Markenlexikon

Branche: Automobile

Willys-Overland

USA

Die Ursprünge von Willys-Overland gehen auf die Standard Wheel Company zurück, einen Fahrradhersteller aus Terre Haute/Indiana, der für die geplante Automobilproduktion 1903 in Indianapolis die Tochtergesellschaft Overland Automative Division ins Leben rief. Bereits ein Jahr später verlor Standard Wheel jedoch wieder das Interesse und verkaufte die Firma an den Autokonstrukteur Claude Cox. 1907 bestellte der Autohändler John North Willys (1873 – 1935) bei Overland 500 Autos. Zur gleichen Zeit schlitterte Overland in eine schwere Finanzkrise, sodass das Unternehmen nicht mehr in der Lage war, die bereits bezahlten Fahrzeuge fertigzustellen. So blieb Willys nichts anderes übrig als Overland 1908 ganz zu übernehmen. 1910 verlegte er den Firmensitz von Indianapolis nach Toledo/Ohio, wo er zuvor ein Werk der bankrotten Pope Motor Company erworben hatte. Das ab 1912 als Willys-Overland Motor Company firmierende Unternehmen entwickelte sich dank sparsamer und preiswerter Modelle innerhalb kürzester Zeit zum zweitgrößten US-Automobilhersteller nach Ford.

Der große Börsenkrach von 1929 und die nachfolgende Wirtschaftskrise erfasste Willys-Overland jedoch mit voller Härte. Gerade noch rechtzeitig hatte Willys 1929 seine Aktienanteile verkauft, ging dann als US-Botschafter nach Polen, kehrte aber 1932 zu Willys-Overland zurück, um das Unternehmen vor dem Untergang zu retten. 1935 starb Willys, aber die Firma bestand noch immer, obwohl man inzwischen recht kleine Brötchen backen musste.

Da kam die Ausschreibung für ein allradgetriebenes Geländefahrzeug, offiziell »1/4 ton command reconnaissance truck« genannt, die U.S. Army im Juni 1940 veranstaltete, gerade recht. 135 Firmen waren zu diesem Wettbewerb geladen, konkrete Angebote gaben jedoch nur American Bantam und Willys-Overland ab. Die geringe Beteiligung lag in erster Linie an den unrealistischen Forderungen der Armee. Das erste Testfahrzeug sollte schon wenige Wochen später zur Verfügung stehen. American Bantam war die einzige Firma, die sich wenigstens halbwegs an die strengen Vorgaben hielt und deswegen den Auftrag für den Bau der ersten 70 Fahrzeuge bekam. Doch nach einer Werksbesichtigung kamen der Armeeführung ernste Zweifel, ob die kleine Firma in der Lage war eine größere Serienproduktion zu übernehmen.

Willys-Overland Jeep
Willys-Overland Jeep

Inzwischen hatten Willys-Overland (Modell Quad) und Ford (Modell Pygmy) auf eigene Faust Testfahrzeuge hergestellt und an die Armee geliefert. Willys ging im Oktober 1941 mit seinem Modell MA (Military Series A) als Sieger aus dem Rennen hervor. Noch 1941 begann bei Willys in Toledo/Ohio die reguläre Produktion. Da aber auch die Kapazitäten von Willys nicht ausreichten, stellte Ford den Willys MB (Military Series B) in Lizenz her. Auch American Bantam produzierte in Butler geringe Mengen ihres Modells BRC (Bantam Reconnaissance Car).

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs hatte Willys-Overland wieder das alleinige Recht die Geländewagen, die inzwischen Jeep (nach der Comicfigur »Eugene – The Jeep«) genannt wurden, für militärische und nun auch zivile Zwecke herzustellen. Und die Nachfrage war riesengroß, nicht nur bei der Armee. 1945 kam der erste zivile Jeep vom Typ CJ-2A (CJ = Civil-Jeep) auf den Markt. Als Käuferschicht visierte die Firma vor allem Farmer an, die mit dem robusten Fahrzeug nicht nur durch unwegsames Gelände fahren und schwere Lasten ziehen, sondern mit den entsprechenden Zusatzgeräten auch pflügen konnten. Im Laufe der Jahre brachte Willys neben den normalen Jeeps (CJ) und den militärischen Varianten (MD und M) eine ganze Jeep-Modellpalette auf den Markt (Kombis/SUVs, Roadster, Pick-ups); von 1956 bis 1965 gab es sogar leichte Lastwagen.

1953 schloss sich Willys-Overland mit der Kaiser-Frazer Corporation – ein Jointventure des Großindustriellen Henry John Kaiser (Werften, Aluminiumfirmen, Baufirmen) und des Ex-Willys-Overland-Chefs Joseph Frazer, das erst kurz nach dem Ende des Krieges gegründet worden war – zur Willys Motors Corporation zusammmen. Von 1953 bis 1956 produzierte Willys auch wieder normale Autos, danach widmete man sich nur noch dem Jeep und seinen Abkömmlingen. 1963 benannte sich das Unternehmen in Kaiser Jeep Corporation um.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 26.02.2019 | 00:39