Markenlexikon

RWE

Deutschland

Die Elektrizitäts-Actien-Gesellschaft vorm. W. Lahmeyer & Co. (EAG) bekam 1897 von der Stadt Essen den Auftrag eine Stromversorgung aufzubauen. Um das Projekt zu finanzieren, wurde die Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk Aktiengesellschaft (RWE) gegründet. Bereits 1902 verkaufte die EAG nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten ihre RWE-Aktien wieder an ein Konsortium unter Führung der Industriellen Hugo Stinnes und August Thyssen. 1905 erwarben die Städte Essen, Gelsenkirchen und Mühlheim Anteile am RWE. Im Zuge einer Kapitalerhöhung übernahmen die Kommunen Bonn, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Köln, Krefeld und Mühlheim 1920 die Mehrheit beim RWE. 1923 kaufte RWE die frühere Muttergesellschaft Lahmeyer AG mit Kraftwerken in Frankfurt am Main, Ludwigsburg und Augsburg. Im gleichen Jahr verloren die Kommunen infolge der Inflation ihre Kapitalmehrheit wieder, was jedoch durch die Einführung des zwanzigfachen Stimmrechts für ihre Namensaktien 1924 wettgemacht wurde. Erst 1998 wurde das Mehrfachstimmrecht der kommunalen Aktionäre auf unter 30 Prozent reduziert.

1959 fasste die RWE ihre Braunkohlen-Gesellschaften zur Rheinischen Braunkohlenwerke AG (Rheinbraun) zusammen. In der Folgezeit expandierte der Konzern nicht nur im Bereich der Strom- und Gasversorgung (1936 Rheinelektra/Rheinische Elektrizitäts AG, 1969 Gelsenberg/Gelsenkirchener Bergwerks AG), sondern erwarb auch Beteiligungen an branchenfremden Unternehmen wie Hochtief (1926), Heidelberger Druckmaschinen (1940), Nukem (1965), Condea (1987) sowie das Tankstellennetz der Deutschen Texaco AG (1988), das aus der ehemaligen Deutschen Erdöl AG (DEA) hervorgegangen war. Die Bergwerksaktivitäten lagerte RWE 1969/70 in die Ruhrkohle AG (RAG) aus. Die RWE-Beteiligungen wurden 1990 in der neugegründeten Holdinggesellschaft RWE Aktiengesellschaft zusammengefasst.

Nach der Wende übernahm RWE die ostdeutschen Energieversorger ESSAG (Energieversorgung Spree-Schwarze-Elster AG Cottbus) und WESAG (Westsächsische Energie AG Markleeberg), außerdem Beteiligungen an der EVSAG (Energieversorgung Südsachsen AG Chemnitz), dem Verbundunternehmen VEAG (Vereinigte Energiewerke AG) und der Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG). Aus dem Zusammenschluss der regionalen Energieversorger ESSAG, EVSAG und WESAG entstand 1999 zunächst die Envia Energie Sachsen Brandenburg AG (Chemnitz) und 2002 dann schließlich unter Hinzunahme der MEAG die Envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM).

In den 1990er Jahren versuchte RWE in die Telekommunikationsbranche einzusteigen (RWE-Telliance, O.tel.o, E-Plus), was jedoch misslang; die Beteiligungen wurden 1999 an Mannesmann-Arcor und France Telecom verkauft. Von 1997 bis 2003 erwarb RWE den Erdgas-Fernleitungsnetzbetreiber Thyssengas GmbH (Dortmund).

Im Jahr 2000 übernahm RWE die VEW AG (Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen), einen regionalen Energieversorger aus Dortmund, der auch an der MEAG (Mitteldeutsche Energieversorgung AG Halle) beteiligt war. Daraufhin musste RWE seine Anteile an der VEAG und der LAUBAG an den schwedischen Energieversorger Vattenfall verkaufen, dem bereits die Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW) gehörte.

Seit den 2000er Jahren wurden mehrere Beteiligungen und Unternehmensteile wieder verkauft, u.a. das DEA-Tankstellennetz (2002), Consol Energy (2003), das Wassergeschäft (2005 RWE Thames Water, 2008 American Water Works), das Entsorgungs-Geschäft (2004), die Anteile am Baukonzern Hochtief (2004) und der Heidelberger Druckmaschinen AG (2004), Thyssengas (2011) sowie das Öl- und Gasfördergeschäft RWE-DEA (2015).

2011 trennte sich RWE von seiner Stromübertragungsnetz-Tochter Amprion, ebenso wie zuvor schon E.ON (Tennet) und Vattenfall (50Hertz Transmission).

2016 gründete RWE die Tochtergesellschaft Innogy SE (Essen), in der das gesamte Geschäft mit erneuerbaren Energien gebündelt ist (Windenergie, Wasserkraft, Photovoltaik). Der Name Innogy (Innovation + Energy) stammt von dem 2002 übernommenen britischen Stromversorger Innogy Holdings, der erst ein Jahr zuvor durch die Aufteilung von National Power in Innogy (Inlandsgeschäft) und International Power (internationales Geschäft) entstanden war. Nach der Übernahme durch RWE wurde Innogy in RWE npower umbenannt. 2008 entstand die RWE Innogy GmbH, die für den Geschäftsbereich Erneuerbare Energien zuständig war.

2018 vereinbarten E.ON und RWE die Aufteilung der RWE-Netz- und Ökostromtochter Innogy SE (Innogy betreibt Verteilnetze und erzeugt und vertreibt elektrischen Strom) untereinander. 2020 erwarb E.ON von RWE deren Innogy-Anteil von 76,8 Prozent, fand die übrigen Minderheitsaktionäre ab und nahm Innogy von der Börse. RWE erhielt dafür alle wesentlichen erneuerbaren Energieaktivitäten von E.ON, das erneuerbare Energiegeschäft und Gasspeichergeschäft von Innogy, den E.ON-Anteil am österreichischen Energieversorger Kelag, die Minderheitsbeteiligungen, die die E.ON-Tochter PreussenElektra an den RWE-Kernkraftwerken Emsland und Gundremmingen hält sowie eine Minderheitsbeteiligung von 16,67 Prozent im Rahmen einer Kapitalerhöhung an der E.ON SE. RWE zahlte außerdem 1,5 Milliarden Euro an E.ON. RWE wurde dadurch zu einem führenden europäischen Stromerzeuger bei den erneuerbaren Energien, während E.ON sich auf den Betrieb europäischer Energienetze (Strom, Gas) und das Geschäft mit den Kunden konzentrierte.

RWE ist neben Deutschland u.a. auch in Belgien, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Slowakei, Tschechien, der Türkei und Ungarn tätig.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 10.04.2020 | 23:25