Markenlexikon

Branche: Musikindustrie

RCA Records / RCA-Victor

USA

Der Nähmaschinenmechaniker Eldridge Reeves Johnson (1867 – 1945) fertigte in seiner Werkstatt in Camden/New Jersey zunächst die Grammophone für den Schallplattenerfinder Emile Berliner (1851 – 1929). Als Berliner ab Juni 1900 seine Grammophone aufgrund von Patentstreitigkeiten mit seinem früheren Vertriebspartner Frank Seaman (Zono-O-Phone) nicht mehr in den USA verkaufen durfte, verlor Johnson seinen größten Auftraggeber. Notgedrungen gründete er in Camden die Consolidated Talking Machine Company und baute eigene Grammophone. Seaman verklagte auch Johnson, diesmal verlor er den Prozess jedoch. Er konnte lediglich erreichen, dass Johnson die Marke Gram-O-Phone nicht mehr benutzten durfte. Ab Dezember 1900 verwendete Johnson daher den Markennamen Victor – als Zeichen seines Sieges über Seaman. Im Oktober 1901 benannte er das Unternehmen schließlich in Victor Talking Machine Company um; an dem neuen Unternehmen war Johnson mit 60 Prozent und Berliner mit 40 Prozent beteiligt.

1920 verkaufte Emile Berliner seine Anteile an der britischen The Gramophone Co. Ltd. (His Master's Voice) an Victor, 1924 auch die Berliner Gramophone Company of Canada. Johnson veräußerte die Victor Talking Machine Company 1927 an eine Investmentgesellschaft, die sie 1929 an den Elektro-/Elektronikkonzern Radio Corporation of America (RCA; 1919 gegr. von General Electric, Westinghouse AT&T, United Fruits) weiterreichte. RCA kam damit nicht nur in Besitz der größten US-Plattenfirma (Victor) und der größten europäischen (Gramophone; ab 1930 EMI), sondern konnte nun auch das Markenzeichen His Master's Voice (HMV) verwenden. Die Anteile am britischen EMI-Konzern wurden jedoch aus kartellrechtlichen Gründen 1935 wieder verkauft, lediglich die US-Rechte am HMV-Markenzeichen behielt RCA.

1955 gelang RCA-Victor mit der Übernahme des damals noch recht unbekannten Country & Western-Sängers Elvis Presley von Sun Records aus Memphis/Tennessee der große Coup. Elvis entwickelte sich zum größten Star der nächsten beiden Jahrzehnte und RCA-Victor wurde innerhalb weniger Jahre zum führenden US-Schallplattenkonzern. Zu den bekanntesten Stars, die ihre Platten bei RCA-Victor veröffentlichten, gehörten u.a. Paul Anka, Perry Como, Waylon Jennings, Charley Pride, Lou Reed, Kenny Rogers, Dolly Parton, David Bowie, die Eurythmics, Jefferson Airplane/Jefferson Starship, die Archies, Bonnie Tyler, Slade, Diana Ross, Hawkwind, Middle Of The Road, Oliver Onions, Vangelis, José Feliciano, Wilson Pickett, Take That und Christina Aguilera.

1969 benannte sich das Unternehmen offiziell in RCA Corporation um. Gleichzeitig führte der Konzern ein neues Logo ein, die alten Markenzeichen RCA-Victor und HMV verschwanden vorübergehend (bis 1976) aus der Öffentlichkeit. 1985 beteiligte sich der deutsche Medienkonzern Bertelsmann (Ariola) mit 25 Prozent an RCA Records, der Musikabteilung von RCA. Als General Electric 1986 die Muttergesellschaft RCA Corporation übernahm, kaufte Bertelsmann auch die restlichen Anteile von RCA Records. Daraufhin benannte sich der Bertelsmann-Musikbereich (Ariola Eurodisc, Arista, Hansa) in Bertelsmann Music Group (BMG) um. Die traditionsreiche RCA-Victor-Fabrik in Camden/New Jersey wurde anschließend geschlossen und in ein Wohngebäude mit Luxuswohnungen umgewandelt (The Victor).

2004 schlossen Sony und Bertelsmann ihre Musiksparten Sony Music Entertainment (Columbia, Epic) und BMG Entertainment (Ariola, Arista, Hansa, Jive, RCA, Zomba) in dem Jointventure Sony-BMG Music Entertainment (New York) zusammen; 2008 übernahm Sony dieses Jointventure ganz. Die Consumer-Electronics-Marke RCA wird heute von mehreren Unternehmen für verschiedene Produkte genutzt.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 20.06.2019 | 00:14