Markenlexikon

Branche: Verteidigung

Rheinmetall

Deutschland

Die Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik AG (Rheinmetall) wurde 1889 von dem Ingenieur Heinrich Ehrhardt (1840 – 1928) in Düsseldorf gegründet und war anfangs vor allem als Waffenhersteller tätig (Geschütze). Nach dem Ende des 1. Weltkriegs wurde die Produktion auf Lokomotiven, Eisenbahnwaggons, Landmaschinen, Rechenmaschinen und Fahrzeugteile umgestellt. 1925 übernahm der deutsche Staat die Mehrheit der Aktien, 1933 erwarb Rheinmetall den Lokomotivenhersteller Borsig (Rheinmetall-Borsig) und 1938 ging der Konzern in den Besitz der staatlichen »Reichswerke Aktiengesellschaft für Erzbergbau und Eisenhütten Hermann Göring« über. Gleichzeitig wurde der Firmensitz nach Berlin verlegt und man produzierte wieder hauptsächlich Waffen.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs stellte Rheinmetall die Produktion erneut auf zivile Produkte um (Dampfkessel, Kälteanlagen, fahrbare Kräne, Gerberei- und Ledermaschinen, Rechenmaschinen, Stoßdämpfer). Das Werk in Sömmerda, eine ehemalige Waffen- und Munitionsfabrik, die seit 1901 Rheinmetall gehörte, produzierte zu DDR-Zeiten Büromaschinen, Mopedmotoren, Fotoapparate, Schreibmaschinen, Personal-Computer (Robotron) und Drucker. 1956 wurde Rheinmetall durch die Röchling´sche Eisen-und Stahlwerke übernommen und Borsig verkauft. In dieser Zeit rüstete Rheinmetall die neugegründete Bundeswehr mit Maschinengewehren und Munition aus, später lieferte man auch Artilleriegeschütze und Kanonen für die Panzer Leopard I und II. 1985 stieg Rheinmetall mit der Übernahme der Firma Pierburg GmbH Neuss (Vergaser) in den Bereich Fahrzeugtechnik ein. Durch den Zusammenschluss mit der KS Kolbenschmidt GmbH Neckarsulm entstand 1997 die Kolbenschmidt-Pierburg AG Düsseldorf.

Von 1990 bis 1992 erwarb Rheinmetall die MaK Systemgesellschaft GmbH (gepanzerte Fahrzeuge: Wiesel, Rhino, Keiler), 1995 den Waffenhersteller Mauser-Werke Oberndorf Waffensysteme, 1996 51 Prozent von STN-Atlas Elektronik GmbH Bremen (die restlichen 49 Prozent übernahm British Aerospace) und 1999 die Oerlikon Contraves AG Zürich (Kanonen- und Lenkwaffensysteme für die Flugabwehr), die Kuka Wehrtechnik GmbH Augsburg und die Henschel Wehrtechnik GmbH Kassel (gepanzerten Transportfahrzeugen, u.a. den Spähpanzer »Luchs«). Aus der Zusammenfassung der Wehrtechnikaktivitäten entstand 1999 die Rheinmetall DeTec AG (Defence Technologies). 2000 wurden die Firmen Henschel Wehrtechnik, Kuka Wehrtechnik und MaK System Gesellschaft zur Rheinmetall Landsysteme GmbH (Kiel) verschmolzen. Seit 1997 firmiert der Konzern als Rheinmetall AG (Düsseldorf) – mit den beiden Führungsgesellschaften Rheinmetall DeTec AG Ratingen (gepanzerte Fahrzeuge, kanonengestützte Flugabwehr, Lenkwaffen-Flugabwehrsysteme, Munition, Sicherheitstechnik, Waffen, wehrtechnische Elektronik) und Kolbenschmidt-Pierburg AG Düsseldorf (Luftversorgung/Pumpen, Kolben, Gleitlager, Aluminium-Technologie, Motor Service).

Zur Entwicklung des Schützenpanzers Puma gründeten Rheinmetall und Krauss-Maffei-Wegmann 2003 das Gemeinschaftsunternehmen PSM GmbH. Ende 2004 verkaufte die Röchling Industrie Verwaltung GmbH alle Anteile an der Rheinmetall AG. Der 42-Prozent-Anteil (73 Prozent der stimmberechtigten Aktien) wurde von institutionellen Investoren gekauft.

Rheinmetall produziert u.a. gepanzerte Fahrzeuge (Bv206, Caracal, Condor 1/2, Fuchs 1, Fuchs 2, Gavial, Gefas, GTK Boxer, Serval, Tokeh, Wiesel 1/Wiesel 2, Wisent, Yak/Duro 3), Schützenpanzer (Marder, Puma), Unterstützungsfahrzeuge (Bergepanzer Büffel, Brückenlegepanzer Biber, Minenräumpanzer Keiler, Pionierpanzer Kodiak, MMSR, Pionierpanzer Dachs, Waffenträger Rheinmetall Borsig), Artilleriesysteme (Feldhaubitzen, Panzerhaubitze), Waffenanlagen (120-mm-Glattrohrkanone, Feuerleitanlage und Führungssystem sowie Munition für den Leopard 2, Maschinenkanonen, Maschinengewehre, Nächstbereichschutzsystem MANTIS).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 29.09.2019 | 12:55