Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Stern

Ursprungsland: Deutschland

Henri Franz Theodor Max Nannen (1913 – 1996) absolvierte eine Buchhändlerlehre und studierte anschließend von 1934 bis 1938 in München Kunstgeschichte. Danach begann er seine journalistische Karriere beim Reichssender München. Während des Zweiten Weltkriegs war er Kriegsberichterstatter in einer Propagandakompanie der Luftwaffe. 1944 veröffentlicht er den Groschenheftroman Störungsfeuer von M 17.

Nach dem Ende des Krieges war Nannen kurzzeitig Herausgeber der Tageszeitung Hannoversche Neueste Nachrichten und von 1947 bis 1949 Chefredakteur der Hannoverschen Abendpost. 1948 erhielt er von der britischen Militärregierung die Lizenz zur Weiterführung der ehemaligen Jugendzeitschrift Zick-Zack, die er daraufhin in Stern umbenannte. Die erste Ausgabe des Stern erschien im August 1948. Eine Zeitschrift mit dem Namen Der Stern hatte es schon von 1938 bis 1939 gegeben. Beide Blätter ähnelten sich auch bezüglich Logo, Layout und Inhalt.

Zwischen 1949 und 1951 verkaufte Nannen fast neunzig Prozent der Stern-Anteile an den Zeit-Verleger Gerd Bucerius (1906 – 1995), den Rest besaß der Druckereibesitzer Richard Gruner (1925 – 2010). Er blieb jedoch weiterhin Chefredakteur (1949 – 1980) und Herausgeber (bis 1983).

Die verkaufte Auflage des Stern überschritt 1958 erstmals die Millionengrenze und 1967 erreichte sie mit 1,9 Millionen Exemplaren den Höchststand. Damit war der Stern das auflagenstärkste Magazin Europas.

1965 schlossen Richard Gruner (Stern, Spiegel), John Jahr (Brigitte, Constanze, Schöner Wohnen) und Gerd Bucerius (Die Zeit, Stern) ihre Beteiligungen, Verlage und Druckereien in dem Unternehmen Gruner + Jahr zusammen, das zwischen 1969 und 2014 vollständig von dem Medienkonzern Bertelsmann (Arvato, RTL Group, Penguin Random House) übernommen wurde. Gruner + Jahr (Brigitte, Capital, Geo, Stern) ist seit 2021 eine Tochtergesellschaft von RTL Deutschland.

Seit den 1960er Jahren stand der Stern politisch links (u. a. Unterstützung der Ost-Politik Willy Brandts, wohlwollende Berichterstattung über die sozialistischen Ostblock-Staaten). Für Aufsehen sorgten die Titelgeschichten »Wir haben abgetrieben!« (1971), in dem sich 374 Frauen öffentlich zu ihrem Schwangerschaftsabbruch bekannten, »Babystrich« (1978) – daraus entstand das Buch »Wir Kinder vom Bahnhof Zoo«, das vom Stern in Auszügen abgedruckt und später verfilmt wurde (1981 »Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo«) oder »Hitlers Tagebücher entdeckt« (1983; die Tagebücher erwiesen sich bald als Fälschung und führten zu einem der größten deutschen Presseskandale). Der Stern-Reporter Sebastian Knauer fotografierte 1987 den tot in der Badewanne liegenden Politiker Uwe Barschel; das Foto wurde in vielen Zeitungen, Zeitschriften und im Fernsehen veröffentlicht.

Text: Toralf Czartowski