Markenlexikon
Die Ursprünge des Salzgitter-Konzerns gehen einerseits auf die 1858 von Fritz Hurtzig und Carl Haarmann gegründete Ilseder Hütte in Groß Ilsede bei Peine zurück, die 1861 die Produktion aufnahm und 1872 um ein Walzwerk in Peine ergänzt wurde, andererseits auf den Staatskonzern Reichswerke für Erzbergbau und Eisenhütten Hermann Göring (Hermann-Göring-Werke), der ab 1937 mit dem Aufbau des Hüttenwerkes Salzgitter begann. Das erste Roheisen wurde 1939 produziert, 1940 folgte die Inbetriebnahme des Stahlwerks. Da das Roherz aus dem Salzgitter-Gebiet nur einen Eisengehalt von rund dreißig Prozent enthält, musste es vor der Weiterverarbeitung zu Stahl aufwendig aufbereitet werden (Rennverfahren).
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Anlagen in Salzgitter von den Alliierten fast vollständig demontiert und abtransportiert. Das Hüttenwerk in Ilsede überstand den Krieg dagegen unversehrt. In den 1950er Jahren begann der Neuaufbau. 1954 wurde ein neues Grob- und Mittelblechwalzwerk in Betrieb genommen. Das Nachkriegsunternehmen firmierte ab 1953 als Hüttenwerk Salzgitter (ab 1964 Salzgitter Hüttenwerk), die Holdinggesellschaft (als Nachfolgerin des deutschen Teils der früheren Reichswerke) als Aktiengesellschaft für Berg- und Hüttenbetriebe (ab 1962 Salzgitter Aktiengesellschaft).
1956/1957 erwarb Salzgitter die Kieler Werft Howaldtswerke, aus der 1968/1969 der Werftkonzern HDW (Howaldtswerke Deutsche Werft) hervorging. Ab 1972 war Salzgitter alleiniger HDW-Eigentümer. 1970 erwarb Salzgitter die Ilseder Hütte und schloss sie anschließend mit dem Salzgitter Hüttenwerk zusammen (Stahlwerke Peine-Salzgitter). Den Erzabbau stellte das Unternehmen 1978 ein, der Hochofenbetrieb in Ilsede wurde 1983 aufgegeben.
1989 wurde der Salzgitter-Konzern durch den Verkauf an den Mischkonzern Preussag, die frühere Preussische Bergwerks- und Hütten Aktiengesellschaft, privatisiert. Die Stahlwerke Peine-Salzgitter firmierten ab 1992 als Preussag Stahl. Mit dem Erlös aus der Privatisierung (1.3 Milliarden Euro) gründete die Bundesregierung die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Der Standort Groß Ilsede (Kokerei, Kraftwerk, Nebengewinnung) wurde 1995 stillgelegt und in einen Gewerbepark umgewandelt.
Nachdem Preussag 1997/1998 Hapag-Lloyd und den Touristikkonzern TUI übernommen hatte, wurden die meisten nicht zum Tourismusgeschäft gehörenden Geschäftsbereiche verkauft. Preussag Stahl brachte man 1998 unter dem Namen Salzgitter an die Börse, die HDW-Werft wurde an die Deutsche Babcock verkauft.
Im Jahr 2000 erwarb Salzgitter die Mannesmannröhren-Werke, einen weltweit führenden Anbieter von nahtlosen und geschweißten Stahlrohren, nachdem deren Muttergesellschaft zuvor von dem britischen Mobilfunkkonzern Vodafone übernommen worden war. Der Stahlstandort Salzgitter wurde 2001 in die neue Tochtergesellschaft Salzgitter Flachstahl eingebracht. Von 2007 bis 2010 kaufte Salzgitter das Maschinenbau-Unternehmen Klöckner-Werke.
Die wichtigsten Salzgitter-Standorte befinden sich in Achim, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Fridingen, Ilsenburg, Karlsruhe, Mülheim an der Ruhr, Neuss, Peine, Salzgitter und Siegen.
Text: Toralf Czartowski