Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Pneumant

Ursprungsland: Deutschland

Die Deutschen Kabelwerke AG (DEKA) aus Berlin richteten 1906 eine eigene Reifenabteilung ein, aus der 1922 die Firma DEKA Pneumatik (Berlin) hervorging. Die jüdische DEKA-Eigentümerfamilie wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten bis 1935 aus dem Unternehmen gedrängt und verließ Deutschland daraufhin. 1936 setzte DEKA als erster Reifenhersteller der Welt den von dem Chemiekonzern IG Farben entwickelten synthetischen Kautschuk Buna in der Serienproduktion ein. Von 1937 bis 1940 errichtete das Unternehmen ein weiteres Reifen- und Gummiwerk bei Fürstenwalde/Spree, rund fünfzig Kilometer südöstlich von Berlin. DEKA produzierte in Fürstenwalde bereits seit 1925 Kabel. Während des Zweiten Weltkriegs ging nahezu die gesamte Reifenproduktion an die Wehrmacht.

1946 wurde das Unternehmen verstaatlicht. Zur gleichen Zeit errichtete man zwei neue Reifenwerke in Riesa/Sachsen und Heidenau/Sachsen. Der Markenname Pneumant wurde ab 1959 verwendet, nachdem die Rechte an dem alten Namen DEKA einem früheren DEKA-Aktionär aus Westdeutschland zugesprochen worden waren. Ab 1968 gehörte Pneumant zum Reifenkombinat Fürstenwalde mit Produktionsstätten in Dresden, Fürstenwalde, Heidenau, Neubrandenburg und Riesa. Bis 1990 war Pneumant der einzige Reifenhersteller der DDR, der vom Fahrrad- bis zum Traktorreifen sämtliche Reifensorten produzierte. Außerdem stellte die Firma Gummibälle, Gummistiefel, Haushaltswaren, Kunststoffteile für die Industrie, Luftmatratzen und Schlauchboote her.

1995 wurde die inzwischen privatisierte Firma von den SP-Reifenwerken aus Hanau übernommen, einer Tochter des japanischen Reifenkonzerns Sumitomo Rubber Industries (Dunlop), die bis 1985 Dunlop AG hieß und ab 1997 wieder Dunlop GmbH. 1999 gründeten Sumitomo Rubber Industries (Dunlop, Falken, Pneumant) und Goodyear (Goodyear, Fulda) das Jointventure Goodyear Dunlop Tires, das die Marke Pneumant 2012 wegen zu geringer Nachfrage aufgab, die Produktion aber 2015 wiederaufnahm.

Text: Toralf Czartowski