Markenlexikon

Branche: Musikindustrie

Verve Records

USA

Norman Granz (1918 – 2001), ein Sohn jüdischer Einwanderer, arbeitete zunächst an der Börse von Los Angeles. Während des 2. Weltkriegs war er bei der US Air Force für die Unterhaltung der Truppen zuständig. Ab 1944 veranstaltete er unter dem Titel »A Jazz Concert at the Philharmonic Auditorium« (auch »Jazz at the Philharmonic« oder JATP) Konzerte von Jazzmusikern, anfangs nur in Los Angeles, später auch in anderen nordamerikanischen Städten (USA, Kanada) und ab 1952 in Europa. Die Konzerte wurden von verschiedenen Plattenfirmen veröffentlicht: Asch/Disc/Stinson Records (1945 – 1947), Mercury Records (1948 – 1953) und ab 1953 auf seinen eigenen Labels Clef Records (gegründet 1946 für Aufnahmen von klassischem Jazz) und Norgran Records (gegründet 1953 für Aufnahmen von Modern Jazz). 1956 kam schließlich noch Verve Records dazu (»verve« = frz. »Begeisterung«, »Schwung«).

Granz war zu dieser Zeit Manager von Ella Fitzgerald, deren Platte »Ella Fitzgerald Sings the Cole Porter Song Book« (1956) die erste Verve-Veröffentlichung wurde. Wie zuvor auch schon auf den Labels Clef, Norgran und Down Home, versammelte sich bei Verve alles, was in der Jazz-Szene Rang und Namen hatte, u.a. Art Tatum, Billie Holiday, Buddy Rich, Charlie Parker, Count Basie, Dizzy Gillespie, Duke Ellington, Ella Fitzgerald, Johnny Hodges, Lester Young, Louis Armstrong, Oscar Peterson, Roy Eldridge und Stan Getz.

Norman Granz setzte sich sehr für die Gleichbehandlung von Schwarzen und Weißen ein, schließlich waren viele seiner Musiker schwarz. Das brachte ihn immer wieder mit den Gesetzen und der Polizei in Konflikt; einmal richtete ein Polizist sogar seinen Revolver auf ihn, als er von einem weißen Taxifahrer verlangte, seine schwarzen Musiker genauso als Kunden zu behandeln wie jeden anderen auch. Er zahlte seinen Musikern von Anfang an das gleiche Gehalt, egal ob sie schwarz oder weiß waren.

1959 verlegte Granz seinen Wohnsitz in die Schweiz und ein Jahr später verkaufte er Verve Records an MGM Records, die Plattenfirma der Filmgesellschaft Metro-Goldwyn-Mayer. Eigentlich hatte Frank Sinatra, der ein eigenes Plattenlabel plante, die Firma übernehmen wollen, aber am Ende konnten sich Granz und Sinatra nicht über den Preis einigen. Daraufhin warb Sinatra Mo Ostin von Verve ab, der dort in verschiedenen Position gearbeitet hatte, u.a. als Buchhalter und A&R-Manager. Ostin leitete anschließend das Sinatra-Label Reprise Records.

Creed Taylor, der neue Verve-Chef, richtete das Label mehr nach kommerziellen Gesichtspunkten aus. Er etablierte 1964 ein Sublabel für Folkmusik (Verve Folkways, später Verve Forecast) und nahm auch Pop- und Rockmusiker wie The Righteous Brothers, Frank Zappa & The Mothers Of Invention, The Velvet Underground und The Blues Project unter Vertrag.

1972 verkaufte Metro-Goldwyn-Mayer MGM Records/Verve Records an die gerade gegründete Philips/Siemens-Tochter PolyGram (Deutsche Grammophon, Fontana, Philips, Polydor, Phonogram, Vertigo), wo Verve zum Bereich PolyGram Classics and Jazz (Decca, Deutsche Grammophon, Mercury/EmArcy Records, Philips Classics) gehörte. Nach dem Zusammenschluss der PolyGram-Gruppe mit der Universal Music Group (Decca Nashville, GRP Records, MCA Records, Universal Studios) 1998, wurden Verve und GRP (ebenfalls ein Jazz-Label) zur Verve Music Group vereinigt. 2013 übernahmm Verve die Musical Kataloge von Decca (Decca Broadway) EMI.

Inzwischen veröffentlicht die Verve Music Group (Santa Monica/California) neben Jazz auch wieder Musik anderer Genres (Classical Crossover, Progressive Pop, Show Tunes). Aktuelle Verve-Musiker sind u.a. Andrea Bocelli, Barry Manilow, Blake Mills, Brenna Whitaker, Bryan Adams, Celtic Thunder, Diana Krall, Fairground Saints, Melody Gardot, Michelle Branch, Sarah McLachlan, Third Story und Yuna.

Norman Granz gründete 1973 noch ein weiteres Jazz-Label (Pablo Records – benannt nach Pablo Picasso), auf dem wieder zahlreiche Jazz-Größen (u.a. Count Basie, Dizzy Gillespie, Ella Fitzgerald, John Coltrane, Oscar Peterson, Sarah Vaughan) ihre Platten veröffentlichten. 1987 verkaufte er dieses Label an Fantasy Records, ebenfalls eine Plattenfirma, die seit ihrer Gründung 1949 auf Jazzmusik spezialisiert war.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 18.03.2020 | 00:03