Markenlexikon

Bentley

Großbritannien

Der Maschinenbauer Walter Owen Bentley (1888 – 1971) gründete die Firma Bentley Motors Ltd. 1919 in Cricklewood (heute ein Stadtteil von London), nachdem er sein erstes Automobil auf einer Automobil-Ausstellung in London präsentiert hatte. Das erste Serienfahrzeug kam im Herbst 1921 auf den Markt und wurde mit geringen Modifikationen bis 1929 produziert; der Bentley 3 Liter diente als Ausgangsbasis für alle weiteren Fahrzeuge. Bentley baute jedoch, wie viele andere Firmen zu dieser Zeit auch, nur die Fahrgestelle und den Motor (erst 1949 führte Bentley Standard-Karosserien ein). Mit dem ersten Bentley, den es in Standard- und Speed-Ausführung gab, wurden mehrere Siege beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans erzielt (1924, 1927, 1928, 1930).

1925 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt; die meisten Aktien gehörten dem Millionenerben und Bentley-Rennfahrer Woolf Barnato (sein Vater Barney Barnato besaß Diamanten- und Goldminen in Südafrika). Er wurde auch Vorstandvorsitzender des Unternehmens. Nachdem Bentley infolge der Weltwirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten geraten und in Konkurs gegangen war, wurde das Unternehmen Ende 1931 von Rolls-Royce übernommen. 1935 ging der Gründer als Chefkonstrukteur zu Lagonda (später Aston-Martin-Lagonda).

Mit Ausnahme des R/S Continental (1952 – 1959) – das damals schnellste viersitzige Coupé der Welt (188 km/h) und gleichzeitig teuerster Serienwagen – unterschieden sich die Bentleys, die nun bei Rolls-Royce in Derby und Crewe entstanden, nur noch unwesentlich von den Rolls-Royce-Modellen. Die meisten Rolls-Royce gab es auch als Bentley, wobei sich lediglich der Kühlergrill, das Markenzeichen und die Ausstattung unterschieden. Erst Mitte der 1980er Jahre bekam die Marke mit dem Modell Bentley Turbo R (1985 – 1997) wieder mehr Eigenständigkeit. Ab 1990 überstiegen die Bentley-Verkaufszahlen die von Rolls-Royce.

1998 entbrannte zwischen Volkswagen und BMW eine Übernahmeschlacht um Rolls-Royce/Bentley, die Volkswagen zunächst für sich entscheiden konnte, nachdem man den Aktionären des Mutterkonzerns Vickers einen deutlich höheren Preis geboten hatte. Danach stellte sich jedoch heraus, dass die Namensrechte von Rolls-Royce nicht bei der Autofirma lagen, sondern bei dem Triebwerkhersteller, der in Deutschland bei der Herstellung von Flugzeugtriebwerken seit 1990 mit BMW zusammenarbeitete. Der vergab die Nutzungsrechte für den Namen Rolls-Royce erwartungsgemäß nicht an VW, sondern an BMW. Schließlich musste Volkswagen die Marke Rolls-Royce 2003 an BMW abgeben. VW behielt Bentley und das Rolls-Royce-Montage-Werk in Crewe (Cheshire).

Aktuelle Bentley-Modelle sind das Luxus-Coupé Continental GT (seit 2003), das Luxus-Cabrio Continental GTC (seit 2006), der Continental Flying Spur (seit 2005), eine repräsentative Limousine, das viersitzige Cabriolet Azure (seit 2006), das noch auf dem Bentley Arnage (1998 – 2010) basiert, und die Oberklasse-Limousine Bentley Mulsanne (seit 2009). Der Flying Spur wurde von 2005 bis 2006 teilweise in der Gläsernen Manufaktur Dresden montiert, dort wo auch der VW Phaeton vom Band läuft.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:49