Markenlexikon

Branche: Nutzfahrzeuge

Traton

Deutschland

Der Volkswagen-Konzern begann 1950 im Werk Wolfsburg (ab 1956 auch im Werk Hannover) mit der Produktion eines Kleintransporters auf Käferbasis (T1; auch »Bulli« genannt), den es in verschiedenen Ausführungen gab (Kastenwagen, Kombi, Kleinbus, Westfalia Campingbus, Pritschenwagen). Die T-Baureihe hatte ein zulässiges Gesamtgewicht von 1,75 bis 2,07 Tonnen. Für den Transporterbereich von 2,8 bis 5,6 Tonnen gab es ab 1975 die LT-Baureihe. Aus dem LT wurde gemeinsam mit MAN der Sechs- bis Zehn-Tonnen-Lastwagen MAN-VW G 90 entwickelt; er kam 1979 (6 – 9 t) bzw. 1981 (10 t) auf den Markt. Die Motoren, die Chassis und die Vorderachsen stammten von MAN, das Fahrerhaus, die Getriebe und die Hinterachsen steuerte VW bei. Gebaut wurden die LT im VW-Werk Hannover und im MAN-Werk in Salzgitter-Watenstedt. Ab 1979 fertigte VW in Westmoreland/Pennsylvania (USA) auf Basis des Golf I den zweistzigen Pritschenwagen (Pick-up) Caddy.

1979/1980 erwarb Volkswagen die Chrysler Motors do Brasil Ltda. aus São Bernardo do Campo (1958 als Simca do Brasil gegründet) und benannte das Unternehmen in Volkswagen Caminhões Ltda. um. Chrysler hatte dort ab 1969 Dodge-Lastwagen produziert. VW fertigte in São Bernardo do Campo ab 1981 die LT-Baureihe.

Der Nachfolger des LT wurde gemeinsam mit Mercedes-Benz entwickelt und kam 1996 als Mercedes-Benz Sprinter/VW Crafter auf den Markt. Gebaut wurde der Crafter (1. Generation) und der Sprinter in den Daimler-Werken Ludwigsfelde und Düsseldorf. Der VW Crafter/MAN TGE (2. Generation; ab 2017) ist eine VW-Entwicklung und wird im VW-Werk Września (Polen) gefertigt.

Im Jahr 2000 erwarb die Volkswagen AG an dem schwedischen Nutzfahrzeughersteller Scania eine Beteiligung von 18,7 Prozent sowie 34 Prozent der Stimmrechte. Eine geplante Übernahme der Scania AB durch die deutsche MAN AG, an der VW seit 2006 mit 15 Prozent beteiligt war, scheiterte Anfang 2007 an Scania-Miteigentümer Investor AB. Zuvor hatte MAN eine Beteiligung an Scania (11,5 Prozent des Kapitals, 14,27 Prozent der Stimmrechte) über die Börse gekauft. Weitere Stimmrechte erwarb MAN im Februar 2008, sodass der Münchener Konzern nun über rund 17 Prozent der Stimmrechte verfügte. Im März 2008 stockte Volkswagen seine Beteiligung an Scania auf 37,7 Prozent auf (68,6 Prozent Stimmrechte) auf. Durch die Übernahme der MAN AG kam Volkswagen 2012 an deren Scania-Anteile. Mitte 2014 erwarb Volkswagen auch die restlichen Anteile von den noch verbliebenen Minderheitsaktionären.

2013 wurden die Nutzfahrzeugsparten (Lkw, Busse) von VW (Transporter, Stadtlieferwagen, Pick-ups), MAN, MAN/Neoplan (Busse), MAN Latin America Ltda. São Paulo (bis 2008 Volkswagen Caminhões e Ônibus) und Scania in die VW-Tochter Truck & Bus GmbH Wolfsburg (ab 2015 Volkswagen Truck & Bus GmbH Braunschweig; seit 2018 Traton Group München) eingebracht. Volkswagen Nutzfahrzeuge (Hannover) ist jedoch kein rechtlicher Teil der Traton Group, sondern als assoziierter Partner organisatorisch und operativ integriert. Der Name Traton leitet sich von TRAnsport, TRAdition, TRAnsformation sowie TONnage und On ab.

Die Traton Group gehört zum Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge der Volkswagen AG. Die MAN SE (bis 2020) und die Scania AB sind Tochtergesellschaften der Traton Group. Die MAN SE existierte noch bis 2020 weiterhin als börsennotierte Unternehmenshülle ohne operatives Geschäft; sie war Muttergesellschaft der MAN Truck & Bus AG, der MAN Latin America Ltd, der MAN Diesel & Turbo SE und der Renk AG. Diese Aufgabe übernahm daraufhin die Traton SE.

Seit 2017 besteht mit dem US-Truck- und Motorenhersteller Navistar International Corporation (Marke: International) eine strategische Partnerschaft. In diesem Zusammenhang erwarb Traton 16,6 Prozent der Navistar-Anteile.

Ende Juni 2019 brachte der Volkswagen-Konzern 11,5 des Kapitals der Traton SE an die Börse.

Traton betreibt u.a. Werke in Argentinien (General Pacheco, Tucumán), Brasilien (Resende), Deutschland (Hannover-Limmer, Hannover-Stöcken, München, Salzgitter), Frankreich (Angers), Mexiko (Puebla), den Niederlanden (Zwolle, Meppel), Österreich (Steyr), Polen (Krakau, Poznań, Słupsk, Września), Russland (Sankt Petersburg), Schweden (Falun, Luleå, Oskarshamn, Sibbhult, Södertälje) und Südafrika (Port Elizabeth).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 18.03.2020 | 00:02