Markenlexikon

Branche: IT

Sun Microsystems

USA

Andreas Maria Maximilian von Bechtolsheim (* 1955) entwickelte bereits mit siebzehn Jahren, noch vor dem Abitur, einen Steuerungscomputer für einen Blechstanzautomat. Ein befreundeter Unternehmer verkaufte die Geräte und bald verdiente der achtzehnjährige mit Lizenzgebühren mehr Geld als sein Vater, ein Lehrer. Nachdem ihn das Elektronikstudium in München arg gelangweilt hatte (»Man musste sich mit Hochspannungsmasten, Elektrotechnik, Feinmechanik, Röhren und Relais abplagen«), ging er 1976 in die USA, wo er sich an der berühmten Stanford-University einschrieb. Nebenbei entwickelte er dort eine Computer-Workstation, um das interne Stanford-University-Network (S.U.N.) zu verwirklichen. An einer kommerziellen Verwertung waren die Universität – und auch Computerhersteller wie IBM und Xerox – jedoch nicht interessiert.

So verließ Bechtolsheim 1982 Stanford und gründete gemeinsam mit Vinod Khosla (* 1955) und Scott McNealy (* 1954) – bis dahin ebenfalls Stanford-Studenten – und William Nelson Joy (* 1954) von der Berkeley-University in Palo Alto eine eigene Firma: Sun Microsystems Inc. Das Unternehmen produzierte hauptsächlich Workstations für Universitäten, Firmen und Rechenzentren, die mit eigenen Mikroprozessoren (SPARC) und Betriebssystemen (Solaris/SunOS) arbeiten.

Zwischen 1991 und 1994 entwickelten James Gosling, Mike Sheridan, Patrick Naughton, Bill Joy und neun weitere Sun-Mitarbeiter die rechnerunabhängige Programmiersprache Java, die zunächst zur Programmierung von elektronischen Haushaltsgeräten gedacht war, dann aber hauptsächlich zum Programmieren von Applikationen für das Internet verwendet wurde. 1996 lizensierte Sun die Java-Technologie an alle führenden Hard- und Software-Hersteller. Namensgeber war die Kaffeesorte Arabica, die nach der indonesischen Insel Java auch Java-Bohne genannt wird (in den USA wird starker, gebrühter Kaffee umgangssprachlich Java genannt). Gemeinsam mit Netscape Communications wurde ab 1995 die Scriptsprache JavaScript entwickelt (ermöglicht dynamische Webseiten). 1998 erwarb Sun die Server-Software-Sparte von Netscape Communications (Netscape selbst war zuvor von AOL gekauft worden) und ein Jahr später die 1984 von Marco Börries in Lüneburg gegründete Softwarefirma Star Division, die Mitte der 1980er Jahre das Programmpaket StarOffice/StarSuite (StarOffice Base, StarOffice Calc, StarOffice Draw, StarOffice Impress, StarMath, StarOffice Writer) entwickelt hatte. Aus StarOffice entstand in Juli 2000 das OpenOffice.org-Projekt. 2008 erwarb Sun das schwedische Unternehmen MySQL AB, die in den frühen 1990er Jahren das gleichnamige Open-Source-Datenbankverwaltungssystem entwickelt hatte.

Nachdem Übernahmeverhandlungen mit IBM gescheitert waren, wurde Sun Microsystems schließlich 2009 von Oracle übernommen.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 26.03.2020 | 11:44