Markenlexikon

VFW

Deutschland

Die Vereinigte Flugtechnische Werke GmbH (VFW) entstand 1961 durch den Zusammenschluss der Focke-Wulf GmbH (Lemwerder) und der Weser Flugzeugbau GmbH (Bremen). 1964 kam noch die Ernst Heinkel Flugzeugbau GmbH (Speyer) dazu. Ebenfalls 1964 riefen VFW und die Hamburger Flugzeugbau GmbH (HFB) in Bremen die Arbeitsgemeinschaft Entwicklungsring Nord (ab 1967 ERNO Raumfahrttechnik GmbH) ins Leben, die in den 1960er und 1970er Jahren die ersten europäischen Satelliten (TD-1A, AZUR), Raumlabore (Spacelab) und Raketen (Ariane) mitentwickelte.

Gemeinsam mit Nord Aviation (später Aérospatiale) und HFB entwickelte und baute VFW das militärische Transportflugzeug Transall C-160 (Erstflug 1963). Der Senkrechtstarter VAK 191 B (Erstflug 1971), der auf der Focke-Wulf FW1262 basierte und anfangs zusammen mit Fiat Aviazione entwickelt wurde, kam jedoch über den Experimentalstatus nicht hinaus. 1972 wurde das Programm zugunsten des Panavia Tornado eingestellt. Die VFW-Fokker 614 (Erstflug 1971) war der erste in Deutschland entwickelte zweistrahlige Kurzstrecken-Jet, von dem jedoch bis zum Produktionsende 1977 nur 19 Exemplare gebaut wurden. Die deutsche Luftfahrtindustrie konzentrierte sich damals voll auf das Airbus-Programm, an dem auch VFW beteiligt war.

Von 1969 bis 1981 bestand das Gemeinschaftsunternehmen VFW-Fokker, an dem VFW und Fokker (Niederlande) zu je 50 Prozent beteiligt waren. 1981 wurde VFW durch MBB übernommen.

Das Bremer Airbus-Werk ist heute nach Hamburg der zweitgrößte deutsche Standort des Konzerns. Hier werden die Hochauftriebssysteme für die Flügel aller Airbus-Flugzeugprogramme entwickelt und gebaut sowie die Rumpfsektion und das Frachtladesystem der A400M. Der Standort ist außerdem für Raumfahrt-Projekte zuständig (Ariane-5-Trägerrakete, Automated Transfer Vehicle ATV, ISS). Das Werk in Lehmwerder (bei Bremen), wo einst die Endmontage der VFW-Fokker 614 und der Transall C-160 stattfand, wurde 2010 geschlossen.

In einem Weser-Werk in Hoyenkamp bei Bremen wurden auch hydraulische Arbeitsbühnen für den Flugzeugbau gefertigt, allerdings nur für den Eigenbedarf. Ebenso Transportbehälter, Hangartore, Wohnwagen, Camping-Anhänger und Hubladebühnen für Lastwagen (Hubfix). Ab 1987 firmierte dieser Bereich als MBB Förder- und Hebesysteme GmbH.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 01.03.2020 | 18:26