Markenlexikon

Branche: Automobile

Tesla

USA

ELON MUSK: Elon Reeve Musk (* 1971), der Gründer und Mastermind hinter Tesla Motors, wurde in Südafrika geboren, wanderte aber kurz vor seinem 16. Geburtstag nach Kanada aus, um der Wehrpflicht in seinem Heimatland zu entgehen. Nach einem Wirtschafts- und Physikstudium in Kanada und den USA gründete er 1995 zusammen mit seinem Bruder Kimbal in Palo Alto die Internetfirma Zip2 (anfangs Global Link Information Network), die ein Internet-Firmenverzeichnis für Zeitungsverlage anbot (u.a. für die New York Times und die Chicago Tribune). Das Programmieren hatte sich Musk selbst beigebracht. 1999 verkaufte er das Unternehmen für 307 Millionen US-Dollar an Compaq. Mit diesem Geld baute er anschließend ein weiteres Unternehmen auf: X.com, eine Online-Bank, die u.a. den Geldversand per E-Mail ermöglichte. Nach dem Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Confinity im Jahr 2000 entstand daraus der Online-Bezahldienst PayPal, der 2002 für 5,1 Milliarden Dollar von Ebay übernommen wurde. Zur gleiche Zeit gründete Musk sein drittes Unternemen, die Raumfahrtfirma SpaceX (Space Exploration Technologies Corporation), die inzwischen mit der Trägerrakete Falcon und dem Raumschiff Dragon bemannte Flüge und unbemannte Versorgungsflüge zur ISS-Raumstation durchführt; außerdem ist SpaceX neben der ArianeGroup der weltweit führende Anbieter von Satellitenstarts. 2006 gründeten Elon Musks Cousins Lyndon Rive und Peter Rive die SolarCity Corporation, einen Hersteller von Solarstromanlagen, der 2016 von Tesla übernommen wurde.

Tesla Modell S
Tesla Modell S

TESLA MOTORS: Die heute bekannteste Firma, die Musk mitgründete, war jedoch 2003 Tesla Motors Inc. (San Carlos/California; seit 2010 in Palo Alto/California) – benannt nach dem serbisch-amerikanischen Erfinder, Physiker und Elektroingenieur Nikola Tesla (1856 – 1943). Die anderen Gründer waren Martin Eberhard, Marc Tarpenning, Jeffrey Brian Straubel und Ian Wright. Finanziert wurde das Unternehmen neben Elon Musk u.a. von den Wagnisfinanzierern Valor Equity Partners, Draper Fisher Jurvetson, Compass Technology Partners, SDL Ventures, Capricorn Management und The Bay Area Equity Fund (JPMorgan-Chase) sowie von den Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page, dem früheren Ebay-Chef Jeffrey Skoll und dem Hyatt-Hotel-Erben Nick Pritzker. Zeitweise waren auch Daimler und Toyota an Tesla beteiligt. Ziel von Tesla war der Bau von wettbewerbsfähigen und attraktiven Elektroautos. Martin Eberhard hat die Firmenphilosophie einmal so erklärt: »Elektroautos wurden bisher von Leuten gemacht, die keine Autos mögen. Sie wollen, dass der Kunde sein Wesen ändert, und das ist ein Fehler. Wir müssen ihm ein Auto anbieten, das er haben will«.

TESLA RODASTER: Das erste Modell, der Sportwagen Tesla Roadster (215 – 225 kW Drehstrom-Elektromotor, handelsübliche Lithium-Ionen-Akku-Zellen, Reichweite 200 – 500 km, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4 Sekunden, Preis Basisversion: 109.000 US-Dollar), wurde zusammen mit dem britischen Sportwagenhersteller Lotus Cars und AC Propulsion Inc. (San Dimas/California), einem Hersteller elektrischer Antriebe für Elektro- und Solarfahrzeuge, entwickelt und von 2008 bis 2012 im Lotus-Werk Hethel in Kleinserie (rund 2200 Exemplare) gebaut. Zwischenzeitlich stand das Unternehmen, das seit 2010 an der Technologiebörse NASDAQ gelistet ist, zweimal kurz vor dem Konkurs, konnte aber letztlich durch neue Investoren (2008; Dibalog) und plötzlich steigende Verkäufe (2013) gerettet werden.

