Markenlexikon
Der Sänger und Schauspieler Frank Sinatra (1915 – 1998) gründete die nach dem gleichnamigen musikalischen Begriff benannte Plattenfirma Reprise Records 1960, um mehr Einfluss auf seine Aufnahmen nehmen zu können. Zuvor hatte er bei Capitol Records unter Vertrag gestanden. Der Versuch, Verve Records zu kaufen, war zuvor an unterschiedlichen Preisvorstellungen mit dem Verve-Besitzer Norman Granz gescheitert. Allerdings warb er kurz darauf Mo Ostin von Verve ab, der dort in verschiedenen Positionen gearbeitet hatte (A&R-Manager, Buchhalter).
Seine erste Platte auf dem eigenen Label veröffentlichte er 1961 (Ring-a-Ding-Ding!). Sinatra holte auch mehrere seiner Freunde wie Bing Crosby, Dean Martin und Sammy Davis Jr. in seine Firma, außerdem seine Tochter Nancy. Ab 1963 wurden die Reprise-Platten von Warner Bros. Records gepresst, was daran lag, dass Sinatra und Jack L. Warner, der jüngste der Warner-Brüder und Gründer der Plattenfirma Warner Bros. Records, miteinander befreundet waren. Auf den Reprise-Platten erschien seit dieser Zeit der Zusatz: A Product of Warner Bros. Sinatra garantierte den Musikern, die bei Reprise unter Vertrag standen, größtmögliche künstlerische und geschäftliche Freiheiten. So behielten sie auch sämtliche Rechte an ihren Werken, was bei anderen Plattenfirmen undenkbar gewesen wäre.
1968 verkaufte Sinatra seine Firma mehrheitlich an Warner Bros. – Seven Arts, die damalige Warner-Bros.-Muttergesellschaft; er behielt lediglich einen Anteil von zwanzig Prozent. Mo Ostin blieb weiterhin Chef des Labels. Reprise verpflichtete nun auch Platten jüngerer Musiker und Bands wie den Beach Boys, Captain Beefheart, Family (Roger Chapman), Fleetwood Mac, Jethro Tull (US-Vertrieb), Jimi Hendrix (US-Vertrieb), Joni Mitchell, Neil Young, The Kinks (US-Vertrieb) und The Mothers of Invention (Frank Zappa).
1976 wurden alle Reprise-Musiker mit Ausnahme von Frank Sinatra und Neil Young von Warner Bros. Records übernommen. Unbestätigten Aussagen zufolge wollte Sinatra der einzige sein, der seine Platten bei Reprise veröffentlicht. Allerdings weigerte sich Neil Young, damals ebenfalls ein sehr erfolgreicher Musiker, strikt, das Label zu wechseln. So blieben Sinatra und Young tatsächlich jahrelang die einzigen Künstler, deren Platten das Reprise-Label trugen. Erst ab Mitte der 1980er Jahre wurde Reprise wieder häufiger als Label verwendet: Bee Gees (remasterte Versionen), Depeche Mode (US-Vertrieb), Enya, Eric Clapton, Oasis (US-Vertrieb) und The Dream Academy.
Reprise Records gehört heute zur Warner Music Group (Atlantic, Asylum, Atlantic, East West, Elektra, Nonesuch, Parlophone, Reprise, Rhino, Roadrunner, Sire, Warner Records, Warner Classics), die seit 2003 nichts mehr mit Warner Bros. zu tun hat. Der Time-Warner-Konzern hatte den Musikbereich 2003 an eine Investorengruppe verkauft.
Text: Toralf Czartowski