Markenlexikon

Reckitt-Benckiser

Großbritannien
Deutschland

Die Reckitt-Benckiser plc (Slough) entstand 1999 durch den Zusammenschluss der Reckitt & Colman plc aus Großbritannien und der Reinigungsmittelsparte der Joh. A. Benckiser GmbH, die damals als Benckiser NV firmierte und ihren Sitz in den Niederlanden hatte. Zunächst hielt die deutsche Reimann-Familie (die Benckiser-Erben) über ihre Familienholding JAB rund 25 Prozent an dem neuen Konzern; inzwischen ist der Anteil jedoch unter 1 Prozent gesunken.

BENCKISER, CALGON: Johann Adam Benckiser (1782 – 1851) begann 1823 in Pforzheim mit der Herstellung von Salmiak aus Ammoniak und Salzsäure. 1828 stellte Benckiser den Chemiker Karl Ludwig Reimann (1804 – 1872) ein, der im gleichen Jahr zusammen mit Christian Wilhelm Posselt das Nikotin aus der Tabakpflanze isolierte. Reimann heiratete später Benckisers Tochter und stieg 1833 zum Teilhaber auf. Nach dem Tod von Benckiser ging das Unternehmen in den Besitz von Reimann über, der noch 1851 eine Chemiefabrik in Ludwigshafen eröffnete, die Grundchemikalien wie Weinsäure, Zitronensäure und Phosphate produzierte. 1858 zog die Firma ganz nach Ludwigshafen um. In den 1930er Jahren erwarb Benckiser von der Hagan Corporation aus Pittsburgh eine Herstellungslizenz für dessen Wasserenthärter Calgon (Natriumhexametaphosphat), der in Deutschland ab 1935 hergestellt wurde. Als sich in den 1950er Jahren immer mehr Privathaushalte Waschmaschinen und Geschirrspüler anschafften, brachte Benckiser Calgon (1956) und Calgonit (1964) in den Einzelhandel. 1987 erwarb Benckiser von Ecolab deren Konsumgütersparte mit der 1983 eingeführten Marke Vanish (Fleckentferner).

COTY, LANCASTER, RIMMEL, CHICOGO: Mit der Übernahme der Coty Inc. stieg Benckiser 1992 in das Körperpflege- und Kosmetikgeschäft ein. Zu Coty gehörte auch der 1946 von Georges Wurz und Eugene Frezzati in Monaco gegründete Kosmetikhersteller Lancaster (Adidas Kosmetikserie, Davidoff Parfums, Jil Sander Parfums, Joop Parfums, Margaret Astor). 1996 erwarb Benckiser von Unilever die Kosmetikmarken Rimmel London und Chicogo. Im gleichen Jahr übertrug Benckiser sein gesamtes Kosmetikgeschäft auf Coty, während aus dem Geschäft mit den Reinigungsmittel 1999 Reckitt-Benckiser entstand.

COLMAN: Der Müller Jeremiah Colman (1777 – 1851) erwarb 1803 eine Wassermühle in Pockthorpe. 1804 kaufte er ein Senfgeschäft, das er in eine Mühle nach Stoke Holy Cross bei Norvich verlegte, wo die Senfkörner fortan gemahlen wurden. Da er keine eigenen Kinder hatte, ging er 1823 eine Firmenpartnerschaft mit seinem Neffen Jeremiah James Colman ein (J & J Colman). Ab 1829 wurde Colman's Mustard auch in London verkauft. Jeremiah James Colman (1830 – 1898) verlegte die Produktion 1856 in eine neue Fabrik an der Carrow Road bei Thorpe Hamlet, einem Vorort von Norvich. 1866 ernannte ihn Königin Victoria Colman's zum königlichen Hoflieferant. Außerdem belieferte die Firma auch den französischen Kaiser Napoleon III., den italienischen König Victor Emmanuel II. und den Prince of Wales mit Senf. 1903 erwarb J & J Colman den Konkurrenten Keen Robinson & Company, der neben Senf auch Babynahrung und Getränke herstellte, und 1926 zusammen mit der Reckitt and Sons Ltd. den US-Senfhersteller French's. Nach fast 20 Jahre andauernden Verhandlungen schlossen sich Reckitt und Colman 1938 schließlich zusammen. Beide Unternehmen blieben noch bis 1954 einzeln an der Londoner Börse notiert, erst danach entstand die Holdinggesellschaft Reckitt & Colman Holdings Ltd.

