Markenlexikon

Westland Helicopters

Großbritannien

WESTLAND HELICOPTERS: Der Name Westland geht auf die geografische Bezeichnung West Hendford zurück, wo die Petter-Familie 1913 neues Land erworben hatte, auf dem die Produktionsanlagen der Westland Aircraft Works (ab 1935 Westland Aircraft Ltd.) errichtet wurden. Mutttergesellschaft war die Petters Ltd. Yeovil/Somerset, ein Hersteller von Dieselmotoren.

Zunächst produzierte die Firma Kampfflugzeuge in Lizenz (Short 184, Short 166, Sopwith 1½ Strutter, De Havilland Airco DH.4, Airco DH.9, Airco DH.9A, Vickers Vimy), ab 1917 wurden auch eigene Konstruktionen gebaut (1917 Westland N.1B, 1918 Westland Wagtail, 1918 Westland Weasel, 1927 Westland Wapiti, 1936 Westland Lysander, 1938 Westland Whirlwind, 1942 Westland Welkin, 1946 Westland Wyvern). Während des 2. Weltkriegs baute Westland auch die berühmten Vickers Supermarine Spitfire in Lizenz. Mehrere der späteren Westland-Flugzeuge (Lysander, Whirlwind, Welkin) wurden von William Edward Willoughby (Teddy) Petter (1908 – 1968), dem Sohn des Firmengründers Sir Ernest Petter (1873 – 1954), konstruiert. Teddy Petter war auch Konstrukteur der Kampfflugzeuge English Electric Canberra, English Electric/BAC Lightning, Folland Midge und Folland Gnat.

Westland baute nach dem 2. Weltkrieg nur noch Hubschrauber, und zwar zunächst ausnahmlos Modelle des US-Herstellers Sikorsky: ab 1950 den Westland WS-51 Dragonfly (Sikorsky S-51), ab 1954 den Westland Whirlwind (Sikorsky S-55/H-19 Chickasaw), ab 1961 den Westland Wessex (Sikorsky S-58 Choctaw) und ab 1969 den Westland WS-61 Sea King (Sikorsky S-61). In den 1960er Jahren fertigte Westland auch Modelle anderer Hersteller in Lizenz (Bell/Agusta 47 als Westland Sioux, Sud Aviation/Aérospatiale SA 330 Puma als Westland Puma, Aérospatiale Gazelle als Westland Gazelle). Eine Eigenentwicklung war der Westland Lynx (Erstflug 1971), der ursprünglich gemeinsam von Westland und Aérospatiale gebaut werden sollte.

1959/1961 kam es im Zuge der Konzentration der britischen Luftfahrtindustrie zum Zusammenschluss der Hubschrauber-Hersteller Westland Aircraft, Saunders-Roe (Saro), Fairey Aviation und Bristol Aeroplane Helicopter Division zur Westland Helicopters Ltd. Westland erbte dadurch Modelle wie den Saunders-Roe Scout, den Saunders-Roe Wasp, den Fairey Rotodyne oder den Bristol 192 Belvedere. Auch das erste Luftkissenboot Saunders-Roe SR.N1 ging in den Besitz von Westland über. Die 1964 gegründete British Hovercraft Corporation (Westland Helicopters, Vickers-Armstrongs, National Research and Development Corporation) baute in den 1960er Jahren die Luftkissenboote SR.N2 – SR.N6 sowie das BH.7 (1969). 1984 wurde die British Hovercraft Corporation in Westland Aerospace umbenannt.

GKN: Von 1988 bis 1994 ging Westland Helicopters in den Besitz des britischen Konzerns GKN/Guest, Keen and Nettlefolds (Metallverarbeitung, Schrauben, Muttern, Bolzen, Antriebswellen, Militärfahrzeuge) über. Zu dieser Zeit konnte sich Westland einen Auftrag über den Bau von 67 Kampfhubschraubern des Typs McDonnell-Douglas AH-64D Apache Longbow für die Britische Armee sichern. Die Westland AH Mk 1 Apache wurden von 2001 bis 2004 ausgeliefert.

