Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Regal-Zonophone

Ursprungsland: Großbritannien

Der Werbefachmann Frank Seaman verkaufte mit seiner Firma National Gramophone Company (gegr. 1896) zunächst die Grammophone des Schallplattenerfinders Emile Berliner. Seaman hatte sich zuvor die Grammophon-Vertriebsrechte in den USA für die nächsten fünfzehn Jahre gesichert. Bald kam es jedoch unter den Geschäftspartnern zu Streitigkeiten. Seaman, der mit seinen Werbekampagnen maßgeblich zum weltweiten Erfolg der Grammophone beigetragen hatte, begann eigene Geräte zu bauen, die allerdings nur Grammophon-Nachbauten von schlechterer Qualität waren. Er gründete die Universal Talking Machine Company und produzierte seine Geräte, die er Zonophone (Zon-O-Phone) nannte, nun auf eigene Rechnung.

Das führte zu einer ganzen Reihe von komplizierten Prozessen, an denen Seaman, Berliner, Eldridge Johnson (der Hersteller der Grammophone) und die Columbia Phonograph Company, der Hersteller der Edison Phonographen und der Bell/Tainter-Graphophone beteiligt waren. Berliner verlor die Prozesse, vor allem weil er die schwingende Graphophone-Nadel bei seinen Grammophonen verwendet und damit deren Patentrechte verletzt hatte. Ab Juni 1900 durfte er seine Grammophone nicht mehr in den USA verkaufen. Emile Berliner ging daraufhin nach Montréal (Kanada), wo er bereits 1899 eine Niederlassung gegründet hatte. Außerdem kümmerte er sich um den weiteren Aufbau der europäischen Tochtergesellschaften (London, Paris, Hannover).

Als sich Emile Berliner aus den USA zurückziehen musste, verlor Johnson seinen größten Auftraggeber. Notgedrungen gründete er in Camden/New Jersey die Consolidated Talking Machine Company und baute eigene Grammophone. Seaman verklagte auch Johnson, diesmal verlor er den Prozess jedoch. Er konnte lediglich erreichen, dass Johnson die Marke Gram-O-Phone nicht mehr benutzten durfte. Ab Dezember 1900 verwendete er daher den Markennamen Victor – als Zeichen seines Sieges über Seaman. Im Oktober 1901 benannte er das Unternehmen schließlich in Victor Talking Machine Company um; an dem neuen Unternehmen war Johnson mit sechzig Prozent und Berliner mit vierzig Prozent beteiligt.

Der International Zonophone Company, die Frederick Marion Prescott im März 1901 im Auftrag von Seaman in New York und Berlin gegründet hatte, war dagegen kein langes Leben beschieden. Bereits 1903 wurde die Firma von der britischen The Gramophone Co. Ltd. (Emile Berliners britische Tochtergesellschaft) und der Deutschen Grammophon Gesellschaft aufgekauft, den amerikanischen Teil, also die Universal Talking Machine Company, übernahm Victor (ab 1929 RCA-Victor).

Nach dem Zusammenschluss der The Gramophone Co. Ltd. (His Master's Voice) und der Columbia Graphophone Co. Ltd. (Columbia, Odeon, Parlophon, Pathé-Marconi, Regal) zum Elektro- und Musikkonzern Electric and Musical Industries (EMI) im Jahr 1931 kam es zum Zusammenschluss des Labels Zonophone mit dem 1913 gegründeten Columbia-Label Regal. Auf Regal-Zonophone wurden zunächst US-Platten der Labels CBS/Columbia, Okeh und RCA-Victor Großbritannien veröffentlicht. In Australien war das Label in den 1950er Jahren sehr erfolgreich mit Country-Musik (Chad Morgan, Reg Lindsay, Slim Dusty, Smoky Dawson). In Großbritannien veröffentlichte Regal-Zonophone zu dieser Zeit Blasmusik-Aufnahmen der Heilsarme (Salvation Army). Von 1967 bis 1975 verwendete der EMI-Konzern Regal-Zonophone als Pop- und Rock-Label. Auf Regal-Zonophone wurden Platten von Bands wie T. Rex (anfangs Tyrannosaurus Rex), Procol Harum, The Move und Joe Cocker veröffentlicht. In den 1980er und 1990er Jahren aktivierte EMI das Label kurzzeitig, integrierte es dann aber als separate Sublabel Regal und Zonophone in das Pop-Label Parlophone.

2011/2012 wurde die EMI Group an die Universal Music Group verkauft, die aus kartellrechtlichen Gründen mehrere Labels an die Warner Music Group verkaufen wusste (Chrysalis, Parlophone, Regal-Zonophone).

Text: Toralf Czartowski