Markenlexikon
Der Australier Robert Stigwood (1934 – 2016) begann seine Karriere in der Medienbranche als Texter bei einer Werbeagentur. 1955 siedelte er nach London über, wo er zusammen mit Stephen Komlosy eine Künstleragentur gründete, die Schauspieler an Fernsehproduktionen vermittelte. Mit dem Schauspieler John Leyton, der zufällig auch singen konnte, produzierten Stigwood, Robert George (Joe) Meek und der Komponist Geoff Goddard Anfang der 1960er Jahre einige Platten, was sie zu den ersten unabhängigen Musikproduzenten Großbritanniens machte. Hergestellt und vertrieben wurden die Platten von dem Musikkonzern EMI unter dem HMV-Label. Mit Johnny Remember Me und Wild Wind gelang Leyton 1961 der Sprung in die britische Hitparade.
IIn den nächsten Jahren verlor Stigwood viel Geld durch einige Fehlgriffe und schlecht organisierte Konzerte, doch 1966 wurde er Booking Agent für die neue Band The Who. Daraufhin gründete er das Label Reaction, auf dem The Who die Single Substitute/Waltz For A Pig und die LP A Quick One veröffentlichte. Zu dieser Zeit hatte er auch drei der damals besten Musiker unter Vertrag, den Gitaristen Eric Clapton, den Bassisten Jack Bruce und den Schlagzeuger Ginger Baker, die die Bluesrock-Band Cream gründeten.s
1967 schloss Stigwood seine Agentur mit der Firma NEMS Enterprises zusammen, die dem Beatles-Manager Brian Epstein (1934 – 1967) gehörte. Damals übernahm er auch das Management der in Europa noch vollkommen unbekannten Bee Gees, die zuvor eine in Australien aufgenommene Platte an NEMS Enterprises geschickt hatten. Nach Epsteins plötzlichem Tod im August 1967 gründete Stigwood mit finanzieller Hilfe von Polydor Records London sein eigenes Unternehmen, die Robert Stigwood Organisation (RSO). Für die Bee Gees handelte er daraufhin Plattenverträge mit Polydor und Atlantic (USA) aus. Daneben produzierte er ab 1968 auch Musicals wie Hair, Jesus Christ Superstar oder Evita.


1973 gründete Stigwood sein eigenes Plattenlabel RSO Records mit Niederlassungen in London und Los Angeles, das von Atlantic (1973 – 1975), Polydor (1976 – 1977) und PolyGram Records (1981 – 1983) vertrieben wurde; von 1978 bis 1981 war es als unabhängiges Label für den Vertrieb selbst zuständig. Das rote Schweine-Logo war von einer traditionellen japanischen Wackelkopf-Puppe (Akabeko = Rote Kuh) inspiriert, die Stigwood während eines Besuchs in Japan von Freunden als Glücksbringer geschenkt bekommen hatte.
Zu den großen RSO-Records-Erfolgen zählen die Bee-Gees-Platten von 1975 bis 1981 sowie die Soundtrack-Alben Saturday Night Fever (1977), Grease (1978), Fame (1980), The Empire Strikes Back (1980), Return Of The Jedi (1983) und Staying Alive (1983).
Robert Stigwood war auch an der Produktion der Filme Jesus Christ Superstar (1973), Tommy (1975), Bugsy Malone (1976), Saturday Night Fever (1977), Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band (1978), Grease (1978), Moment by Moment (1978), Times Square (1980), The Fan (1981), Gallipoli (1981), Grease 2 (1982), Staying Alive (1983) und Evita (1996) beteiligt.
1981 verkaufte Stigwood RSO Records an den PolyGram-Konzern (Casablanca, Mercury, Philips, Phonogram, Polydor, Vertigo), der bereits seit 1976 Anteile an dem Label besaß. PolyGram stellte das Label 1983 ein. Die RSO-Platten wurden fortan auf dem Polydor-Label veröffentlicht.
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Public Domain