Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Unilever

Ursprungsland: Niederlande
Ursprungsland: Großbritannien

Der französische Chemiker Hippolyte Mége-Mouriés (1817 – 1880) entwickelte 1869 im Auftrag der französischen Regierung, die einen preiswerten Butterersatz für die Verpflegung der Armee suchte, eine streich- und lagerfähige Kunstbutter aus Wasser, Rinderfett, Milch und Lab, die er aufgrund des perligen Schimmers in Anlehnung an das griechische Wort margaron (Perle) Margarine Mouriès nannte. Der Erfinder bekam mehrere Patente auf die Margarine erteilt (Bayern, England, Frankreich, Österreich-Ungarn, USA), doch der Aufbau einer eigenen Produktion in Poissy scheiterte wegen des Deutsch-Französischen Krieges (1870 – 1871).

1871 begann der niederländische Butterhändler Antoon Jurgens (1805 – 1880) aus Oss mit der fabrikmäßigen Herstellung von Margarine, nachdem er von Mége-Mouriés die Nutzungsrechte an dem Herstellungsverfahren erworben hatte. Ein Jahr später folgte sein Landsmann Simon Van den Bergh (1819 – 1907), dessen Firma ebenfalls in Oss ansässig war. Als Deutschland Schutzzölle auf Margarine erhob, errichteten beide Unternehmen 1888 Fabriken in Goch (Jurgens) und Kleve (Van den Bergh). 1900 entstand innerhalb des Klever Werkes die Tochtergesellschaft Sana, die für die Produktion von koscheren Produkten zuständig war. Die gleichnamige Sana-Margarine enthielt anstatt Milch Mandelöl. 1904 folgte die besonders streichfähige Sanella.

1885 errichteten die Brüder William Hesketh Lever, 1st Viscount Leverhulme (1851 – 1925) und James D'Arcy Lever (1854 – 1910) in der Nähe von Liverpool eine Seifenfabrik. Als Markennamen für ihre Seife wählten sie Sunlight. Nachdem die Fabrik fertig war, entstand vor ihren Toren die Arbeitersiedlung Port Sunlight. Sunlight-Soap, die erste abgepackte Seife, wurde bald in die ganze Welt verkauft, seit 1889 gab es sie auch in Deutschland. Hier bekam sie jedoch ab 1903 den eingedeutschten Namen Sunlicht. 1894 brachte Lever Brothers mit Lifebuoy eine weitere Markenseife heraus. Im selben Jahr wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Um die Jahrhundertwende war Lever Brothers bereits der weltgrößte Seifenproduzent und die 1899 in Mannheim-Rheinau errichtete Sunlicht-Fabrik die größte Seifensiederei in Europa. 1899 brachte Lever Brothers das Waschmittel Sunlight Flakes (Seifenflocken) auf den Markt, das 1900 in Lux Flakes umbenannt wurde, und 1904 das Scheuerpulver Vim. 1895 eröffnete Lever Brothers eine Verkaufsniederlassung in New York und drei Jahre später, nachdem man eine kleine Seifenfabrik in Cambridge/Massachusetts erworben hatte, wurde dort die Produktion von Sunlight- und Lifebuoy-Seife für den US-Markt aufgenommen.

Nach der Jahrhundertwende erwarb Lever Brothers zahlreiche britische Seifen- und Nahrungsmittelhersteller: 1906 Blondeau et Cie. (Babyseife und -puder, Lippencreme, Zahncreme, Toilettenseife unter der Marke Vinolia), 1908 R. S. Hudson (Hudson's Dry Soap, Omo Soap, Rinso), 1917 A. & F. Pears (Pears Soap), 1919 D. & W. Gibbs (Seife, Zahnpflegemittel), 1922 Thomas Wall & Sons (Fleisch, Speiseeis) und 1929 die australische Firma J. Kitchen & Sons aus Melbourne (Rexona Seife). 1921 wurde der Lever-Brothers-Firmensitz von Port Sunlight/Liverpool nach London verlegt.

Mit dem Kauf von drei Seifenwerken in Hamburg und Leipzig brach Jurgens 1917/1918 in die Domäne von Lever Brothers ein. Andererseits stellte Lever Brothers seit 1914 auch Margarine her. 1924 brachte Van den Bergh die Margarinemarke Schwan im Blauband auf den Markt und Jurgens folgte mit Rahma (ab 1927 Rama). 1927 schlossen sich Jurgens und Van den Bergh zur Margarine Unie (in Großbritannien Margarine Union) zusammen. Das neue Unternehmen stieg damit zum größten Margarinehersteller Europas auf. 1928 erwarb die Margarine Unie den tschechischen Seifen- und Margarinehersteller Georg Schicht aus Usti nad Labem (Aussig a. d. Elbe), den damals führenden Seifen- und Fetthersteller Österreich-Ungarns (Apollo Seife, Elida Parfums, Hirsch Seife, Ideal Seife, Kerzen, Margarine, Schicht Seife).

