Markenlexikon

Studebaker

Ursprungsland: USA

Mehrere Mitglieder der Solinger Messerschmiede-Familie Staudenbecker (später Stutenbecker) wanderten ab 1736 nach Amerika aus, wo sie ihren Namen in Studebaker änderten und in Indiana, Kalifornien, Missouri, Ohio und Pennsylvania als selbstständige Schmiede, Hufschmiede, Stellmacher und Wagenbauer arbeiteten. Erfolgreich wurden sie besonders mit schweren Planwagen, die von vier bis sechs Pferden gezogen wurden (Conestoga Wagon). Mit Beginn des kalifornischen Goldrauschs 1848 waren diese schweren Planwagen sehr gefragt.

1868 fassten die Studebaker-Brüder ihre Unternehmungen in einer gemeinsamen Firma mit Sitz in South Bend/Indiana zusammen. Das dortige Werk war 1852 von Henry Studebaker (1826 – 1895) und Clement Studebaker (1831 – 1901) errichtet worden. Ab den 1870er Jahren gehörte Studebaker zu den führenden amerikanischen Herstellern von Kutschen und Fuhrwerken. Um die Jahrhundertwende, als sich die Zeit der Pferdefuhrwerke dem Ende zuneigte, begann Studebaker mit dem Bau von Benzin- und Elektrofahrzeugen sowie Karosserien. Die Fuhrwerk-Sparte wurde 1920 verkauft.

Studebaker konnte sich zunächst gut gegen die drei großen Autokonzerne General Motors, Ford und Chrysler behaupten. Einer der größten Verkaufserfolge war die Modellreihe Champion (1939 – 1958), dessen Karosseriedesign von dem berühmten Industriedesigner Raymond Loewy stammte und dessen einfachste Ausstattungsvariante nur 660 US-Dollar kostete. Daneben produzierte Studebaker auch Pickup-Trucks und Armeelastwagen. Das größte und luxuriöseste Studebaker-Modell war der President (1927 – 1942; 1955 – 1958).

Studebaker
Studebaker

Als sich die Big Three ab den späten 1940er Jahren einen ruinösen Preiskrieg lieferten, kamen die kleineren Hersteller wie Hudson, Nash, Packard, Studebaker und Willys-Overland in finanzielle Schwierigkeiten. Die Folge waren Fusionen: Studebaker schloss sie 1954 mit Packard zusammen. Mit der kompakten Modellreihe Lark (1959 – 1966) wollte Studebaker den Umschwung schaffen. Die ersten beiden Jahre verkaufte sich dieses Modell recht gut, vor allem auch weil es von vielen GM-, Ford- und Chrysler-Händlern verkauft wurde. Doch als die Großen eigene Kompaktfahrzeuge auf den Markt brachten, mussten die betreffenden Händler den Verkauf der Studebaker-Fahrzeuge einstellen. Die Marke Packard gab man 1959 auf, die Studebaker-Produktion im Hauptwerk South Bend/Indiana wurde 1963 eingestellt und 1966 endete auch die Fertigung im kanadischen Werk in Hamilton/Ontario. Studebaker blieb als Holding für zahlreiche Beteiligungen noch bis Ende der 1970er bestehen. Die Werksanlagen in South Bend erwarb Kaiser Jeep (vorm. Willis-Overland); dort liefen fortan Militärfahrzeuge vom Band. Das Werk gehört heute dem Militärfahrzeughersteller AM General (Humvee, Hummer, LSSV).

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Pixabay.com, Public Domain