Markenlexikon

Dunlop

Großbritannien

Der schottische Tierarzt John Boyd Dunlop (1840 – 1921) gilt als Erfinder des Luftreifens, obwohl es schon früher Versuche mit luftgefüllten Kautschukreifen gab. Bereits 1846 hatte der schottische Fuhrunternehmer Robert William Thomson (1822 – 1873) ein Patent auf einen luftgefüllten Reifen erhalten, der die damals üblichen Stahlband- und Vollgummireifen an Kutschen ersetzen sollte. Da er sich jedoch nur sehr schwer wechseln ließ und zudem sehr teuer war, setzte sich die Erfindung nicht durch und geriet in Vergessenheit. Dunlop kam die Idee zu einem Luftreifen, als sich sein Sohn über die harten Holzräder seines Dreirads beschwerte. Er band einen an den Enden zusammengeklebten Gartenschlauch auf die Räder, umhüllte ihn mit imprägnierter Leinwand und pumpte ihn mit einer Fußballpumpe über ein Nicht-Rücklauf-Ventil auf. Im Juli 1888 bekam er auf den Luftreifen ein Patent.

Nachdem sich die neuen Reifen bei einigen Fahrradrennen als überlegen erwiesen hatten, gründeten John Dunlop und William Harvey du Cros, der Vizepräsident des irischen Radrennfahrerverbandes, 1889 in Dublin die Pneumatic Tyre and Booth Cycle Agency Limited (ab 1893 Dunlop Pneumatic and Tyre Company, ab 1909 The Dunlop Rubber Company Limited). 1890 wurde in Dublin die erste Dunlop-Reifenfabrik errichtet und 1893 entstand die erste Auslandsniederlassung in Hanau (Deutschland). Kurz darauf folgten Niederlassungen und Fabriken in Melbourne/Australien (1893) und Christchurch/Neuseeland (1897). Um unabhängiger von externen Zuliferern zu sein, errichtete Dunlop 1910 in Malaya eine 20.000 Hektar große Gummibaum-Plantage. 1916 wurde der Hauptsitz des Unternehmens nach Birmingham verlegt, wo es seit 1891 eine Niederlassung und seit 1902 ein Produktionswerk gab. Zur gleichen Zeit entstand in Erdington bei Birmingham eine der weltgrößten Reifenfabriken (Fort Dunlop). 1909 nahm Dunlop in Kobe das erste Gummiwerk Japans in Betrieb. An der Finanzierung des japanischen Dunlop-Werks war der Sumitomo-Konzern (u.a. Großhandel, Kupfer, Kabel, Banken, Versicherungen) beteiligt, den der buddistische Priester Masatomo Sumitomo (1585 – 1652) 1615 in Kyoto als Buchladen gegründet hatte. Die erste Fabrik auf dem amerikanischen Kontinent errichtet Dunlop 1920 in Buffalo/New York.

Dunlop entwickelte sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte zu einem weltweit tätigen Gummikonzern, der nicht nur Reifen für Autos, Motorräder, Fahrräder, Lastwagen und Flugzeuge herstellte, sondern eine ganze Reihe weiterer Gummi- und Plastikprodukte wie Golfbälle, Tennisschläger, Gummistiefel, Tennisschuhe, Latexmatratzen (Dunlopillo) und Fußbodenbeläge (Dunloplan). 1960 gründeten Dunlop und Sumitomo Electric in Kobe das Jointventure Sumitomo Rubber Industries, das 1963 ganz in den Besitz von Sumitomo überging. 1971 schloss sich Dunlop mit dem italienischen Reifenhersteller Pirell zur Dunlop-Pirelli Union zusammen, die jedoch 1981 wieder aufgelöst wurde.

Anfang der 1980er Jahre geriet Dunlop in finanzielle Schwierigkeiten, die 1985 zu einer feindlichen Übernahme durch den britischen Mischkonzern BTR (vormals British Tyre and Rubber Company) führten. Die Dunlop-Reifenaktivitäten in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Nordamerika erwarb daraufhin Sumitomo Rubber Industries. Alle übrigen Dunlop-Geschäftsbereiche (u.a. Sportartikel, Schuhe, Matratzen, Fußbodenbeläge, Flugzeugreifen, Flugzeugteile, Industrieprodukte) veräußerte BTR zwischen 1996 und 1998 an die jeweiligen Managements oder an neue Eigentümer, sodass die Martke Dunlop heute diversen Unternehmen gehört (u.a. Goodyear-Dunlop Tires, Goodyear Australia, Ruia Group/Indien, Apollo Tyres/Südafrika, Dunlop Aircraft Tyres, SPI Sports Direct International, DNA Housemarks, Pacific Brands/Australien, Hilding Anders/Dunlopillo, Hevea, Dunloplan Objekt, Dunlop Aerospace, Dunlop Adhesives).

1995 übernahm die damalige SP Reifenwerke GmbH (bis 1985 Dunlop AG, ab 1997 Dunlop GmbH) die Pneumant Reifen- und Gummi-Werke GmbH aus Fürstenwalde, ein 1906 gegründetes ehemaliges Tochterunternehmen der Deutschen Kabelwerke AG (DEKA) aus Berlin (ab 1922 DEKA Pneumatik GmbH Fürstenwalde, ab 1946 VEB DEKA Reifenwerke Fürstenwalde, ab 1968 VEB Reifenkombinat Fürstenwalde).

1999 gründeten Goodyear (Goodyear, Fulda) und Sumitomo (Dunlop, Falken, Pneumant) das 75/25-Jointventure Goodyear-Dunlop Tires, das für die Produktion und Vermarktung der Dunlop-Reifen in Nordamerika und Europa zuständig ist, während Sumitomo Dunlop- und Goodyear-Reifen in Japan herstellt und vermarktet. 2012 gab Goodyear Dunlop Tires die Marke Pneumant wegen zu geringer Nachfrage auf. In Fürstenwalde werden nun Goodyear-, Dunlop- und Fulda-Reifen hergestellt.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:50