Markenlexikon

UBS

Schweiz

Im Jahr 1862 gründeten 13 Industrielle (u.a. Heinrich Rieter, Heinrich Sulzer-Steiner, Johann Jakob Sulzer, Salomon Volkart) aus Winterthur mit einem Startkapital von fünf Millionen Franken die Bank in Winterthur. Durch die Erhöhung der Baumwollpreise infolge des Amerikanische Bürgerkriegs (1861 - 1865) konnte die Bank ihr Handelskapital verdoppeln. Die Bank in Winterthur war auch an der Gründung der Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM; 1871) und der Schweizerischen Unfallversicherungs-Aktiengesellschaft (1875; die spätere Winterthur-Versicherungen) beteiligt. Die Jahre von 1873 bis 1887 bescherten der Bank jedoch auch zum Teil herbe Verluste (u.a. Wiener Börsenkrach von 1873, Konkurs von Henri von Sulzer-Wart, 1883 Konkurs der Lloyd Transport- und Rückversicherung). 1912 schloss sich die Bank in Winterthur mit der Toggenburger Bank zur Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) zusammen. Der Hauptsitz der neuen Bank, die auch als Union de Banques Suisses (UBS), Unione di Banche Svizzere (UBS) und Union Bank of Switzerland (UBS) auftrat, befand sich zunächst in Winterthur und St. Gallen, erst 1945 wurde er nach Zürich verlegt.

Nach dem 1. Weltkrieg expandierte die SBG mit Filialen im In- und Ausland, vor allem nach Deutschland und Osteuropa. Die Weltwirtschaftskrise und den 2. Weltkrieg überstand die Bank dank hoher Reservenbildung gut; die Bilanzsumme und das Kapital gingen jedoch um rund die Hälfte zurück. Durch den Zusammenschluss mit der Industrie- und Handelsbeteiligungen AG (Interhandel), einer früheren Schweizer Tarnfirma des I.G.-Farben-Konzerns, stieg die SGB 1967 zur größten Schweizer Bank auf. Erst relativ spät eröffnete die SGB auch Niederlassungen in London (1967) und New York (1975). 1997 benannte sich die SGB auch im deutschen Sprachraum offiziell in UBS um.

1998 schloss sich die UBS mit dem Schweizerischen Bankverein (SBV) zusammen; der Name der neuen Bank lautete weiterhin UBS AG, das 1937 eingeführte Drei-Schlüssel-Logo, das Vertrauen, Sicherheit und Verschwiegenheit symbolisieren sollte, wurde vom SBV übernommen. Der SBV war 1854 von einem Konsortium aus sechs Privatbanken (Bank Bischoff zu St. Alban, Bank Ehinger & Cie., Bank J. Merian-Forcart, Passavant & Cie., J. Riggenbach, Von Speyr & Cie.) als Basler Bankierverein bzw. Basler Bankverein gegründet worden, um Industrie- und Eisenbahnprojekte zu finanzieren. 1872 wurde die Bank unter Beteiligung des Frankfurter Bankvereins in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Nach dem Zusammenschluss mit dem Züricher Bankverein (1895) sowie der Übernahme der Schweizerischen Unionsbank St. Gallen (1897) und der Basler Depositen-Bank (1897) kam es zur Umbebennung in Schweizerischer Bankverein (SBV) bzw. Swiss Bankverein. Mit der Eröffnung von Filialen und Übernahmen von Regionalbanken (u.a. 1906 Genf, 1912 Lausanne, Aigle) breitete sich der SBV in der ganzen Schweiz aus. Die erste Auslandsniederlassung entstand 1898 in London, 1939 wurde die erste Niederlassung in den USA (New York) eröffnet. In den 1950er und 1960er Jahren baute die SBV ihr internationales Geschäft stark aus; ab 1969 war sie auf allen fünf Kontinenten vertreten. 1995 erwarb die SBV die Londoner Investmentbank S.G. Warburg.

Nach dem Zusammenschluss der SGB/UBS und der SBV zur UBS erwarb die neu UBS AG zahlreiche weitere Finanzunternehmen und Geschäftsbereiche (u.a. 1999 GAM, 2000 PaineWebber, 2003 Lloyds-TSB-Vermögensverwaltungsgeschäft in Frankreich, Prime-Brokerage-Geschäft von ABN AMRO, 2004 Capital Markets Division der Charles Schwab Corporation, Vermögensverwaltungsgeschäft der Bank Julius Bär in Nordamerika und der Dresdner Bank Lateinamerika AG, Sauerborn Trust AG, 2005 Immobilienbereich der Siemens Kapitalanlagegesellschaft mbH, 2006 Privatkundengeschäft von Piper Jaffray, Banco Pactual S.A., Future- und Optionsgeschäfte von ABN AMRO, Geschäftsstellennetz von McDonald's-Investments). Die drei Privatbanken, Ehinger & Armand von Ernst, Banco di Lugano und Ferrier Lullin sowie der Asset-Manager GAM wurden 2006 an die Julius Bär Holding verkauft.

lnfolge der Finanzkrise ab 2007 musste die Schweizerische Eidgenossenschaft und die Schweizerische Nationalbank der UBS mit zwei Finanzspritzen unter die Arme greifen. 2009 gab die UBS auf Druck des US-Justizministeriums und der Börsenaufsicht SEC 250 bis 300 Kundendaten heraus und leistete eine Strafzahlung von 780 Millionen US-Dollar wegen regelmässiger Beihilfe zur Steuerhinterziehung für zehntausende US-Staatsbürger in den Jahren von 2000 bis 2007. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA stimmte dem Bruch des Bankgeheimnisses wegen drohender Insolvenzgefahr der UBS bei, da ein Gerichtsprozess in den USA zu weitaus höheren Strafzahlungen hätte führen können.

Im Juni 2014 wurde die UBS Group AG (Zürich) als Holdinggesellschaft des UBS-Konzerns gegründet. Das operative Geschäft (Asset Management, Investment Banking, Personal and Corporate Banking, Wealth Management) führt die UBS AG mit Sitz in Basel und Zürich über ihre weltweiten Niederlassungen und Tochtergesellschaften (über 1000 Niederlassungen in 52 Ländern). Die Aktien der UBS Group AG werden an den Börsen SIX Swiss Exchange und New York Stock Exchange gehandelt.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49