Markenlexikon

Branche: Rohstoffe

RAG Ruhrkohle

Deutschland

Die Steinkohle war die Grundlage der Industrialisierung Europas und später auch der Motor des deutschen Wirtschaftswunders nach dem 2. Weltkrieg. Die Förderung im Ruhrgebiet erreichte 1957 ihren Höhepunkt: Rund 600.000 Bergleute holten 150 Millionen Tonnen des fossilen Energieträgers aus der Erde, der vor allem zur Strom- und Wärmeerzeugung und zur Koksproduktion für die Eisenverhüttung genutzt wurde. Doch schon ein Jahr später begann der unaufhaltsame Abstieg.

Die wachsende Verfügbarkeit billiger US-amerikanischer Importkohle und die zunehmende Konkurrenz durch Mineralölprodukte (Heizöl) und Erdgas ließen die Haldenbestände anwachsen. Es folgten Feierschichten, Kurzarbeit und die ersten Zechenschließungen. Im Angesicht drohender Massenarbeitslosigkeit kam es zu einer Welle von Protesten, die 1959 im »Marsch auf Bonn« mit 60.000 Demonstranten gipfelten. Bis 1963 wurden über 30 Zechen geschlossen und Mitte der 1960er Jahre waren im Ruhrbergbau bereits rund 170.000 Arbeitsplätze verlorengeganen. Die Bundesregierung begann damit, für die Stilllegung unrentabler Schachtanlagen Ausgleichszahlungen an die Unternehmen zu zahlen, was allerdings mangels Kontrolle teilweise dazu führte, dass auch moderne und durchaus noch rentable Anlagen geschlossen wurden.

Schließlich blieb nichts anderes übrig, als den deutschen Steinkohlebergbau mittelfristig zu beenden. Um die Rückführung geordnet und sozialverträglich zu gestalten, wurde auf Initiative der Bundesregierung und des Landes Nordrhein-Westfalen im November 1968 in Essen die Konsolidierunggesellschaft Ruhrkohle AG ins Leben gerufen. 25 Kohle-Unternehmen, die sich meist im Besitz von Stahlkonzernen befanden, übereigneten ihre Bergwerke, ihr Vermögen und ihre Schulden dem neuen Unternehmen und wurden dadurch Anteilseigner. Rund 80 Prozent der deutschen Steinkohle-Förderer schlossen sich der Ruhrkohle AG an, lediglich ein kleiner Teil, u.a. die Preussag-Bergwerke und die Saarbergwerke, die sich im Besitz des Staates und des Saarlandes befanden, blieben selbstständig.

Gleichzeitig verpflichtete sich die Ruhrkohle AG dazu, die Stahlkonzerne Thyssen, Krupp, Hoesch, Klöckner Werke, Mannesmann Rheinstahl und Stahlwerke Peine-Salzgitter mit preisgünstiger Steinkohle zu bliefern (Hüttenvertrag). Zusätzlich bekam die Stahlbranche vom Staat noch eine Kokskohlenbeihilfe. Mit einen Strompreis-Aufschlag (Kohlepfennig) wurde 1974 eine weitere Subventionierung der deutschen Steinkohleförderung eingeführt. 1994 erklärte das Bundesverfassungsgericht den Kohlepfennig für verfassungswidrig. Daraufhin wurde der Steinkohleabbau aus dem Staatshaushalt subventioniert.

1997 benannte sich die Ruhrkohle AG in RAG Aktiengesellschaft um. 1998 übernahm die RAG die Saarbergwerke AG (Saarbrücken) und 1999 die Preussag Anthrazit GmbH (Ibbenbüren), den ehemaligen Kohlebereich der Preussag AG. Aus dem Zusammenschluss der Ruhrkohle Bergbau AG (Herne) und der Saarbergwerke AG entstand 1998 die DSK Deutsche Steinkohle AG (Herne).

2002 erwarb die RAG die RWE- und E.ON-Anteile an dem Essener Stromversorger Steag AG (vorm. Steinkohlen-Elektrizität AG). Im Tausch mit den Anteilen an der Ruhrgas AG, an der die RAG über die Bergemann GmbH beteiligt war, gab die E.ON AG die Degussa AG bis 2006 an die RAG ab, während sie selbst die Ruhrgas AG übernahm. Die Degussa, die Steag und die RAG Immobilien AG wurden 2006 in die RAG Beteiligungs-AG ausgegliedert und 2007 in Evonik Industries AG (Essen) umbenannt.

2012 beendete die RAG Deutsche Steinkohle AG die Steinkohleföderung an der Saar (Schließung des Bergwerks Saar in Ensdorf). 2018, als die Bundesrepublik die Steinkohlesubvention beendete, stellten auch die letzten beiden Steinkohle-Bergwerke in Bottrop (Prosper-Haniel) und Ibbenbüren die Förderung ein. Zur Abdeckung der Folgekosten des Bergbaus war bereits 2007 die RAG-Stiftung gegründet worden, in die die damaligen RAG-Aktionäre E.ON, RWE, ThyssenKrupp und ArcelorMittal ihre Anteile einbrachten. Die RAG-Stiftung besitzt neben der RAG Aktiengesellschaft noch Anteile an Evonik Industries und dem Wohnungsunternehmen Vivawest GmbH (Essen), das 2012 aus dem Zusammenschluss der Evonik Immobilien GmbH (vorm. RAG Immobilien) und der THS GmbH (Gelsenkirchen) entstanden war.

2017 zog die RAG Aktiengesellschaft von Herne nach Essen, auf das Gelände der ehemaligen Zeche Zollverein, um. Die 1986 (Förderanlagen) und 1993 (Kokerei) stillgelegte Zeche, die seit 1851 in Betrieb war, ist heute ein Architektur- und Industriedenkmal und gehört seit 2001 zum Welterbe der UNESCO.

Text: Toralf Czartowski

RAG Logo
RAG-Ruhlkohle Logo
RAG-Stiftung Logo
Letzte Änderung der Seite: 18.03.2020 | 00:02