FREMONT ASSEMBLY, TESLA STORES: 2010 erwarb Tesla die 1962 eröffnete ehemalige General-Motors-Fabrik GM Fremont Assembly in Fremont/California, die zuvor der New United Motor Manufacturing Inc. (NUMMI), einem Jointventure von General Motors und Toyota gehört hatte. Die ersten eigenen Autohäuser entstanden 2008 in Los Angeles und Menlo Park sowie 2009 in New York City, Seattle, London und München. 2018 gab es weltweit 300 Tesla Stores und Showrooms.

MODEL S: 2012 brachte Tesla mit der sportlichen Oberklasse-Limousine Model S (225 – 522 kW Drehstrom-Asynchronmotor, handelsübliche Lithium-Ionen-Akku-Zellen, Reichweite 370 – 480 km) das erste selbstentwickelte und gebaute Auto auf den Markt. Konstruiert hatte es der Autodesigner Franz von Holzhausen, der zuvor bei Mazda North America (Director of Design), General Motors (Design Director) und Volkswagen (Assistant Chief Designer) tätig gewesen war. Bereits ein Jahr nach Markteiführung war das Modell S mit 18.000 verkauften Exemplaren die in den USA mit Abstand meistverkaufte Oberklasse-Limousine (vor Mercedes S-Klasse, BMW 7er, Toyota Lexus LS, Audi A8, Porsche Panamera).

Tesla Ladesation
Tesla Ladesation

SUPERCHARGER, TILBURG-WERK, GIGAFACTORIES: Ebenfalls 2012 begann Tesla in Nordamerika, Europa und Asien mit der Errichtung von leistungsfähigen Stromtankstellen (Tesla Supercharger). 2013 eröffnete das Unternehmen in Tilburg (Niederlande) ein weiteres Montagewerk, wo das Model S für den europäischen Markt aus vorgfertigten Teilen zusammengebaut wird. Gemeinsam mit Panasonic errichtete Tesla von 2014 bis 2016 eine Batteriefabrik im Tahoe Reno Industrial Center in Nevada (Gigafactory 1). Die Gigafactory 2 in Buffalo/New York wurde von der Tesla-Tochter SolarCity von 2014 bis 2017 errichtet, gehört aber dem Staat New York. Die Gigafactory 3, die Batteriezellen und Autos fertigen soll, entsteht seit 2018 in Shanghai (China). Eine weitere Produktionsstätte (Gigafactory 4) errichtet Tesla seit Anfang 2020 in Grünheide in der Nähe des Flughafens BER (Berlin-Brandenburg). Die Batteriezellen in den Gigafactories 1 und 2 werden von Panasonic hergestellt.

MODEL X: Im Herbst 2015 brachte Tesla das Modell X auf den Markt, einen allradangetriebenen Oberklasse-Pkw mit elektrischem Antrieb, den Tesla selbst als SUV bezeichnet. Das Fahrzeug fällt vor allem dadurch auf, dass es vorne konventionelle Türen hat, hinten aber Flügeltüren. Das Modell X wird ebenso wie das Modell S im Werk Fremont gefertigt.

MODEL 3, MODEL Y: Im Juli 2017 begann in Freemont die Serienproduktion des Mittelkllassemodels Tesla Model 3, mit dem Tesla den Massenmarkt erobern will. Seit Ende 2019 wird dieses Modell auch in der Gigafactory 3 in Shanghai gebaut. Der Tesla 3 ist neben dem Nissan Leaf das meistverkaufte Elektroauto der Welt; von beiden wurden bis Anfang 2020 je rund 450.000 Exemplare produziert, wobei Tesla mit rund 457.000 Fahrzeugen die Nase leicht vorn hat. Das seit Anfang 2020 vorgestellte Modell Y basiert zu großen Teilen auf dem Tesla 3, ist aber etwas größer.

SEMI, CYBERTRUCK: In Planung sind ein elektrisch angetriebener dreiachsiger Sattelzug (Semi) sowie ein Pickup-Truck (Cybertruck) mit einer fururistischen Karosserie aus Edelstahl. Bisher gibt es von beiden Fahrzeugen nur Prototypen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde der Produktionsstart des Sattelzugs nach hinten verschoben, für die Produktion des Cybertrucks soll erst noch ein neues Werk errichtet werden.

TESLA MOTORS, TESLA CZ: 2010 kam es kurzzeitig zu einem Markenrechtsstreit zwischen Tesla Motors und dem bereits 1921 gegründeten tschechischen Elektronik-Unternehmen TESLA (TEchnika SLAboproudá), das seit 1946 unter diesem Markennamen auftritt. Inzwischen wurde der Streit jedoch beigelegt, sodass Tesla Motors auch in Europa unter seinem Namen auftreten kann.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 18.03.2020 | 00:02