans und Gottlieb William weitergeführt. Sie wandelten das Unternehmen 1909 in eine Aktiengesellschaft um. Später stellte Hohner auch Ziehharmonikas, Handharmonikas (Akkordeons), Melodicas, Blockflöten, Gitarren, Bässe, Flügel, Elektro-Orgeln und Digital Pianos her. 1931 rief das Unternehmen einen eigenen Musikverlag, die Hohner-Handharmonika-Fachschule (heute Hohner-Konservatorium) und den Deutschen Harmonika-Verband ins Leben.

Im Dezember 1965 schmuggelte der Astronaut Walter Schirra heimlich eine Hohner-Miniatur-Mundharmonika (Modell Little Bird) an Bord der Raumkapsel Gemini VI und spielte dort zum Erstaunen der Bodenstation »Jingle Bells«. Damit war die Mundharmonika das erste Musikinstrument, das ins Weltall gelangte. 1968 spielte der Italiener Franco De Gemini mit einer Hohner Chromonica 48 das wohl bekannteste Mundharmonika-Stück der Musikgeschichte ein: das von Ennio Morricone komponierte »L'uomo dell' armonica« aus dem Italo-Western »Spiel mir das Lied vom Tod«.

In den 1980er Jahren geriet die Hohner AG in eine schwere Krise, in deren Folge zahlreiche Arbeitsplätze abgebaut wurden. 1987 verkaufte die Firma sogar ihre historische Instrumenten-Sammlung an das Land Baden-Württemberg. 1989 erwarb die Kunz-Holding GmbH & Co. (Holzwerkstoffe) rund 67 Prozent der Matth. Hohner AG, der Rest verblieb im Besitz der Hohner-Familie. 1991 erwarb Hohner den Schlagzeughersteller Sonor. 1997, als die Stadt Trossingen 1200-jähriges Jubiläum feierte, wurde die HS Investment Group (Tortola/British Virgin Islands), eine Tochtergesellschaft der K.H.S. Musical Instrument Co. Ltd. (Taipei/Taiwan), neuer Mehrheitseigentümer der Matth. Hohner AG. Produziert werden die Hohner-Instrumente in Trossingen und Shanghai (China).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:51