Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Trailor

Ursprungsland: Frankreich

Die französische Familie Didier (germanisiert Dietrich, ab 1761 mit Adelstitel de) war seit dem frühen 17. Jahrhundert fest in das wirtschaftliche und politische Leben der Region Elsass-Lothringen, die von 1871 bis 1919 zum Deutschen Reich gehörte, eingebunden. Die Mitglieder der Familie stellten Bürgermeister, betrieben Bank- und Handelsgeschäfte, erwarben umfangreichen Landbesitz und errichteten Eisenhütten und Schmiedebetriebe. Zu den Produkten der De-Dietrich-Werke gehörten Badewannen, Brückenkonstruktionen, Eisenbahnwaggons, Heizöfen, Industriemaschinen, Kochherde, Schienen und Waffen.

Einige Jahre nachdem Teile von Elsass-Lothringen infolge des Deutsch-Französischen Krieges (1870 – 1871) an das Deutsche Reich gefallen waren, errichtete Eugène de Dietrich (1844 – 1918) ein weiteres Werk in Lunéville (Lothringen/Lorraine), das zu Frankreich gehörte, während sich die Werke Niederbronn und Reichshoffen im Deutschen Reich befanden. 1897 wurde die neue Fabrik, die zunächst Eisenbahnwaggons produzierte, eine selbstständige Gesellschaft nach französischem Recht (Société de Dietrich et Compagnie de Lunéville).

Ab 1897 bauten die Fabriken in Lunéville und Niederbronn auch Automobile (ab 1897 De Dietrich, ab 1908 Lorraine-Dietrich, ab 1928 Lorraine) – wobei sich das Werk Niederbronn schon 1904 wieder aus diesem Geschäftsfeld zurückzog. 1905 wandelte die Familie de Dietrich das Werk in Lunéville in eine Aktiengesellschaft um (Société Lorraine des Anciens Etablissements de Dietrich et Cie de Lunéville). 1907 wurde in Argenteuil eine zweite Fabrik in Betrieb genommen. Nach der Einstellung der Automobilproduktion (1935) fertigte De Dietrich et Cie Lastwagen, Panzer, Flugmotoren, Triebwagen und Waggons. Zu dieser Zeit firmierte das Unternehmen als Société des Moteurs et Automobiles Lorraine. Das Werk in Reichshoffen, das ebenfalls Schienenfahrzeuge baute, blieb bis in die 1990er Jahre ein selbstständiges Unternehmen (De Dietrich Ferroviaire).

1950 stellte Lorraine in Lunéville die Schienenfahrzeugfertigung ein und spezialisierte sich auf Lkw-Anhänger und Sattelauflieger für Zugmaschinen – ab 1952 unter dem Markennamen Trailor (Trailmobile + Lorraine). Daneben wartete und reparierte das Unternehmen bis Anfang der 1990er Jahre auch die Eisenbahnwagen der französischen Bahngesellschaft SNCF. Bis zu dieser Zeit gehörte Trailor zu den führenden europäischen Herstellern von Sattelaufliegern.

1987 schlossen sich Fruehauf France (Benalu, Fruehauf, Titan), SMB (Société Mécanique de Bernon) und Trailor zur Holdinggesellschaft Société Européenne de Semi-Remorques (SESR) zusammen. 1988 wurden auch die anderen europäischen Fruehauf-Tochtergesellschaften in Deutschland, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Spanien und der Türkei in die SESR integriert. Nachdem die Fruehauf-Muttergesellschaft in den USA 1996 in die Insolvenz gegangen war, wurden die europäischen Tochtergesellschaften 1997 mehrheitlich von einem US-Pensionsfonds übernommen, der das Unternehmen 1998 in General Trailers France umbenannte. Die Markennamen Benalu, Fruehauf und Trailor blieben jedoch bestehen.

Nach zwei weiteren Besitzerwechseln (2001 ein Finanzinvestor, 2002 die Royal Bank of Scotland) wuchsen die Schulden von General Trailers immer weiter an. 2003 ging das Unternehmen schließlich in die Insolvenz. Die einzelnen Sparten Benalu, Fruehauf und Trailor bekamen daraufhin neue Eigentümer. 2006 schloss sich Trailor mit ACTM (Ateliers de Construction et de Travaux Mécaniques) aus Montélimar, einem Hersteller von Alu-Kippern und Spezialgeräteträgern, zur TAI-Gruppe (Trailor ACTM International) zusammen. Eine weitere Fusion mit der BTK-Gruppe (Behm-Titan-Kaiser) aus Thionville führte 2012 zur Gründung von Behm International. Das Trailor-Werk in Lunéville, das zuletzt vor allem Öltanks fertigte, wurde 2013 geschlossen.

Text: Toralf Czartowski