Markenlexikon
Der Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein gründete 1889 in Düsseldorf die Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik Actiengesellschaft (Rheinmetall), die zunächst Munition produzierte, später auch Artilleriegeschütze und Handfeuerwaffen. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Produktion auf Eisenbahnwaggons, Fahrzeugteile, Landmaschinen, Lokomotiven sowie Schreib- und Rechenmaschinen umgestellt.
1925 übernahm die Staatsholding VIAG (Vereinigte Industrieunternehmungen AG) die Mehrheit der Rheinmetall-Aktien. 1933 erwarb Rheinmetall den insolventen Lokomotivenhersteller Borsig aus Berlin-Tegel. Ab Mitte der 1930er Jahre produzierte das Unternehmen im Auftrag des Reichskriegsministeriums wieder verstärkt Waffen und Munition (Eisenbahngeschütze, Feldkanonen, Flugabwehrkanonen, Kettenfahrzeuge, Maschinengewehre, Maschinenkanonen, Panzerabwehrgeschütze, Minenwerfer). 1938 ging Rheinmetall-Borsig in den Besitz des Staatskonzerns Reichswerke Aktiengesellschaft für Erzbergbau und Eisenhütten Hermann Göring über.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellte Rheinmetall die Produktion erneut auf zivile Produkte um (Dampfkessel, Gerberei- und Ledermaschinen, Kälteanlagen, Mobilkräne, Rechenmaschinen, Stoßdämpfer). Das Rheinmetall-Werk in Sömmerda produzierte zu DDR-Zeiten Drucker, Fakturierautomaten, Mopedmotoren, Fotoapparate, Schreibmaschinen, Rechenmaschinen, Personal-Computer und Tischrechner. 1956 wurde Rheinmetall durch die Röchling'sche Eisen-und Stahlwerke übernommen und Borsig an Salzgitter verkauft. In dieser Zeit rüstete Rheinmetall die neugegründete Bundeswehr mit Maschinengewehren und Munition aus, später lieferte man auch Artilleriegeschütze und Kanonen für die Panzer Leopard I und II.


1985 stieg Rheinmetall mit der Übernahme der Firma Pierburg in den Bereich Fahrzeugtechnik ein. Durch den Zusammenschluss mit KS Kolbenschmidt entstand 1997 Kolbenschmidt-Pierburg (später Rheinmetall Automotive). In den 1990er Jahren erwarb Rheinmetall mehrere namhafte Rüstungsunternehmen (1990/1992 MaK Systemgesellschaft Kiel; 1995 Mauser-Werke Oberndorf; 1996 STN-Atlas Elektronik Bremen; 1999 Oerlikon Contraves Zürich, Kuka Wehrtechnik Augsburg, Henschel Wehrtechnik Kassel).
2004 verkaufte die Röchling Industrie Verwaltung alle Rheinmetall-Anteile an institutionelle Investoren. Rheinmetall produziert Artilleriesysteme (Feldhaubitzen, Panzerhaubitzen), gepanzerte Fahrzeuge (Boxer, Caracal, Condor, Duro, Fuchs, Gavial, Gefas, Serval, Tokeh, Wiesel, Wisent, Yak), Fahrzeugteile (Gleitlager, Gussprodukte, Kolben, Motorblöcke, Zylinderköpfe, Systeme zur Schadstoffreduzierung), Glattrohrkanonen (für Leopard-Panzer), Feuerleitanlagen (für Leopard-Panzer), Maschinengewehre, Maschinenkanonen, Munition, Nächstbereichschutzsysteme, Polizeifahrzeuge (Survivor), Schützenpanzer (Marder, Puma) und Unterstützungsfahrzeuge (Biber, Büffel, Dachs, Keiler, Kodiak, MMSR).
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Public Domain