RECKITT, RECKITT & COLMAN: Der Chemiker Isaac Reckitt (1792 – 1862) betrieb ab 1818 zusammen mit seinem Bruder in Boston/Lincolnshire einen Mühlenbetrieb. 1833 schied er aus der Firma aus und versuchte sich als Getreidehändler in Nottingham, was nicht den gewünschten Erfolg brachte. 1840 ging er nach Kingston upon Hull und mietete dort eine Stärkefabrik an, die sich auf die Herstellung von Stärke (Robin Starch), Graphit (Zebra), Wäschefärbemittel (Vorgänger der optischen Aufheller), Politurmittel (Bluebell, Brasso, Mepo, Shinio), Reinigungsmittel (Harpic, Karpol, Reckitt's Bath Cubes, Windo/Windolene, Zebo) und Desinfikationsmittel (Dettol) spezialisierte. Ein kurzeitiger Ausflug in die Nahrungsmittelbranche (1857 – 1866) wurde aufgegeben, nachdem die Biscuit-Fabrik abgebrannt war. Nachdem der Gründer verstorben war, wurden seine drei Söhne George, Francis und James neue Eigentümer des Unternehmens, das nun als Reckitt and Sons Ltd. firmierte. Einige Marken aus dieser frühen Zeit gibt es noch heute, Dettol (seit 1932), Harpic (Kauf 1932) und Windolene.

AIR WICK, CLEARASIL, HOFFMANN'S, KUKIDENT, LYSOL, SAGROTAN, WOOLITE: 1984 erwarb Reckitt & Colman die US-Raumduftmarke Air Wick, die zuvor dem Schweizer Chemiekonzern Ciba-Geigy (heue Novartis) gehört hatte, 1985 die Hoffmann’s Stärkefabriken AG aus Bad Salzuflen, 1988 von Procter & Gamble die Marke Kukident und 1990 Boyle-Midway (Woolite) von American Home Products. Eine weitere bedeutende Akquisition war 1994 die Übernahme von der Firma Lehn & Fink, inkl. der Firma Schülke & Mayr, die Desinfektionsmittel wie Gevisol (seit 1950), Gigasept (seit 1975), Grotan (seit 1924), Kodan (seit 1939), Lysol (seit 1889), Lysovet (seit 1971), Parmetol (seit 1920), Primasept (seit 1980) und Sagrotan (1913) herstellte. Im Zuge der Übernahme der Dow-Chemical-Consumersparte DowBrands durch S.C. Johnson 1998 übernahm Reckitt & Colman einige Marken aus dem DowBrands-Portfolio (Glass Plus, Spray 'n Starch, Spray 'n Wash). 2005 erwarb Reckitt-Benckiser von der Boots Group den Bereich Boots Healthcare International (Clearasil, Nurofen, Strepsils). Das Senfgeschäft von Colman's wurde 1995 an Unilever verkauft.

CILLIT BANG: Begleitet von einer frechen TV-Werbekampagne brachte Reckitt-Benckiser 2003/2004 den neuen Haushaltsreiniger Cillit Bang (Slogan: Bang, and the dirt is gone) innerhalb eines Jahres in 68 Ländern gleichzeitig auf den Markt. Trotz oder gerade wegen des gewöhnungsbedürftigen Namens (Ein Blogger fragte: »Who in the world would call this product by such a stupid name?. It must be a joke«) entwickelte sich Cillit Bang bald zu einem Kultprodukt. Auf YouTube tauchten privat gedrehte Cillit-Bang-Werbevideos auf, es gab selbst gedruckte Werbe-T-Shirts zu kaufen und allerlei Anekdoten kursierten im Internet, z.B. dass das Mittel zum Beseitigen von Plutoniumrückständen im 2008 stillgelegten schottischen Kernkraftwerks Dounreay verwendet wurde. Der Name Cillit Bang entstand in Anlehnung an das Wassertechnologie-Unternehmen Cillit (ursprünglich Cillichemie), die 1903 von Franz und Cilly Vogelmann gegründet worden war, und sich seit 1982 im Besitz von von Benckiser befand.

DUREX, SCHOLL: 2010 erwarb Reckitt-Benckiser den britischen Konsumgüterhersteller SSL International (Seton Scholl London International Group), zu dem Marken wie Durex, Meltus, Medised, Mister Baby, Paramol, Sauber, Silkoplast und, Scholl gehörten. SSL war 1999 durch den Zusammenschluss von Seton Scholl (Seton Healthcare, Scholl) und dem Durex-Hersteller London International Group (früher London Rubber Company) entstanden.

2017 verkaufte Reckitt-Benckiser seine Nahrungsmittelsparte RB Food (Cattlemen's, Frank's RedHot, French's) an den US-Gewürzhersteller McCormick & Company Inc.

JAB: Die Finanzholding Joh. A. Benckiser SE Wien (JAB), die der deutschen Familie Reimann gehört, hält Beteiligungen an zahlreichen Unternehmen u.a. Caribou Coffee, Coty, Jacobs Douwe Egberts (JDE), Labelux Group (Bally, Derek Lam, Jimmy Choo, Solange Azagury-Partridge, Zagliani), Peet's Coffee and Tea und Reckitt-Benckiser.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 29.04.2020 | 23:06