Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Rama

Ursprungsland: Niederlande

Der französische Chemiker Hippolyte Mége-Mouriés (1817 – 1880) entwickelte 1869 im Auftrag der französischen Regierung, die einen preiswerten Butterersatz für die Verpflegung der Armee suchte, eine streich- und lagerfähige Kunstbutter aus Wasser, Rinderfett, Milch und Lab, die er aufgrund des perligen Schimmers in Anlehnung an das griechische Wort Margaron (Perle) Margarine Mouriès nannte. Der Erfinder bekam mehrere Patente auf die Margarine erteilt (Bayern, England, Frankreich, Österreich-Ungarn, USA), doch der Aufbau einer eigenen Produktion in Poissy scheiterte wegen des Deutsch-Französischen Krieges (1870 – 1871).

1871 begann der niederländische Butterhändler Antoon Jurgens (1805 – 1880) aus Oss mit der fabrikmäßigen Herstellung von Margarine, nachdem er von Mége-Mouriés die Nutzungsrechte an dem Herstellungsverfahren erworben hatte. Ein Jahr später folgte sein Landsmann Simon Van den Bergh (1819 – 1907), dessen Firma ebenfalls in Oss ansässig war. Als Deutschland Schutzzölle auf Margarine erhob, errichteten beide Unternehmen 1888 Fabriken in Goch (Jurgens) und Kleve (Van den Bergh). 1900 entstand innerhalb des Klever Werkes die Tochtergesellschaft Sana, die für die Produktion von koscheren Produkten zuständig war. Die gleichnamige Sana-Margarine enthielt anstatt Milch Mandelöl. 1904 folgte die besonders streichfähige Sanella.

In den USA, wo Margarine in etwa zur gleichen Zeit wie in Europa auf den Markt kam, tobte ein jahrzehntelanger Wirtschaftskrieg zwischen den Milchbauern, der Milchindustrie und den Butterliebhabern auf der einen und den Margarineherstellern auf der anderen Seite. Die billigere Margarine war vor allem bei ärmeren Bevölkerungsschichten beliebt. In einigen Bundesstaaten wie Maine, Michigan, Minnesota, Ohio, Pennsylvania und Wisconsin wurde Margarine zeitweise ganz verboten, andere erhoben restriktive Steuern und verboten den Herstellern das Einfärben der weißen Margarine, damit sie nicht mit der gelblichen Butter verwechselt werden konnte. New Hampshire, South Dakota und Vermont wollten die Hersteller sogar per Gesetz dazu zwingen, Margarine mit rosa Farbe einzufärben, was allerdings vom Obersten Gerichtshof der USA untersagt wurde. In dieser Zeit erschienen auch zahlreiche zweifelhafte wissenschaftliche Berichte, die suggerierten, dass Margarine Krebs verursachen oder zum Wahnsinn führen könne.

1924 brachte Van den Bergh die Margarine-Marke Schwan im Blauband auf den Markt und Jurgens folgte mit Rahma (RAHm + MArgarine). 1927 musste jedoch der Buchstabe h aus dem Namen gestrichen werden, weil es den Käufern Milchrahm suggerierte, obwohl Margarine schon damals nur noch aus verschiedenen pflanzlichen sowie tierischen Ölen und Fetten bestand. Im selben Jahr schlossen sich beide Firmen zur Margarine Unie (Margarine Union) zusammen.

Nachdem die Margarine Unie (Apollo, Cleverstolz, Elida, Rama, Sana, Sanella, Schicht, Solo, Vitello) und der britische Seifen- und Margarinehersteller Lever Brothers (Butterine, Gibbs, Lifebuoy, Lux, Omo, Pears, Rexona, Rinso, Sunlight, Sunlicht, Vinolia, Wall's) jahrelang erbittert um die Vorherrschaft in Europa konkurriert hatten, kam es 1929/1930 zur damals größten Fusion der Welt: beide Unternehmen bildeten den Unilever-Konzern, dessen regionale Tochtergesellschaften die Margarine-Marken Becel, Blue Band, Country Crock, Doriana, Dorina, Flora, Lätta, Rama, Sana, Sanella und Stork jahrzehntelang herstellten – in Deutschland die Union Deutsche Lebensmittelwerke (vorm. Margarine Union).

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Nachdem die Rama-Margarine bedingt durch den Zweiten Weltkrieg eine Zeit lang nicht produziert worden war, wurde sie 1954 mit großem Werbeaufwand als hochwertige Markenmargarine wieder auf den deutschen Markt gebracht. Der Unilever-Konzern bemühte sich jahrzehntelang mit diversen Marketingaktivitäten darum, Margarine als gesunde Butter-Alternative darzustellen. In den 1950er und 1960er Jahren stieg Rama zur mit Abstand führenden deutschen Margarine-Marke auf (Slogan: Rama macht das Frühstück gut).

2008 ersetzte Unilever einen Teil des Fetts durch preiswertes Wasser (nur noch 70 Prozent Fett anstatt 80 Prozent), was dazu führte, dass Rama nicht mehr als Margarine bezeichnet werden durfte, sondern nur noch als Dreiviertelfettmargarine. 2017 wurde der Fettanteil auf 60 Prozent gesenkt. Inzwischen verwenden die meisten Hersteller nur noch den neutralen Begriff Streichfett. Rama besteht heute aus Raps- und Palmöl (früher Sonnenblumen-, Mais- und Rapsöl) oder Sonnenblumen-, Kokos- und Rapsöl (palmölfreie Variante) sowie Trinkwasser und weiteren Zutaten (Aromen, Carotin, Citronensäure, Fababohnenprotein, Kaliumsorbat, Lecithine, Speisesalz, Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, Vitamine).

2017/2018 verkaufte Unilever die Geschäftssparte Brotaufstriche, die nur einen kleinen Teil des gesamten Konzernumsatzes ausmachte, an den US-Finanzinvestor KKR (Kohlberg Kravis Roberts), der zur Fortführung des Geschäfts das neue Unternehmen Upfield mit Sitz in Amsterdam ins Leben rief. In Südafrika wurde die Unilever-Margarinesparte von Remgro/Siqalo Foods übernommen. 2024 benannte sich Upfield in Flora Food Group um.

Für den deutschen Markt wird Rama in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) und Kleve (Nordrhein-Westfalen) produziert. Das Werk im Wittenberger Ortsteil Pratau war 1903 gegründet worden und gehörte ab 1920 zur Unilever-Vorgängerfirma Van den Bergh. Während der DDR-Zeit war das Werk ein Staatsbetrieb, 1990 ging es wieder in den Besitz von Unilever über.

Rama ist die meistverkaufte Margarinemarke der Welt (in vielen Ländern auch unter anderen Namen wie Blue Band, Doriana oder Dorina) und Unilever verkündete in den frühen 2000er Jahren auf der deutschen Website stolz: Rama hat in Deutschland einen höheren Bekanntheitsgrad als der Bundeskanzler (damals Gerhard Schröder).

Text: Toralf Czartowski

www.rama.com