Markenlexikon

Bacardi

Bermuda

Der 1830 aus Spanien eingewanderte Weinhändler Facundo Bacardí y Mazó (1814 – 1887) erwarb 1862 eine kleine bankrotte Rum-Brennerei in Santiago de Cuba, die zuvor John Nunes gehört hatte. Teilhaber der neuen Firma waren sein Bruder José, der das Geld beisteuerte (rund 3000 Dollar), und José Leon Bouteillier, der über das nötige Know-how verfügte und einige Sachwerte aus einer früheren Firma besaß. Da die Destille eine Fledermauskolonie beherbergte, machte man dieses Tier, das in der kubanischen Mythologie für Glück und Reichtum steht, kurzerhand zum Firmensymbol. Das Unternehmen setzte sich zum Ziel, die bis dahin miserable Qualität des Anfang des 17. Jahrhunderts von holländischen Siedlern in Aruba erfundenen Zuckerrohschnapses zu verbessern. Bacardí entwickelte ein neues und langwieriges Destillationsverfahren, mit dessen Hilfe die unreinen Anteile aus dem vergorenen Sud herausgefiltert werden konnten. Das Ergebnis war ein milder weißer Rum mit einem außergewöhnlich hohen Reinheitsgrad, der anschließend in ausgebrannten Weißeichenfässern reifte, wodurch sich – abhängig von der Dauer der Lagerung – sein Geschmack und seine Farbe veränderte. Als Kunden für seinen milden Rum hatte Bacardí nicht so sehr die Seeleute im Visier, die auch den schärfsten Fusel tranken, sondern eher die reichen Plantagenbesitzer, die bis dahin französischen Cognac oder spanischen Brandy bevorzugten. Ab 1874 waren Facundo Bacardí und seine Söhne Emilio und Facundo Miguel Alleineigentümer der Firma.

Emilio Bacardí y Moreau (1844 – 1922) engagierte sich Ende des 19. Jahrhunderts auch für die Unabhängigkeit Kubas von Spanien, was ihm eine vierjährige Verbannung in den spanischen Teil Marokkos einbrachte (1879 – 1883). 1903 wurde er Bürgermeister von Santiago de Cuba. Dass Emilio ein Freund und Anhänger des Revolutionärs und Schriftstellers José Martí war, der von den kubanischen Kommunisten als Nationalheld verehrt wird, hören die heutigen Mitglieder der Bacardí-Familie nicht mehr so gerne.

Bacardi-Rum wurde bald über die Grenzen des karibischen Raums hinaus bekannt und beliebt, vor allem nach der Jahrhundertwende, als Cocktails wie Daiquirí oder Cuba Libre in Mode kamen. Das feine und weiche Aroma des Bacardi-Rums eignete sich besonders gut für Mixgetränke. Die Firma errichtete in der Folgezeit auch außerhalb Kubas Zuckerrohrplantagen, Tochtergesellschaften, Brennereien und Abfüllanlagen, u.a. in Barcelona/Spanien, New York, Mexico City und Puerto Rico. Außerdem gehörte den Bacardís seit 1927 eine Bierbrauerei (Marke: Hatuey).

Nachdem Fidel Castro 1959 in Kuba an die Macht gekommen war, wurde das Unternehmen verstaatlicht (die frühere Bacardi-Destillerie vermarktet ihren Rum heute unter der Marke Ron Caney). Die Bacardí-Familie verließ Kuba daraufhin und verlegte den Firmensitz nach Nassau auf die Bahamas. Zahlreiche Mitglieder der Familie engagierten sich fortan aktiv gegen die neuen kubanischen Machthaber, u.a. in der von Exilkubanern in Miami/Florida gegründeten Exilregierung. Auch an Mordplänen gegen die Castro-Brüder und Che Guevara sollen Mitglieder des Bacardi-Clan beteiligt gewesen sein, vor allem der frühere Bacardi-Chef José Manuel (Pepin) Bosch.

Die verschiedenen Unternehmensteile auf den Bahamas, den Bermuda-Inseln, in Mexiko und Puerto Rico wurden 1992 zur Bacardi Limited mit Sitz in Hamilton/Bermuda zusammengeschlossen. Der Bacardi-Konzern, der sich im Besitz von rund 500 Nachkommen des Gründers befindet, ist heute einer der größten Spirituosenhersteller der Welt. Hauptprodukt ist nach wie vor der weiße Bacardi-Rum. Daneben produziert das Unternehmen auch noch eine ganze Reihe von dunklen Rumsorten sowie die dazugekauften Marken Bénédictine (Kräuterlikör), Bombay Sapphire (Gin), Dewar's (Scotch Whisky), Eristoff (Wodka), Grey Goose (Wodka) und Martini (Wermut).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:49