Markenlexikon

Branche: Filmindustrie

Tobis

Deutschland

Von 1918 bis 1922 entwickelten die Ingenieure Hans Vogt (1890 – 1979), Joseph Masolle (1889 – 1957) und Joseph Benedict Engl (1893 – 1942) das sogenannte Lichttonverfahren, bei dem die Tonspur am Filmrand aufbelichtet war und von einem Lichtstrahl abgetastet wurde. Dieses neue Verfahren, das die Erfinder Tri-Ergon (griech. »Werk der Drei«) nannten, erlaubte erstmals das synchrone Abspielen von Bild und Ton. Finanziert wurden die Arbeiten und das 1919 gegründete Laboratorium für Kinematographie (Berlin) von mehreren Direktoren der C. Lorenz AG. Der erste Kurzfilm mit dieser neuen Technik, »Der Brandstifter«, wurde am 17. September 1922 im Berliner Lichtspieltheater Alhambra uraufgeführt. Doch weder die deutschen Elektrokonzerne noch die Filmwirtschaft zeigten zunächst Interesse am Tonfilm.

1923 erwarb schließlich der Züricher Rechtsanwalt Arthur Curti das gesamte Laboratorium und die Patente. Er gründete kurz darauf die Tri-Ergon Musik AG. 1925 schloss Tri-Ergon mit der Universum Film AG (UFA) in Berlin einen Lizenzvertrag und die UFA drehte daraufhin den Tonfilm »Das Mädchen mit den Schwefelhölzern« (1925). Bei der Premiere des zwanzigminütigen Films im Berliner Mozartsaal versagte jedoch der Ton, was dazu führte, dass sich die UFA zunächst aus dem Lichttonprojekt zurückzog. Der US-Filmindustrielle William Fox (Fox Film Corporation) erwarb daraufhin die Tri-Ergon-Patente für den nordamerikanischen Markt. 1927 wurde eine Tri-Ergon-Tochtergesellschaft in Berlin gegründet. Nachdem die Hollywood-Firma Warner Bros. Pictures 1927 den Tonfilm »The Jazzsinger« in die Kinos gebracht hatte, dessen Ton mit dem Nadeltonverfahren Vitaphone erzeugt wurde (mittels Schallplatte), musste auch die deutsche Filmwirtschaft reagieren.

1928 taten sich mehrere Investoren, die Tonfilmpatentrechte besaßen, zusammen, u.a. die Schweizer Tri-Ergon Musik AG (St. Gallen), die deutsche Tri-Ergon Musik AG (Berlin), der holländisch-deutsche Küchenmeister-Konzern (Ultraphon) und die Aktiengesellschaft für Industrie und Technik, um die Tonbild Syndikat AG (Tobis) zu gründen. Die Elektrokonzerne AEG und Siemens & Halske riefen ebenfalls 1928 die Klangfilm GmbH ins Leben. Im gleichen Jahr produzierte die Tobis ihren ersten Spielfilm (»Melodie der Welt«). 1929 schlossen sich beide Firmen in einer Interessengemeinschaft zusammen. 1930 einigten sich die europäischen Tonfilmpatenthalter (Tobis-Klangfilm) mit den US-amerikanischen (AT&T/Western Electric) in Paris über eine Aufteilung der Interessengebiete; der deutschen Gruppe wurden die Absatzmärkte Deutschland, Österreich, Schweiz, die Niederlande, Skandinavien und die Balkanstaaten zugesprochen.

Ab 1937 befand sich die Tobis – nun Tobis Filmkunst GmbH genannt – wie auch alle anderen deutschen Filmgesellschaften, im Besitz des Staates bzw. der staatlichen Cautio Treuhand GmbH. 1945 wurde die Firma aufgelöst, 1971 jedoch von dem Filmproduzenten Horst Wendtland (1922 – 2002), dem Besitzer von Rialto Film (Karl-May-Filme, Edgar-Wallace-Filme) und seinem Produktionsleiter Kilian Rebentrost als Filmverleih neugegründet. Wendtland hatte bereits 1939 eine Lehre bei Tobis absolviert und war dann dort bis 1944 als Kassierer beschäftigt. Später produzierte er neben den Edgar-Wallace- und Karl-May-Filmen auch mehrere Bud-Spencer/Terence-Hill-Filme, die Otto-Waalkes-Filme sowie die Loriot-Filme »Ödipussi« (1988) und »Pappa ante portas« (1991).

2000 erwarb die französische Firma StudioCanal, eine Tochter des Pay-TV-Senders Canal + (Vivendi), 60 Prozent der Tobis Film GmbH & Co. KG (Berlin), veräußerte diese Anteile aber bereits 2002/2003 wieder an Kilian Rebentrost, der inzwischen Alleineigentümer des Tobis-Filmverleihs ist. Tobis vermarktet in Deutschland vor allem Filme der französischen Firmen Gaumont, Pathé, Rennes und StudioCanal (Kinoverleih, Video- und die Fernsehauswertung).

Zu den wichtigsten Filme, die Tobis selbst produziert hat, gehören u.a. »Jugend« (1938), »Napoleon ist an allem schuld« (1938), »Robert Koch, der Bekämpfer des Todes« (1939), »Stern von Rio« (1939), »Die Geierwally« (1940), »Ohm Krüger« (1941), »Ich klage an« (1941), »Der große König« (1942), »Die Entlassung« (1942), »Romanze in Moll« (1943), »Titanic« (1943), »Peter Voss, der Millionendieb« (1945) und »Die Jahre vergehen« (1944).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 23.03.2020 | 23:35