Markenlexikon

Branche: IT

Zuse

Deutschland

Der ehemalige Bauingenieur Konrad Ernst Otto Zuse (1910 – 1995), der zunächst als Statiker bei den Henschel-Flufzeugwerken in Berlin als Statiker gearbeitet hatte, baute zwischen 1934 und 1939 gemeinsam mit dem Nachrichtentechniker Helmut Schreyer (1912 – 1984) zwei Rechenanlagen (Z1, Z2) aus ausrangierten Telefonrelais, die jedoch aufgrund mangelhaft gefertigter Mechanikteile noch nicht voll funktionsfähig waren. Erst der 1941 im Auftrag der deutschen Luftfahrtindustrie fertiggestellte programmgesteuerte Digitalrechenautomat Z3 arbeitete einwandfrei. Der Zuse Z3, der als erster funktionsfähiger programmgesteuerter digitaler Rechenautomat in die Annalen der Computergeschichte einging, bestand aus einer dezimalen Tastatur, einem Lampenfeld als Datenausgabe sowie 600 Schaltrelais, 600 Relais für andere Zwecke und 1400 Speicherrelais (Speichervermögen: 64 Zahlen zu je 22 Dezimalstellen). Er beherrschte die vier Grundrechenarten sowie die Berechnung quadratischer Wurzeln (Berechnungsdauer einer Operation etwa drei Sekunden). 1944 wurde der Z3 bei Bombenangriffen zerstört. 1945 war die Weiterentwicklung, der Relaisrechner Z4 mit Lochstreifen-Programmierung und einer Schreibmachine als Ausgabegerät, fertig; 1950 wurde er in der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) aufgestellt, wo er bis 1955 als einziger Computer europäischer Herkunft in Betrieb blieb (seit 1960 steht der Z4 im Deutschen Museum München). 1945 löste Zuse seine Firma zunächst auf, gründete sie jedoch 1949 in Neukirchen/Hessen neu. In den 1950er Jahren baute die Firma, die ihren Firmensitz 1957 nach Bad Hersfeld in eine ehemalige Textilfabrik verlegte, noch einige weitere Relais-, Röhren- und Transistor-Rechenanlegen (u.a. Z5, Z11, Z22, Z23, Z25, Z31), 1964 wurde die Firma jedoch erst von der Rheinstahl AG übernommen, dann 1965 von der deutschen Tochter des Schweizer Elektrokonzerns Brown Boveri & Cie. (BBC) und 1967 schließlich von Siemens, wo Konrad Zuse selbst noch jahrelang als Berater tätig war. 1971 wurde die Firma Zuse KG aufgelöst und bald darauf stellte Siemens auch die Computer-Produktion in Bad Hersfeld ein.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49