Markenlexikon

Barclays

Großbritannien

Im mittelalterlichen England war es üblich, dass vermögende Bürger ihr Geld, Gold und sonstige Wertgegenstände bei Goldschmieden lagerten, die über besonders gesicherte Geschäftsräume verfügten. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit das englische Bankwesen. Aus einer solchen »Goldschmiede-Bank« entstand auch die heutige Barclays Bank. Sie wurde 1690 von dem Goldschmied John Freame (1669 – 1745) und seinem Partner Thomas Gould in der Londoner Lombard Street, dem Sitz vieler Händler, Goldschmiede und Juweliere, unter dem Namen Freame & Gould gegründet. Fraeme und Gold waren familär miteinander verbunden, beide hatten die Schwester des anderen geheiratet. Außerdem gehörten sie der Religionsgemeinschaft der Quäker an.

Der Name Barclay kam erstmals 1733 ins Spiel, als James Barclay (1708 – 1766), der Schwiegersohn von John Freame, als Partner in das Unternehmen aufgenommen wurde (Freame & Barclay, Bankers, Lombard Street). Gould war 1730 verstorben und sein gleichnamiger Sohn machte sich mit einer eigenen Bank in Cornhill selbstständig, ging aber bald darauf Pleite. Die Londonder Bank wurde von Joseph Freame, dem Sohn des Gründers, und James Barclay weitergeführt. Beide starben 1766, woraufhin die Bank in den Besitz der Barclays überging; Joseph Freames Sohn John Freame der Jüngere war bereits 1770 gestorben und dessen Sohn spielte in der Bank keine Rolle mehr. Mehrere neue Partner (u.a. Silvanus Bevan, John Henton Tritton) führten zwischenzeitlich dazu, dass auch der Name Barclay wegfiel. Am Ende setzte er sich jedoch, wohl auch aufgrund seines Klangs und seines guten Rufs in London, gegen alle anderen Partnernamen durch.

Aus dem Zusammenschluss von Barclay, Bevan, Tritton, Ransom, Bouverie & Co., Jonathan Backhouse & Company und Gurneys, Birkbeck, Barclay & Buxton – alle drei Banken befanden sich in der Hand von Quäker-Familien – sowie weiteren 17 kleineren Banken entstand 1896 die als Aktiengesellschaft organisierte Bank Barclays & Co. Ltd. (ab 1917 Barclays Bank Ltd.).

Bis zum Ende des 1. Weltkriegs schloss sich Barclays mit weiteren 45 britischen Banken zusammen; 1918 gehörte die Barclays Bank zu den fünf größten Banken Großbritanniens. Zur gleichen Zeit begann die Expansion ins Ausland (1916 Übernahme der Colonial Bank), vor allem in die Gebiete, die damals noch zum britischen Kolonialreich gehörten. Ab Ende der 1950er Jahre war die Barclay Bank die größte Bank Großbritanniens (vor der Midland Bank).

Mit der Gründung der Barclays Bank of California wurde die Bank 1965 auch in den USA tätig. 1966 gab Barclays die erste Kreditkarte Großbritanniens heraus (Barclaycard), ein Jahr folgte der erste Geldautomat der Welt (in einer Barclays Filiale in Enfield bei London).

1982 wurde Barclays in eine Publikumsgesellschaft (Public Limited Company) umgewandelt, deren Aktien frei gehandelt werden können (Barclays Bank plc; ab 1984 Barclays plc). Ab 1985 fungierte die Barclays plc als Holdinggesellschaft für die Barclays Bank plc und die Barclays Bank International Ltd. Durch den Zusammenschluss der Barclays Merchant Bank mit den Wertpapierhändlern De Zoete & Bevan und Wedd Durlacher Mordaunt entstand 1985 die Investmentbank Barclays de Zoete Wedd (BZW), die 1998 in Barclays Capital (BarCap) umbenannt wurde und seit 2012 als Barclays Investment Bank firmiert.

2008 erwarb Barclays große Teile der insolventen US-Investmenbank Lehman Brothers (Lehman Brothers North America, Infrastruktur, 9000 Mitarbeiter, Hauptsitz New York).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:49