Markenlexikon
Kumao Kajiwara gründete 1919 in Toshima, einem Vorort von Tokyo, die Firma Asahi (jap. aufgehende Sonne) Kogaku (jap. Optik) Kogyo (jap. Werke) Goshi Kaisha (jap. GmbH), um Brillengläser herzustellen. Ab Mitte der 1920er Jahre produzierte Asahi Linsen für die Filmindustrie und in den 1930er Jahren auch für Kamerahersteller wie Konica und Minolta. Nach dem Tod des Gründers wurde das Unternehmen von seinem Neffen Saburo Matsumoto weitergeführt und 1938 in Asahi Kogaku Kogyo Kabushiki Gaisha (Asahi Optical Company Limited) umbenannt. Zur selben Zeit erwarb Asahai eine neue Fabrik in Tokyo.
1948 präsentierte Asahi Optical erstmals ein Fernrohr. 1952 kam die erste japanische 35-Millimeter-Spiegelreflexkamera unter dem Namen Asahiflex auf den Markt, 1954 folgte die Asahiflex II mit dem weltweit ersten Schnellverschluss. Die Linsen von Asahi wurden von 1952 bis 1976 unter dem Namen Takumar vermarktet; der Name bezog sich auf Takuma Kajiwara (1876 – 1960), den jüngeren Bruder des Firmengründers, der in den USA als Porträtmaler und Fotograf tätig war.
Für die erste Asahi-Spiegelreflexkamera mit einem fest eingebauten Pentaprisma wurde 1957 der Markenname Pentax (PENTAprism + Single-Lens-RefleX = Spiegelreflex) eingeführt. Ein Pentaprisma oder Dachkantprisma ist ein fünfeckig geschliffener Glasblock, der den Lichtstrahl umlenkt und dafür sorgt, dass der Fotograf ein seitenrichtiges Bild sieht. Seither trugen alle Asahi-Kameras diesen Namen.
Die Marke Pentax gehörte zunächst der verstaatlichten Firma Zeiss Ikon Dresden, dem ursprünglichen Hersteller der Contax-Kameras, die ihn aus den Worten PENTAprisma und ContaX gebildet hatte. Zeiss Ikon Dresden stritt sich damals mit Zeiss Ikon Stuttgart (westdeutsche Neugründung) um den Markennamen Contax. Für den Fall einer juristischen Niederlage hatte die Dresdener Firma alternative Marken wie Pentax registriert, die aber noch nicht genutzt wurden. 1957 verkaufte Zeiss Ikon Dresden die Marke Pentax schließlich an Asahi Optical. Die Kamera- und Kinowerke Dresden (ein 1959 entstandener Zusammenschluss aller Dresdener Kamerahersteller) benannten sich 1964 in Pentacon (PENTAprisma + CONtax) um.


Die Pentax Spotmatic war 1964 weltweit eine der ersten SLR-Kameras, die eine Belichtungsmessung durch das Objektiv ermöglichte (TTL-Belichtungsmessung, Innenmessung). 1971 folgte die erste SLR-Kamera mit TTL-Belichtungsautomatik (Pentax Electro Spotmatic).
Pentax gehörte lange Zeit neben Canon, Konica, Minolta, Nikon und Olympus zu den weltweit führenden japanischen Herstellern von Kleinbild- und Mittelformat-Spiegelreflexkameras. In den USA wurden die Pentax-Kameras von 1959 bis in die 1970er Jahre hinein von der Honeywell-Tochtergesellschaft Heiland Photographic als Heiland-Pentax und Honeywell-Pentax verkauft. 1982 brachte Pentax erstmals eine kompakte Sucherkamera. Ab Mitte der 1980er Jahre verlor das Unternehmen zunehmend Marktanteile an Canon, Minolta und Nikon.
2002 benannte sich Asahi Optical in Pentax Corporation um. 2007 wurde Pentax von dem japanischen Glas- und Optikonzern Hoya übernommen, der vor allem an der Medizintechnik (Endoskope) von Pentax interessiert war. 2011 verkaufte Hoya das Pentax-Kamerageschäft an den japanischen Konkurrenten Ricoh, der neben Bürotechnik (Drucker, Faxgeräte, Kopierer, Scanner) ebenfalls Kameras herstellte. Die neue Ricoh-Tochter firmierte zunächst als Pentax Ricoh Imaging und seit 2013 als Ricoh Imaging. Unter der Marke Pentax werden Spiegelreflexkameras, Systemkameras und Ferngläser vermarktet, während Kompaktkameras als Ricoh in den Handel kommen. Hoya verwendet die Marke Pentax für Medizintechnik.
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Pixabay.com, Public Domain