AGUSTA-WESTLAND: Im Jahr 2000 schloss sich Agusta mit dem britischen Hubschrauber-Hersteller Westland Helicopters zusammen. Das neue Unternehmen AgustaWestland N.V., das in Amsterdam (Niederlande) registriert war, seinen Hauptsitz aber in Samarate (Varese) hatte, gehörte zunächst der Finmeccanica S.p.A. und der britischen GKN plc, dem vormaligen Eigentümer von Westland. 2004 erwarb jedoch Finmeccanica alle Anteile an AgustaWestland. Produktionswerke gab es in Cascina Costa di Samarata (Varese), Vergiate (Varese), Tessèra (Venezia), Anagni, Frosinone, Brindisi, Yeovil (Großbritannien), Philadelphia (USA) und Swidnik (Polen; 2009 Übernahme des polnischen Hubschrauberherstellers PZL Świdnik).

LEONARDO: 2016 wurden die Finmeccanica-Tochtergesellschaften AgustaWestland (Hubschrauber), Alenia Aermacchi (Flugzeuge), Selex ES (Flugsicherungsanlagen), Oto Melara (Panzerfahrzeuge, Kanonen, Schiffsgeschütze, Raketen) und Whitehead Alenia Sistemi Subacque (Torpedos, Torpedo-Abwehrsysteme, Sonare) in einem neuen Unternehmen mit dem alten Namen Finmeccanica S.p.A. zusammengeschlossen. Mehrere andere Geschäftsfelder waren zuvor verkauft worden (Energie, Omnibusse, Schienenfahrzeuge). Seit 2017 firmiert die neue Finmeccanica S.p.A. unter dem Namen Leonardo S.p.A. – nach dem italienischen Universalgelehrten Leonardo da Vinci, der neben seinen vielfältigen Aktivitäten auch diverse Flug- und Kriegsgeräte entworfen hatte (Luftschrauben, U-Boote, Belagerungsgeräte, Panzer).

Leonardo produziert u.a. Militärflugzeuge (AW609 TiltRotor, C-27J Spartan, Eurofighter Typhoon, M-311/M-345, M-346 Master, MB-339), Zivilflugzeuge (ATR 42, ATR 47, SF-260), Hubschrauber (Apache AH MK1, AW101/EH101 Merlin, AW109, AW119 Koala, AW139, AW149, AW159/Super Lynx 300, AW189, Chinook ICH-47F, NH90, T129/A129), unbemannte Luftfahrzeuge (Sky-X, Sky-Y), Flugzeugkomponenten (für Airbus, Boeing, Dassault, Embraer, Sukhoi), Avionik, Raumfahrttechnik, Rüstungselektronik (Radargeräte, Sensoren), Schiffsgeschütze, Torpedos, Radpanzer, Munition sowie Sicherheits- und Informationssysteme (Flugsicherungssysteme, Überwachungssysteme).

Darüber hinaus ist Leonardo an mehreren Jointventures beteiligt: ATR Avions de Transport Régional (mit Airbus), Eurofighter (mit Airbus und BAE Systems), MBDA Missile Systems (mit Airbus und BAE Systems), Sukhoi Superjet 100 (mit Sukhoi), Thales Alenia Space (mit Thales) und Telespazio (mit Thales).

Der Hauptsitz der Leonardo S.p.A. befindet sich in Rom, Produktionsstandorte gibt es u.a. in Anagni, Brindisi, Cameri, Cascina Costa di Samarata, Foggia, Frosinone, Grottaglie, Neapel, Philadelphia (USA), Pomigliano d’Arco, Swidnik (Polen), Tarent, Tessèra, Turin, Venegono bei Varese, Vergiate und Yeovil (Großbritannien).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 01.03.2020 | 13:46