Markenlexikon
Der Name Westland geht auf die geografische Bezeichnung West Hendford zurück, wo die Petter-Familie 1913 neues Land erwarb und die Produktionsanlagen der Westland Aircraft Works errichtete. Muttergesellschaft war die Firma Petters aus Yeovil/Somerset, ein Hersteller von Dieselmotoren.
Zunächst produzierte die Firma Kampfflugzeuge in Lizenz von Airco/De Havilland, Short Bros. und Vickers. Ab 1917 entstanden auch eigene Konstruktionen. Während des Zweiten Weltkriegs baute Westland die berühmte Vickers Supermarine Spitfire in Lizenz. Mehrere der späteren Westland-Flugzeuge wurden von William Edward (Teddy) Petter (1908 – 1968), dem Sohn des Firmengründers Sir Ernest Petter (1873 – 1954), konstruiert. Teddy Petter war auch Konstrukteur der Kampfflugzeuge English Electric Canberra, English Electric/BAC Lightning, Folland Midge und Folland Gnat.
Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Westland nur noch Hubschrauber, und zwar zunächst ausnahmslos Modelle des US-Herstellers Sikorsky. In den 1960er Jahren kamen auch Modelle anderer Hersteller hinzu (Aérospatiale/Sud Aviation, Bell/Agusta). Eine Eigenentwicklung war der Westland Lynx (Erstflug 1971), der ursprünglich gemeinsam von Westland und Aérospatiale gebaut werden sollte.
1959/1961 kam es im Zuge der Konzentration der britischen Luftfahrtindustrie zum Zusammenschluss der Hubschrauber-Hersteller Bristol Aeroplane Helicopter Division, Fairey Aviation, Westland Aircraft und Saunders-Roe (Saro); das fusionierte Unternehmen firmierte als Westland Helicopters.
Westland erbte dadurch Modelle wie den Saunders-Roe Scout, den Saunders-Roe Wasp, den Fairey Rotodyne oder den Bristol 192 Belvedere. Auch das erste Luftkissenboot, Saunders-Roe SR.N1 ging in den Besitz von Westland über. Das 1964 gegründete Unternehmen British Hovercraft (National Research and Development, Vickers-Armstrongs, Westland Helicopters) baute in den 1960er Jahren die Luftkissenboote SR.N2 bis SR.N6 sowie das BH.7. 1984 wurde British Hovercraft in Westland Aerospace umbenannt.
Von 1988 bis 1994 ging Westland Helicopters in den Besitz des britischen GKN-Konzerns (Antriebswellen, Bolzen, Metallverarbeitung, Muttern, Militärfahrzeuge, Schrauben) über. Zu dieser Zeit konnte sich Westland einen Auftrag über den Bau von Kampfhubschraubern des Typs McDonnell-Douglas AH-64D Apache Longbow für die Britische Armee sichern. Die Westland AH Mk 1 Apache wurden von 2001 bis 2004 ausgeliefert.
Im Jahr 2000 schloss sich Westland Helicopters mit dem italienischen Hubschrauber-Hersteller Agusta zusammen. Das neue Unternehmen AgustaWestland gehörte zunächst Finmeccanica (Agusta) und GKN (Westland). 2004 erwarb jedoch Finmeccanica alle Anteile an AgustaWestland.
2016 wurden die Finmeccanica-Tochtergesellschaften AgustaWestland (Hubschrauber), Alenia Aermacchi (Flugzeuge), Selex ES (Flugsicherungsanlagen), Oto Melara (Panzerfahrzeuge, Kanonen, Schiffsgeschütze, Raketen) und Whitehead Alenia Sistemi Subacque (Torpedos, Torpedo-Abwehrsysteme, Sonare) in einem neuen Unternehmen mit dem alten Namen Finmeccanica zusammengeschlossen. 2017 benannte sich Finmeccanica in Leonardo um. Im Westland-Werk Yeovil werden bis heute Hubschrauber gefertigt.
Text: Toralf Czartowski