Markenlexikon

Sprint

USA

Die Eisenbahngesellschaft Southern Pacific Railroad betrieb entlang ihrer Strecken zunächst ein Telegrafennetz aus Kupfer. In den 1950er Jahren wurden viele US-Eisenbahn-Kommunikationsnetze, die hauptsächlich Bahnmitarbeiter (Techniker, Dispatcher, Ingenieure) nutzten, auf die Übertragung per Mikrowellen umgerüstet. Der Versuch Ferngespräche für Privatpersonen anzubieten, stieß jedoch auf Widerstand des Telefonkonzerns AT&T (Bell System), der damals als einer der wenigen Unternehmen eine Ferngesprächs-Lizenz der Federal Communications Commission (FFC) besaß. AT&T versuchte Anbieter wie die Southern Pacific Communications Corporation aus Burlingame/California (SPCC; gegr. 1970; Tätigkeitsbeginn: 1973) oder die Microwave Communications Inc. (MCI; gegr. 1969), die ab den frühen 1970er Jahren mit FCC-Lizenzen in regional begrenzten Gebieten Telefongespräche anboten, durch die Blockade der innerstädischen Anschlüsse aus dem Geschäft zu drängen. Diese Geschäftspraxis führte zwischen 1975 und 1984 zu einem Kartellverfahren, das schließlich zur Freigabe des US-Telefonmarktes und zur Aufteilung des AT&T-Konzerns in mehrere selbstständige regionale Telefongesellschaften führte.

1979 stand der SPCC-Telefondienst, der in Abgrenzung zum Fax-Dienst SpeedFAX den Namen SPRINT (Southern Pacific Railroad Internal Network Telecommunications) erhielt, in 72 Städten zur Verfügung, u.a. in New York, Boston, Philadelphia, Los Angeles, San Diego and Anaheim. Bis 1988 ersetzte das Unternehmen die alten Kupferleitungen durch moderne Glasfaserkabel. 1983 verkaufte die Southern Pacific Company, die Muttergesellschaft der Southern Pacific Railroad und der Southern Pacific Communications Corporation, das Telekom-Geschäft an die GTE Corporation (General Telephone and Electronics Corporation), die diesen Bereich als GTE Sprint Communications weiterführte.

1986 riefen GTE Sprint und die United Telecommunications Inc. (UTI) das Jointventure US Sprint Communications ins Leben, in das auch GTE Telenet (GTE hatte Telenet 1979 übernommen), US Telecom (vorm. U.S. Telephone Communications; gehörte ab 1984 zu UTI), ISACOMM (gehörte ab 1981 zu UTI) und die United Telecom Data Communications Co. (vorm. Uninet) integriert wurden. 1988 übernahm United Telecommunications von GTE die Mehrheit an US Sprint und bis 1992 auch den Rest. United Telecommunications geht auf die 1899 von Cleyson Leroy Brown in Abilene/Kansas gegründete Brown Telephone Company zurück, die später unter verschiedenen Namen firmierte (ab 1911 United Telephone Company, ab 1925 UT&E United Telephone and Electric, ab 1939 United Utilities, ab 1972 United Telecommunications).

1992 benannte sich die United Telecommunications Inc. in Sprint Corporation um, US Sprint firmierte fortan als Sprint Communications. Zu dieser Zeit war Sprint mit neun Prozent Marktanteil die drittgrößte US-Telefongesellschaft nach AT&T (64 Prozent Marktanteil) und MCI (14 Prozent). In den 1990er Jahren begann Sprint International mit der Expansion ins Ausland (u.a. Großbritannien, Kanada, Mexiko, Russland), andererseits wurde der Mobilfunk-Bereich stark ausgebaut. 1995 nahm Sprint im Großraum Baltimore-Washington das erste kommerzielle PCS-Network (Personal Communications Services) der USA in Betrieb. Die 1999 angekündigte Fusion mit MCI-WorldCom untersagten die Kartellbehörden der USA und der EU jedoch.

Ende 2004 erwarb Sprint (damals der drittgrößte US-Mobilfunk-Anbieter) den fünftgrößten Mobilfunkanbieter Nextel Communications Inc. (Restan/Virginia), der in den USA rund 20 Millionen Nutzer hatte. Nextel war 1987 von Morgan O'Brien, Chris Rogers, Brian McAuley und Peter Reinheimer unter dem Namen FleetCall gegründet worden (ab 1993 Nextel). Bis 2013 firmierte das fusionierte Unternehmen als Sprint Nextel Corporation, seitdem wieder als Sprint Corporation. 2006 gliederte Sprint-Nextel die lokalen Telefon-Aktivitäten in das selbstständige Unternehmen Embarq aus (Embarq wurde 2009 von CenturyLink übernommen). Seitdem konzentriert sich Sprint auf den Mobilfunk sowie den Betrieb von globalen Glasfaser-Netzwerkleitungen (SprintLink; Tier-1-Carrier).

2013 wurde die Sprint Corporation mehrheitlich von dem japanischen Telekommunikations- und Medienkonzern SoftBank K.K. übernommen (80 Prozent). Im gleichen Jahr erwarb Sprint das Telekommunikations-Unternehmen Clearwire Corporation sowie Teile der United States Cellular Corporation. Seit 2014 gibt es Versuche Sprint und T-Mobile US Inc., eine Tochter der Deutschen Telekom, zusammenzuschließen. Der Hauptsitz der Sprint Corporation befindet sich in Overland Park/Kansas, einer Stadt in der Metropolregion Kansas City.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.06.2019 | 20:55