Markenlexikon
Die Brüder Carl und Adolf Vorwerk gründeten 1883 in Barmen bei Wuppertal eine Teppichfabrik, die maschinell gewebte Teppiche nach orientalischen Vorbildern herstellte. 1907 wurde August Mittelsten Scheid, der Schwiegersohn von Carl Vorwerk, zum alleinigen geschäftsführenden Gesellschafter.
Als der Teppichverkauf während der Weltwirtschaftskrise stagnierte, entwickelte Chefingenieur Engelbert Gorissen 1929/1930 einen Handstaubsauger (Kobold), bestehend aus Motor, Stiel und Staubbeutel, der sich jedoch wegen seiner geringen Größe nicht wesentlich besser verkaufte als die Teppiche. Damals waren gerade große Staubsauger in Mode.
Schließlich kam Geschäftsführer Scheid auf die Idee, die Staubsauger direkt an der Haustür zu verkaufen. Diese Vertriebsmethode hatte sein Sohn Werner während seines USA-Aufenthaltes kennengelernt. Trotz der negativen Vorurteile gegenüber dem kleinen Handstaubsauger, konnten die Vorwerk-Vertreter viele Kunden von der Leistungsfähigkeit des Gerätes überzeugen. Nach wenigen Jahren avancierte der Kobold zum meistverkauften Staubsauger in Deutschland. Der Direktvertrieb ist bis heute eine der tragenden Säulen von Vorwerk.
Neben Staubsaugern stellt das Unternehmen auch weiterhin Teppiche her, außerdem das Akku-Heimwerkergeräte-Set Twercs (Bohrschrauber, Heißklebepistole, Stichsäge, Tacker; seit 2015), Einbauküchen (seit 1974), Feelina-Bügelsysteme (seit 2002), Kosmetika und Körperpflegeartikel (2004 Übernahme der US-Direktvertriebsfirma Jafra Cosmetics) und Küchenmaschinen (seit 1971). Besonders erfolgreich ist Vorwerk mit dem Thermomix, einer fast 1000 Euro teuren Küchenmaschine, die kochen und backen kann, aber auch mixen, mahlen, kneten, rühren und zerkleinern.
Weiterhin bietet Vorwerk Dienstleistungen im Bereich Gebäudemanagement an (Hectas; seit 1974; Gebäudereinigung, Sicherheits- und Hausmeisterdienste, Catering), Bankdienstleistungen (AKF Bank; seit 1968; Finanzdienstleistungen für den Mittelstand) und IT-Dienstleistungen für den Mittelstand (ZEDA; seit 1970) an.
Vorwerk besitzt Produktionsstätten in Wuppertal, Hameln, Geesthacht (Ex-Produktionsanlagen der Norddeutschen Teppichwerke/Nordpfeil), Cloyes (Frankreich), Arcore (Italien) und Shanghai (China).
Text: Toralf Czartowski