Markenlexikon

Cadillac

USA

Im August 1899 gründeten der damalige Detroiter Bürgermeister William Cotter Maybury (1848 – 1909) zusammen mit mehreren Finanziers die erste Autofirma in Detroit, die Detroit Automobile Company. Mit der Leitung der Fabrik wurde der junge Henry Ford beauftragt, der 1896 sein sein erstes Auto in einem Schuppen hinter dem Haus seiner Eltern gebaut hatte. Doch nachdem gerade einmal 20 Autos fertiggestellt worden waren, ging das Unternehmen im Januar 1901 Pleite. Im November 1901 gründete Henry Ford die Henry Ford Company. Wenige Monate nach der Firmengründung schied Ford jedoch wieder aus, nachdem er sich mit seinem Geldgeber William Murphy, einem früheren Holzhändler, zerstritten hatte. 1903 gründete er dann die noch heute existierende Ford Motor Company.

Murphy und sein Partner Lemuel Bowen holten im August 1902 den Ingenieur Henry Martyn Leland (1843 – 1932), der sein Handwerk u.a. in Colts Waffenfabrik erlernt hatte, als neuen Direktor und Aktionär in die Firma. Leland war zu dieser Zeit auch Miteigentümer der Firma Leland & Faulconer, die die Motoren für den Curved Dash Runabout von Oldsmobile produzierte. Als erstes benannte er das Unternehmen nach dem französischen Offizier Antoine de la Mothe Cadillac (1658 – 1730), der 1701 die Siedlung Ville d'Etroit, das spätere Detroit, gegründet hatte, in Cadillac Automobile Company um. Der erste Cadillac, der teilweise noch auf Henry Fords Konstruktion beruhte (nur der Motor stammte von Leland & Faulconer), kam Anfang 1903 auf den Markt und verkaufte sich in den nächsten drei Jahren außergewöhnlich gut (über 12.000 Exemplare). 1905 schlossen sich die Cadillac Automobile Company und der Motorenlieferant Leland & Faulconer zur Cadillac Motor Car Company zusammen.

1907 schrammte Cadillac infolge einer Wirtschaftskrise haarscharf an einer Pleite vorbei, was die Eigentümer des Unternehmens so sehr beunruhigte, dass sie es schließlich 1909 an die gerade neu gegründete General Motors Company (Buick, Oakland, Oldsmobile) verkauften. 1912 war Cadillac der erste US-Hersteller, der Elektroanlasser und elektrische Beleuchtung an seinen Automobilen einführte; entwickelt hatte dieses Autoelektriksystem Charles Franklin Kettering (1876 – 1958), ein Elektroingenieur aus Ohio und Gründer der Dayton Engineering Laboratories Company (Delco; 1909). Nachdem Delco 1919 von General Motors übernommen worden war, wurde Kettering für viele Jahre Entwicklungschef und Vizepräsident der General Motors Research Corporation. Ihm zu Ehren wurde 1955 ein Vorort von Dayton/Ohio, in dem er bis zu seinem Tode lebte, in Kettering umbenannt. Henry Leland und sein Sohn Wilfred verließen Cadillac 1917, da sich General Motors nach dem Eintritt der USA in den 1. Weltkrieg weigerte, in die Rüstungsproduktion einzusteigen. GM-Chef Bill Durant soll damals zu Wilfred Leland gesagt haben: »This is not our war, and I will not permit any General Motors unit to do work for the government.« Die Lelands gründeten anschließend die Lincoln Motor Company, die zunächst Flugzeugmotoren und nach dem Ende des Krieges Automobile produzierte (Lincoln wurde 1922 von Ford übernommen).

Cadillac
Cadillac

Da die frühen Cadillacs zwar technisch ausgereifte, aber optisch eher langweilige Fahrzeuge gewesen waren, widmete man dem Design in den späten 1940er Jahren mehr Aufmerksamkeit. Die neuen Cadillacs wurden nun immer länger, breiter und niedriger; riesige Heckflossen, viel Chrom, Doppelscheinwerfer und Automatikschaltung waren Standard. Cadillac-Designer Harley Earl (1893 –1969) gilt als Erfinder der Heckflossen, die er sich vom Doppelleitwerk des Jagdflugzeugs Lockheed P-38 abgeguckt hatte und die bis 1965 in Mode blieben. Zu den besten Cadillacs gehören zweifelsohne die Eldorado-Cabrios der 1950er Jahre, die bis heute als Inbegriff des amerikanischen Traumautos gelten. Cadillac ist innerhalb des GM-Konzerns bis heute für die großen Luxuslimousinen zuständig, auch wenn die Modelle ab den frühen 1970er Jahren für amerikanische Verhältnisse etwas kleiner und maßvoller wurden.

Drastisch gestiegene Benzinpreise, Kaufzurückhaltung bei den durstigen SUVs, Vans und Pick-Ups sowie die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 führten dazu, dass der seit vielen Jahrzehnten größte Automobilkonzern der Welt am 1. Juni 2009 Insolvenz anmelden musste; an diesem Tag verfügte General Motors über ein Vermögen von 82,3 Milliarden US-Dollar, hatte aber gleichzeitig Schulden in Höhe von 172,8 Milliarden US-Dollar. Das Insolvenzverfahren wurde in nur 40 Tagen abgewickelt; anschließend befanden sich die GM-Aktien im Besitz der USA (60,8 Prozent), Kanadas (11,7 Prozent), der Automobilarbeitergewerkschaft UAW/United Auto Workers (17,5 Prozent) sowie der Gläubiger (10 Prozent). Im November 2010 kehrte General Motors an die New Yorker Börse zurück. Mit einem Gesamtvolumen von mehr als 23 Milliarden Dollar war der GM-Börsengang der bis dahin größte aller Zeiten. Im Zuge der Neuausrichtung des Konzerns wurden die Marken Pontiac, Saturn und Hummer eingestellt; die Marke Oldsmobile gibt es schon seit 2004 nicht mehr.

Produziert wurden/werden die Cadillac-Modelle u.a. in den GM-Werken Arlington/Texas, Detroit/Michigan, Hamtramck/Michigan, Lansing/Michigan, Linden/New Jersey (2005 geschlossen), Silao (Mexiko), South Gate/California (1982 geschlossen) und Tarrytown/New York (1996 geschlossen).

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 02.06.2018 | 15:40