Nachdem die Margarine Unie und Lever Brothers jahrelang erbittert um die Vorherrschaft in Europa konkurriert hatten, kam es 1929/1930 zur damals größten Fusion der Welt: Beide Unternehmen bildeten den Unilever-Konzern mit Hauptsitzen in Rotterdam und London. Für das operative Geschäft waren jedoch auch weiterhin zahlreiche regionale Tochtergesellschaften zuständig (u. a. Elida, Gibbs, Jurgens, Langnese-Iglo, Lever Brothers, Lever-Sunlicht, Sunlicht, Union, Van den Berg, Vinolia), sodass der Name Unilever auf den Produkten bis in die 1990er Jahre nicht auftauchte.

Unilever
Unilever

Unilever wuchs in den nächsten Jahrzehneten durch zahlreiche Übernahmen (1936 Langnese; 1937 Lipton USA; 1943 Birds Eye UK; 1944 Pepsodent; 1959 Nordsee Deutsche Hochseefischerei; 1961 Domestos; 1962 Schafft Fleischwerke; 1972 Lipton International; 1984 Brooke-Bond [Liebig, Oxo, PG Tips]; 1985 Findus Italia; 1987 Chesebrough-Pond's [Pond's, Vaseline]; 1989 Calvin Klein Cosmetics, Fabergé Cosmetics [Babe, Brut, Elizabeth Arden], Rimmel; 1993 Breyers; 1994 Bertolli; 1997 Kibon; 2000 Ben & Jerry’s; 2001 Bestfoods [Dextro Energy, Hellmann's, Knorr, Maizena, Mazola, Mondamin, Pfanni, Ubena]; 2002 Slim-Fast; 2009 Duschdas) und neuen Marken (1934 Gibbs SR; 1951 Milkana; 1954 Sunsilk; 1955 Sunil; 1957 Dove; 1958 Livio; 1960 Iglo; 1961 CD; 1962 Becel; 1964 Nogger, Nordsee Fisch-Restaurants; 1965 Cif/Jif/Viss, Signal, Solero; 1966 Cornetto; 1967 Coral/Korall; 1969 Comfort/Kuschelweich; 1971 Mentadent; 1972 BiFi; 1973 Du darfst, Unox Heiße Tasse; 1976 Bresso, Denim, Fly Away; 1977 La Fram; 1979 Impulse; 1981 Timotei; 1983 Axe/Ego/Lynx, Viennetta; 1985 Calippo; 1987 Lätta; 1989 Magnum; 1993 Organics) zu einem der weltweit führenden Hersteller von Körperpflegeprodukten, Nahrungsmitteln und Wasch- und Reinigungsmitteln heran.

Ab der Jahrtausendwende reduzierte Unilever die rund 1.600 Marken (1999/2000) nach und nach auf etwa vierhundert profitable Kernmarken. Bis in die 2020er Jahre wurden die Marken Badedas, Batchelors, Becel, Ben & Jerry's, Bertolli Frozen Foods, Birds Eye, Blue Band, Bresso, Breyers, Brut, Brylcream, CD, Calippo, Calvin Klein Cosmetics, Carte d'Or, Cornetto, Denim, Dextro Energy, Du darfst, Edelweiß, Elida, Elisabeth Arden, Fabergé, Findus Italia, Flora, Gibbs, Heiße Tasse, Homann, Iglo, Impulse, Kuschelweich, Langnese, Lipton, Livio, Lätta, Magnum, Mazola, Milkana, Nogger, Nordsee, Noxzema, Oxo, PG Tips, Pond's, Q-Tips, Rama, Ramée, Rimmel, Royco, Slim Fast, Solero, Sunil, Timotei, Viennetta und Wall's verkauft oder verselbstständigt.

Im Zuge von Sparmaßnahmen nach dem gescheiterten Übernahmeversuch durch den US-Konzern Kraft-Heinz, wollte Unilever 2018 seinen doppelten Firmensitz in Rotterdam und London aufgeben und die Konzernzentrale nach Rotterdam verlegen, von wo aus zuvor das Europageschäft und die Nahrungsmittelsparte geleitet wurden. In London waren die Sparten Reinigungsmittel und Körperpflege angesiedelt. Der Widerstand der britischen Investoren führte jedoch dazu, dass man diesen Plan fallenließ. Dafür wurden 2020 die beiden Gesellschaften Unilever London und Unilever Rotterdam zu einem Unternehmen mit Sitz in London zusammengeschlossen.

Zu den weltweit wichtigsten Unilever-Marken gehören Axe, Cif, Comfort, Coral, Domestos, Dove, Duschdas, Hellmann's, Knorr, Lifebuoy, Lux, Maizena, Mentadent, Mondamin, Omo, Pepsodent, Pfanni, Radiant, Rexona, Signal, Sunlight, Sunsilk, Surf, Vaseline und Viss (Stand 2026).

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Pixabay.com, Public Domain

www.unilever.com
www.unilever.de

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